In der Engener Stadtbibliothek trifft man sich. Seien es Eltern bei der Suche nach neuem Vorlesestoff für die Kinder, Senioren beim entspannten Schmökern oder bunt durchgemischt bei den stark nachgefragten Leseveranstaltungen. Dass die Bibliothek ein wichtiger Bestandteil des sozialen Lebens in der Stadt ist, verdeutlichten die Bibliothekarinnen Judith Maier-Hagen und Bärbel Oetken mit ihrem Jahresbericht, der aktuell im Ausschuss für Verwaltung, Kultur und Soziales vorgestellt wurde.

18 174 Medien können in der Stadtbibliothek entliehen werden – und das gerade einmal für einen Jahresbeitrag von zehn Euro. In den Bereichen Belletristik und Kinderbücher wuchs der Bestand im vergangenen Jahr. Besonders beliebt seien die Tiptoi-Bücher, gaben die Bibliothekarinnen zu verstehen. Aus diesem Grund hat die Bibliothek nun auch alle Titel der Sachbuchreihe, die mittels eines elektronischen Lesestifts besonders viel Spaß verspricht, angeschafft. Insgesamt wurden 2017 physische Medien wie Bücher, Hörbücher und Zeitschriften im Wert von 17 290 Euro erworben und für 1915 Euro digitale Medien. Dass hier regelmäßig eine Vielzahl neuer Titel in die Regale kommt, macht unter anderem die große Beliebtheit der Einrichtung aus. Ebenso gefragt sind die Veranstaltungen, von denen es im vergangenen Jahr 63 gab. Hierfür gab die Bibliothek rund 5725 Euro aus. Finanzielle Unterstützung bekam die Einrichtung vom Förderverein in Höhe von 8626 Euro. Die Stadt Engen brachte 2017 Mittel in Höhe von 134 629 Euro für die Bildungseinrichtung aus. Durch Jahres- und Entleihgebühren wurden 8837 Euro eingenommen. Neben den beiden Bibliothekarinnen, die zusammen eine 80-Prozent-Stelle innehaben, arbeiten hier eine weitere Teilzeitkraft für das Büro sowie 19 ehrenamtliche Mitarbeiter in der Ausleihe und fünf Vorlesepaten.

Die Stadtbibliothek verwandelt sich nach Ansicht von Judith Maier-Hagen und Bärbel Oetken von einem Ort der Ausleihe zu einem Ort des Verweilens und des Austausches. Die Bibliothek werde immer mehr zu einem sozialen und kulturellen Zentrum der Gemeinde. Durch die Neubaugebiete kämen viele Familien zur Entleihe, aber auch zu den Veranstaltungen. Auch ältere Menschen hätten, so die Bibliothekarinnen, die Einrichtung für sich entdeckt. Sie nutzten den ruhigeren Dienstagvormittag zur Ausleihe und zum Plausch über Literaturvorlieben. Insgesamt hatte die Bibliothek 1179 aktive Leser im vergangenen Jahr, davon 534 Kinder und 102 Senioren. Die Zahl der Neuanmeldungen stieg so stark wie nie zuvor, nämlich um 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Da überrascht auch die Rekordzahl von über 60 000 Ausleihen kaum. Auch der Büchermarkt schloss mit einem Rekordergebnis.

55 Prozent aller Eltern lesen ihren Kindern in den ersten zwölf Monaten nicht regelmäßig vor, 28 Prozent auch nicht innerhalb der ersten drei Jahre, so die Erkenntnis der Vorlesestudie 2017 von Stiftung Lesen, der Zeit und der Deutschen Bahn Stiftung. Gleichzeitig stellt eine aktuelle internationale Grundschul-Lese-Untersuchung fest, dass fast jeder fünfte Viertklässler in Deutschland nicht richtig lesen kann. Diesen Entwicklungen will die Bibliothek mit ihren pädagogischen Projekten und Kooperationen entgegenwirken. So bekommen schon die Kleinsten in der äußerst beliebten Reihe "Mit zwei dabei" in der Einrichtung vorgelesen, Kinder von vier bis acht Jahren besuchen die "Traumstunde", eine Vorlesestunde mit Bastelaktion, außerdem gibt es für Kinder Workshops zu Sachthemen, Bücherparties, einen Sommerleseclub, Gute-Nacht-Geschichten im Advent und Kinderkino. Mit der Grundschule besteht eine Kooperation, durch die Kinder spielerisch in die Bibliothek eingeführt werden. Auch Kindergartengruppen kommen zu Besuch. Neben verschiedenen Konzepten zur Bildungsplaninhalten veranstaltet das Bibliotheks-Team außerdem regelmäßig Autorenlesungen für Schüler. Die neu erschienene Broschüre "Lesend lernen", fasst alle Angebote zur Leseförderung für Kindergärten und Schulen zusammen.

Das Angebot der Engener Bibliothek ist für eine Einrichtung dieser Größe enorm. Während Bärbel Oetken und Judith Maier-Hagen in erster Linie ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern und der Verwaltung dankten, fanden auch der Bürgermeister und die Stadträte viele lobende Worte für die Bibliotheksarbeit. "Es ist sensationell, was Sie bieten", lobte Bürgermeister Johannes Moser.

 

Programm 2018

Zahlreiche Lesungen prägen das Jahr. Am Freitag, 23. März, ist beispielsweise Krimi-Autor Wolfgang Schorlau mit "Der große Plan – Denglers 9. Fall" zu Gast in der Stadtbibliothek. Kinder können in den Osterferien mit Robin Hood in den Sherwood Forest (Stadtpark) zum Bogenschießen. Im Juni gibt es eine zauberhafte Feenparty ab fünf Jahren. Zur Heiß-auf-Lesen-Party im September kommen die Clowns Alex und Joschi mit ihrem Programm "Scherz mit Herz". Um auch noch mehr Väter in die Bibliothek zu locken, ist für den Herbst ein Papa-Tag mit Frühstück und Vorlesen und geplant. Das Bibliotheks-Team prüft unterdessen den Musikdienst freegal für eine eventuelle Angebotserweiterung. Und eine gute Nachricht für alle Film-Fans: Ab sofort können DVDs kostenlos und mit einer Fristverlängerung auf zwei Wochen entliehen werden. (ker)