Engen Engen unter scharfer Bewachung der Nachtwächter und Türmer

Nachtwächter und Türmer feierten zusammen ihr Jubiläum. Auch Fanfarenzüge waren beim Umzug in der Altstadt dabei.

Was sich die einstigen Bewohner der Stadt Engen bei diesem Anblick gedacht hätten? Die Versammlung der Hellebardenträger dürften wohl über jede gewöhnliche Sicherheitsvorkehrung der Stadt währen der Ära der Nachtwächter weit hinausgegangen sein. Aus ganz Baden-Württemberg waren Nachtwächter zu ihrem jährlichen Treffen in den Hegau gekommen.

Für ihre Feier hatten sie sich mit dem Fanfarenzug Engen zusammengeschlossen, der vor 60 Jahren gegründet wurde. So berichtete der Vorsitzende des Fanfarenzuges, Michael Kraft: "Für uns war klar, dass wir uns diesem Fest anschließen".

Engens Bürgermeister Johannes Moser blickte während des Festakts im Städtischen Museum in ein von glänzenden Hellebarden und Hutfedern dominiertes Publikum. Er sprach der Weiterführung der Tradition seine Wertschätzung aus. "Man kann fast leider sagen, dass diese zu Ende gegangen ist", bedauerte er. Dank des großen Interesses seien die Nachtwächter aber oft mit Gruppen in der Altstadt unterwegs. Denn, so der Bürgermeister: "Sie können allzu Wissenswertes über die Stadt berichten".

Wissen etwa über das Gebäude des Museums, anhand dessen bewegter Geschichte Bürgersfrau Brigitte Meßmer ihre Kenntnisse über die Lokalhistorie präsentierte. Sie veranstaltet auch normale Stadtführungen, aber die historischen liegen ihr besonders am Herzen. Schließlich fühlt sie sich in den alten Gassen zuhause: "Ich mache das aus Liebe zur Stadt".

Jedes Haus habe eine andere Geschichte, das fasziniert sie: "Da war Freud und Leid, man taucht da richtig ein", begeisterte sie sich.

Punkten könne sie bei Touristen und Interessierten besonders, wenn sie das Leben früher nicht nur mit ihrem Detailwissen zum Leben erweckt: "Die Leute sind ganz scharf auf die alte Sprache. Da könnten wir stundenlang erzählen", berichtete sie.

Stolz reckt er seine Hellebarde in den Himmel: ein Nachtwächter.
Stolz reckt er seine Hellebarde in den Himmel: ein Nachtwächter.

Und wer während der zwei Stunden alemannischer Erläuterungen doch einmal etwas nicht verstehe, bekomme heute natürlich eine Übersetzung. Die Informationen hätten sich im Laufe der Zeit angesammelt. "Das ist ein Stückwerk. Ich spreche mit Leuten, lese Artikel oder gehe ins Museum", erklärte sie. Dass sich ein Stadtführer sein Wissen für historische Touren selbst aneignet und zu seinem Erfahrungsschatz macht, hält sie für besonders wichtig: "Nur dann ist es authentisch".

Auch wenn sie heute nicht mehr dem Gesindel trotzen müssen – Zunftmeister Thomas Lohmann lobte die "unerschütterliche Kameradschaft" unter den Nachtwächtern und Türmern. Als sich diese gemeinsam mit den Fanfarenzügen der Region während des Umzugs präsentierten, kamen zahlreiche Bürger an den Straßenrand. Angeführt von den Engener Fanfaren und Nachtwächtern zogen sie vom Museum bis zum Rathaus.

Wobei der Verein nach 60 Jahren Erfahrung heute zu melodischeren Tönen durch die Stadt zog, als in deren Anfangszeit. Damals erhielten die Fanfaren wegen ihres falschen Spiels – und um die Ohren der Bürger zu schonen – sogar ihr Vereinsheim als schalldämpfenden Probenraum. So berichtet es zumindest die viel zitierte Legende der Stadt.

 

Historischer Hintergrund

Der Beruf des Nachtwächters kam mit dem Entstehen der ersten größeren Städte im Mittelalter auf. Der Nachtwächter sorgte nachts für Ordnung und sagte die Stunden an. Nachtwächter warnten die schlafenden Bewohner vor Feuer, Dieben oder sonstigen Gefahren. Auch hatten sie das Recht, auffällige Personen zu befragen und, wenn nötig, festzunehmen. Oft wurden Nachtwächter trotz ihrer wichtigen Funktion nicht bezahlt und lebten deshalb in einfachen Verhältnissen. (mha)

 

 

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