Einer von Berchmanns Söhnen, der in der Region bekannte Musiker Hardy Berchmann alias Bergen, schildert den Werdegang und die Tätigkeit seines Vaters, der in der Stadt Singen in der Öffentlichkeit als Fotograf und Journalist prägende Spuren hinterlassen hatte. Kurios ist auch, wie er von seinem Geburtsort Moskau und weiteren Sationen den Weg nach Deutschland fand.

"Michael S. Berchmann atammte aus einer deutschstämmigen Künstlerfamilie in Russland. Geboren wurde er 1923 in Moskau, wo er bis zum Kriegsbeginn auch die höhere Schule besuchte und bereits seinem Berufswunsch, nämlich Filmregisseur oder Fotograf zu werden, durch Kontakte zu Moskauer Filmschaffenden nachgegangen war.

Jedoch kam die Einberufung zur Roten Armee im Jahre 1942 seinem Berufswunsch dazwischen. Bei seinem ersten Einsatz als Soldat erlitt er eine schwere Verwundung, und er geriet dadurch in deutsche Kriegsgefangenschaft.

Ein Lebensweg zwischen Moskau und Singen

Nach seiner Genesung konnte er sich als Dolmetscher dank seiner vorhandenen Deutschkenntnisse als vermittelnder Stabsdienstsoldat einer Kosakeneinheit anschließen.

Als die Kosaken an die Westfront versetzt worden waren, und dort letztendlich in englische Kriegsgefangenschaft gerieten, konnte Michael Sergejewitsch Michailow, wie er damals noch hieß, der von den Engländern betriebenen Rückführung der Kosakensoldaten nach Russland entgehen, indem er den ihm aus dem Familienstammbuch bekannten deutschen Herkunftsnamen 'Berchmann' im Soldbuch der Wehrmacht eintragen ließ.

Bei den deutschen Behörden konnte er sich wie ein Kriegsheimkehrer nach Westdeutschland darstellen.

Nach dem Krieg blieb er in Deutschland, und er war zunächst Arbeiter bei den Aluminium-Walzwerken in Singen. 1948 ging er seine erste Ehe ein, und dieser entstammen drei Söhne. Schon während der Zeit als Arbeiter entwickelte er großes Interesse daran, sich als Fotograf zu betätigen und eine eigene Dunkelkammer in seiner Wohnung einzurichten.

Er bot der damaligen Lokalredaktion des SCHWARZWÄLDER BOTEN seine Dienste als Fotograf an und gab ab 1962 seinen Beruf als Arbeiter auf und wurde freischaffender Mitarbeiter dieses Blattes. Er machte sich als Fotograf und Berichterstatter, auch später viele Jahre für die Singener SÜDKURIER-Lokalredaktion, einen klingenden Namen, und kaum eine Veranstaltung in Singen war denkbar, ohne dass er mit seiner Leica-Kamera an vorderster Front die Akteure des Geschehens aufforderte, sich in Pose zu begeben oder in Gruppen zusammenzustellen, um sein Foto für die Zeitung zu schießen.

In dieser Zeit waren fast täglich Fotos mit der Bildunterschrift 'Foto: Berchmann' zu sehen. Auch als Fotograf für familiäre Anlässe, bei Kommunionen und Konfirmationen und anderen gesellschaftlichen Ereignissen konnten sich die Singener darauf verlassen, dass 'Foto Berchmann' zur Stelle war und Bilder auslieferte.

Mitbegründer des Singener Filmclubs

Vor allem in der Fasnachtszeit lief er zur Hochform auf, wenn es darum ging, Bildbestellungen aufzunehmen und frei Haus die Fotos an die Privatadressen auszuliefern. Auch war er Mitbegründer des Singener Filmclubs, wo er lange Jahre den Posten des Schriftführers innehatte.

An zahlreichen Publikationen als Autor und mit Fotos über die Stadt Singen war er beteiligt. Ein besonderes Anliegen war ihm, im Singener Stadtgeschehen Kunstausstellungen und Vernissagen mit seinen Bildberichten zu begleiten, und manches fotografische Porträt von regionalen und überregionalen Kunstschaffenden wurden von ihm erstellt.

Michael S. Berchmann schloss eine zweite Ehe und zog nach Volkertshausen ins eigene Haus. Aus dieser Ehe entstammen zwei Kinder, die zusammen mit den Stiefgeschwistern aus der ersten Ehe seiner Frau dort aufwuchsen.