Wie und wann ist die Idee für die Studiokonzert-Reihe entstanden?

Die Studiokonzerte wurden von meinem Vorgänger Fritz Dobler ins Leben gerufen. Ich habe sie 1993 übernommen und erinnere mich noch gut an mein erstes Studiokonzert im Oktober 1993. Der Abend mit dem Titel „Über das Schöne und Passende“ hatte ich als Gemeinschaftsprojekt mit dem Kunstmuseum und dem Hegaumuseum zum „Jahr der Bilder“ angelegt. Inzwischen sind es über 80 Studiokonzerte.

Auf welchem Wege finden Sie die Künstler dafür?

Die Künstler spielen sehr gerne im Walburgis-Saal und sind durchweg angetan von der intimen Atmosphäre und dem aufmerksamen Publikum. Das führt nicht nur dazu, dass sie gerne wieder kommen, sondern sie empfehlen die Reihe in ihren Kreisen weiter. Es ist so eine Art Schneeballeffekt auf höchstem Niveau. Ich lade auch junge Künstler und Ensembles ein, die ich in Konzerten oder bei Wettbewerben gehört habe. Der Zusammenarbeit mit der Kammermusikreihe in Königsfeld (Schwarzwald) verdanken wir zum Beispiel Konzerte mit Mikhail Voskresensky oder Kemal Gekic. Die Königsfelder Reihe profitiert natürlich auch von uns.

Welche Künstler waren am häufigsten da?

Das „Rachmaninow Trio Moskau“ war in den 90er-Jahren öfters zu Gast. Es hat uns viele Jahre begleitet und uns geholfen, die damals ins Leben gerufenen Workshops für Jugendmusikschule zu entwickeln. Einige Künstler waren bereits zwei oder dreimal da, aber, wie bereits gesagt, sie haben neue hochkarätige Künstler mitgebracht und die Reihe damit bereichert. In dieser Saison haben wir aber lauter „Premieren“: Alle eingeladenen Künstler treten zum ersten Mal in der Reihe „Studiokonzerte auf der Musikinsel“ auf.

Was denken Sie, weshalb das Konzept trotz des kleinen Saals so gut aufgeht?

Der relativ kleine Walburgis-Saal bietet eine besondere, intime Atmosphäre, gute Klaviere und gute Akustik. Damit ist er hervorragend geeignet für Kammermusik. Hinzu kommt das hohe künstlerische Niveau. Die Künstler fühlen sich vor dem Konzert sehr gut betreut und genießen ganz besonders das hervorragende Publikum. Internationale Künstler, abwechslungsreiche oft unkonventionelle Besetzungen, vielseitige Programme, dezent gespickt mit historischen und zeitgenössischen Raritäten, machen neugierig. Zusammengenommen ergibt das einen Mix, der sowohl bei den Künstlern als auch bei den Konzertbesuchern hervorragend ankommt, so dass sie gerne wieder auf die Musikinsel in den Walburgis-Saal kommen.

Was waren für Sie die Höhepunkte der letzten Jahre?

Als Organisator der Reihe ist ein ausverkauftes Konzert und ein begeistertes Publikum, das beglückt nach Hause geht, immer ein Höhepunkt. 1997 konnte ich mich zum ersten Mal über ein ausverkauftes Studiokonzert freuen. Auf dem Programm stand die „Winterreise“ von Franz Schubert. Ausverkaufte Konzertabende hat es in den vergangenen Jahren erfreulicherweise öfters gegeben. Musikalisch möchte ich keine Rangliste erstellen. Ein Konzerterlebnis bleibt von vielen individuellen Faktoren abhängig.

Was war die größte Herausforderung in dieser Zeit?

Die größte Herausforderung ist, das hohe künstlerische Niveau dieser Konzertreihe über die Jahren zu erhalten. Vieles ist aber auch leichter geworden. Dank der hervorragenden Öffentlichkeitsarbeit der Stadthalle Singen hat sich die Bekanntheit der Reihe Studiokonzerte sehr positiv entwickelt. Die harmonische Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro der Stadt und dem Sekretariat der Jugendmusikschule garantiert einen reibungslosen Ablauf.

Gab es auch Fälle in denen spontan improvisiert werden musste?

Der krasseste Fall war 1998 die plötzliche Erkrankung eines Pianisten am Vormittag des Konzerttages. Da liefen viele Drähte heiß: Am Abend begeisterte der junge Pianist Eugène Mursch – Preisträger internationaler Wettbewerbe – das Publikum. Er war kurzfristig eingesprungen. Wir konnten ihn übrigens 2013 wieder im Walburgis-Saal hören. In einem zweiten Fall 2012 hatten wir ein paar Tage Vorlauf. Da konnten wir dem Publikum als Ersatz den berühmten Pianisten Konstantin Lifschitz mit den Goldberg-Variationen vorstellen. Bisher musste noch kein Konzert ausfallen.

Was erwartet die Zuschauer in der kommenden Saison?

Die Saison beginnt mit Gästen aus Wien. Sie werden uns am Samstag in die Welt dieser großartigen Musikstadt entführen. Werke von Haydn, Mozart, aber auch von Lannert und Strauss – Vater und Sohn – versprechen einen unterhaltsamen Abend. Ludwig van Beethovens 150. Geburtstag ist der Anlass für das Konzert der „Ludwig Chamber Players“ am 1. Februar 2020. Das Septett, bestehend aus Streichern und Bläsern, ist das größte Ensemble, das wir bisher bei den Studiokonzerten hatten. Zusätzlich wird noch ein Sänger (Tenor) dabei sein. Sie werden unter anderem das Septett op.20 ihres Namensgebers aufführen. Beim dritten Konzert am 7. März wird die Klarinette im Mittelpunkt stehen. Da begeben wir uns auf „Romantische Wanderungen“ mit Werken von Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn Bartholdy.

Fragen: Saskia Biehler

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Zur Person

Alain Ohl wurde 1947 in Mulhouse im Elsass geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Für sein Studium kam er schließlich nach Trossingen um zunächst Akkorden zu studieren, später auch Klavier. Dort lernte er auch seine Frau kennen. Nachdem er in Trossingen als Dozent und in Villingen-Schwenningen als stellvertretender Musikschulleiter gearbeitet hatte, kam er 1993 schließlich als Schulleiter an die Singener Musikschule. 2012 wurde er dort pensioniert, betreut aber weiterhin die Studio-Konzerte auf der Musikinsel. Vorverkauf bei allen SÜDKURIER-Geschäftsstellen (in Singen bei Buch Greuter) oder telefonisch: (0800)999-1-777.