Künstlermanager in München statt Hegau: Wie hat es Sie von Friedingen in die weite Welt verschlagen?

Nachdem ich mein Abitur am Wirtschaftsgymnasium an der Robert-Gerwig-Schule gemacht hatte, habe ich begonnen, in Villingen-Schwenningen International Business zu studieren. Einen Teil meines Studiums habe ich in Madrid verbracht und meine Abschluss-Arbeit dann bei einem großen TV-Konzern in München geschrieben. Da hat es mir so gut gefallen, dass ich dort im Anschluss an mein Studium in der Kommunikations-Abteilung angefangen habe. Nach ungefähr drei Jahren in der Pressestelle bin ich dann intern zu einer Künstlermanagement-Agentur gewechselt.

Und wie wird man Künstlermanager?

Der Beruf Künstlermanager ist in vielen, wahrscheinlich sogar den meisten Fällen, ein Beruf, in den man aus anderen, angrenzenden Berufszweigen reinrutscht – einige Kollegen waren zuvor bei TV-Produktionsfirmen, andere bei Vermarktungs-Agenturen, ich kam aus der Presse-Abteilung. Dort hatte ich auch schon die Jahre zuvor immer wieder Kontakt zu Künstlern, insofern hat der Schritt, ins Management zu wechseln, für mich Sinn gemacht. Bis Sommer letzten Jahres habe ich für die Agentur verschiedene TV-Gesichter betreut – dann habe ich mich selbständig gemacht.

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Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

Auf jeden Fall sieht kein Tag aus wie der andere. Und als Selbstständiger ist es natürlich nochmal anders als in einer großen Agentur eines Medienkonzerns. Trotzdem habe ich es bis heute nicht eine Sekunde bereut, diesen Schritt zu gehen. Meine Arbeit basiert im Kern darauf, Karrieren entweder von Null an aufzubauen oder bestehende Karrieren voranzutreiben. Ich bin viel unterwegs und begleite meine Künstler zu ihren Verpflichtungen, wickle aber auch mit meinem Team die gesamte Administration im Hintergrund sowie alle vertraglichen Themen ab. Mein Aufgabengebiet reicht also von der Verhandlung bis zur Organisation und letztlichen Umsetzung vor Ort.

Wer sind Ihre Kunden?

Ich kümmere mich in meiner Agentur um das Management von Entertainer Riccardo Simonetti und Prosieben-Moderatorin Viviane Geppert, deren Karrieren ich von Anfang an mitgestaltet habe. Darüber hinaus arbeite ich immer wieder mit vielen weiteren Künstlern in der Branche zusammen – von Sylvie Meis über Cathy Hummels bis hin zu Influencern wie Novalanalove. In meinem Daily Business habe ich viel mit großen Werbekunden zu tun und bin in engem Austausch mit Fernseh-Sendern und Medienhäusern, arbeite aber auch mit verschiedenen Charity-Organisationen zusammen. Riccardo Simonetti ist zum Beispiel ehrenamtlicher Botschafter von „Jugend gegen Aids“, die sich dem Kampf gegen HIV verschrieben haben, sowie der DKMSlife, die sich an Krebs erkrankten Frauen widmen.

Entertainer Riccardo Simonetti (rechts) mit seinem Manager bei den „About You“-Awards 2019, wo er als „Idol of the Year“ ausgezeichnet wurde.
Entertainer Riccardo Simonetti (rechts) mit seinem Manager bei den „About You“-Awards 2019, wo er als „Idol of the Year“ ausgezeichnet wurde. | Bild: Privat/Tobias Koppenhöfer

Wie ist es, mit Künstlern zu arbeiten – haben sie die Allüren, die man vermutet, oder ist es überraschend unkompliziert?

Vermutlich ist das wie in jedem anderen Job auch: Man kann Glück oder Pech haben mit den Leuten, mit denen man zusammenarbeitet. In meinem Fall ist es wie Arbeit mit Freunden, ich habe mich von Anfang an sehr gut mit den Künstlern, die ich vertrete, verstanden und wir haben heute ein sehr enges Band. Das sollte man idealerweise auch, denn man verbringt viel Zeit zusammen und steht in ständigem Austausch. Aber ja, ich habe natürlich auch schon Prominente kennengelernt, bei denen ich mich nicht wirklich darum gerissen hätte, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Es gibt schon durchaus Kandidaten, bei denen Selbstwahrnehmung und Realität weit auseinander liegen (lacht).

Sind Sie privat auch in der Promiwelt unterwegs?

Überhaupt nicht. Und das entkräftigt glaube ich auch ein großes Vorurteil, dass die Leute an diesen Job haben: Nämlich dass man sich in den feinsten Kreisen bewegt, nur auf schicken Events ist und mit jedem Prominenten, dem man einmal die Hand geschüttelt hat, befreundet ist. Und ein Stück weit kann ich den Gedanken auch verstehen. Denn wenn man nichts mit dieser Branche zu tun hat, sieht man natürlich nur die Spitze des Eisbergs. Die ist aber nur ein Teil des Ganzen. Beruflich gehört da noch sehr viel mehr dazu, privat würde ich mich jedoch als einen der langweiligsten Menschen beschreiben, die ich kenne (lacht). Das mag auch daran liegen, dass mein Arbeitsleben sehr abwechslungsreich ist, es liegt aber auch und vor allem daran, dass ich es einfach sehr mag, wirklich privat zu sein. Natürlich entwickelt man mit Menschen in der Branche über die Jahre auch ein freundschaftliches Verhältnis – so wie man das in jedem anderen Job mit Arbeitskollegen auch tut. Ich suche meine Freunde aber nach wie vor nach den selben Kriterien aus – und die haben rein gar nichts mit Prominenz oder Einfluss zu tun. Gerade weil ich auch die inszenierten, oberflächlichen Seiten dieser Branche kenne, schätze ich es sehr, dass mein Privatleben sehr normal ist. Mein engster Freundeskreis ist heute fast noch der gleiche wie früher. Viele meiner Freunde leben auch immer noch im Hegau, meine engsten hat es mittlerweile – zu meiner eigenen Freude – beruflich bedingt auch nach München verschlagen.

Und wie sieht Ihr Feierabend aus?

Meine Arbeit nimmt einen großen Teil meiner Zeit ein, für mich ist es dann ein riesiges Privileg, wenn ich mir nach einem Event in Smoking und Fliege zuhause eine Jogging Hose anziehen kann und mich auf der Couch mit meinen Freunden über komplett andere Dinge unterhalten kann.

Was verbinden Sie mit der Heimat?

Ich bin gerne im Hegau groß geworden und wäre vermutlich auch nicht zu dem Menschen geworden, der ich heute bin, wenn ich nicht dort aufgewachsen wäre. Das bedeutet aber nicht, dass es mitunter nicht auch schwierig war. Ich habe dem Bild, das man von einem Jungen auf dem Land hat, vermutlich nie so recht entsprochen. Und das merkt man natürlich auch selbst. Ich würde nicht sagen, dass ich ein Außenseiter war, aber ich habe schon früh gespürt, dass es mich irgendwann mal woanders hintreiben wird. Heute, mit etwas Distanz, habe ich ein entspanntes Verhältnis zu meiner Heimat. Auch, weil ich gelernt habe, dass es nicht schlimm ist, wenn man nicht immer dem Ideal der Anderen entspricht.

Sind Sie noch regelmäßig hier?

Ich bin so oft ich kann bei meiner Familie zu Besuch, die immer noch in Friedingen lebt: Meine Eltern, die mich immer unterstützt haben, meine Großeltern, die ich über alles liebe, und meine zwei kleinen Patenkinder, die mein ganzer Stolz sind. Alle leben heute noch im gleichen Dorf, teilweise sogar Tür an Tür. Es gibt also eine ganze Menge Gründe für mich, immer wieder gerne zurück nach Hause zu kommen.

Arbeiten gerne zusammen: Tobias Koppenhöfer und Moderatorin Sylvie Meis. Bilder: Privat
Arbeiten gerne zusammen: Tobias Koppenhöfer und Moderatorin Sylvie Meis. Bilder: Privat | Bild: Privat/Tobias Koppenhöfer

Was ist die schönste Erinnerung Ihres Berufslebens? Und was ist richtig schief gelaufen?

So richtig schief gelaufen ist zum Glück noch nie etwas. Ich glaube aber, dass meine größte Herausforderung die Zeit war, in der ich mich selbständig gemacht habe. Sich mit 28 Jahren aus einer sicheren Anstellung in einem Konzern zu lösen und ein eigenes Unternehmen aufzubauen, kann sehr einschüchternd sein. Vor allem in einer Branche, die von vielen alten Hasen dominiert wird. Gleichzeitig war diese Entscheidung aber wahrscheinlich auch mein größter Gewinn, weil sie mir gezeigt hat, dass man durch Mut, Fleiß und mit einer Vision alles schaffen kann, was man will. Schöne Erinnerungen verbinde ich viele mit meinem Job. Das kann eine unvergessliche Begegnung mit einer lebensbejahenden HIV-Infizierten in Südafrika während eines Charity Projektes sein, oder das erste große Magazin Cover eines Künstlers. Gerade diese Mischung macht diesen Beruf so einzigartig.

Und konkret?

Ein konkretes Erlebnis war zum Beispiel eine Preisverleihung letztes Jahr in Los Angeles: Vor der Veranstaltung mal eben mit Victoria Beckham zu quatschen und im Saal den gesamten Kardashian-Clan zu treffen, war auch für mich irgendwie unwirklich. Quasi vom Hohentwiel nach Hollywood (lacht). Mein Job ist ganz bestimmt nicht besser als jeder andere – aber in einer Welt zu arbeiten, die größtenteils aus Träumen besteht, zeigt einem auch, wie man die eigenen wahr machen kann.

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