Es dauert nicht mal eine Stunde. Bereits wenige Minuten nachdem wir vergangene Woche den Artikel über die von jungen Menschen initiierte Week4­Climate online stellen, setzt die Kommentarflut ein. Hauptsächlich Männer echauffieren sich. Ihre echten Namen geben die wenigsten zu erkennen, aber ein Blick auf die Facebook-Profilbilder zeigt: Die meisten sind zwischen 45 und 70. Ihre Botschaft an die Fridays-for-Future-Aktivisten ist simpel: Seid still, hört auf euch zu beschweren!

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Für eine korrekte Groß- und Kleinschreibung haben die Klimaschutz-Kritiker keine Zeit, sie füllen ihre Kommentarkästchen lieber mit Rechtschreibfehlern und Beleidigungen, von denen „Seicher“ und „Pisser“ noch die harmloseren sind.

Uninformiert und derb

Dass Schüler in Singen seit Monaten bewusst auch am Wochenende für den Klimaschutz auf die Straße gehen, ignorieren sie. Stattdessen zieht man hämisch über die „Schulschwänzer“ her. Dass die jungen Menschen sich an Müllsammelaktionen beteiligen und ihre Week4Climate erneut zu diesem Zweck nutzen, ist dem Internetmob natürlich genauso egal. Viel bequemer ist es, der Jugend vorzuwerfen, dass sie es ist, die den meisten Müll produziert. Beweise für diese These? Fehlanzeige.

Ebenso wenig erkennbar ist der Wille, sich mit den von den Aktivisten angestoßenen Themen inhaltlich auseinanderzusetzen. Wörter wie Klimadividende oder Emissionshandel tauchen auf Facebook nicht auf. Wichtiger ist den Klimaschutz-Kritikern, wie genau das Toastbrot verpackt ist, das Greta Thunberg auf Zugfahrten verspeist. Auf die Spitze treibt es ein Kommentator, der meint, dass die Eltern der Fridays-for-Future-Demonstranten besser die Anti-Baby-Pille genommen hätten. Aber dafür sei es ja „leider schon zu spät“.

Wie reagieren die Jugendlichen?

Als wir die Klimastreik-Organisatoren auf den Hass ansprechen, der ihnen im Internet entgegenschießt, sagt Benjamin Janke, er könne nachvollziehen, dass Veränderungen mit Ängsten verbunden seien. Der Singener betont, wie wichtig es deshalb sei, Auflagen wie eine CO2-Steuer auf sozial gerechte Weise auszugleichen: „So dass eben nicht diejenigen in Mitleidenschaft gezogen werden, die sowieso schon weniger haben.“ Eine differenzierte Reaktion auf undifferenziertes Gepöbel.

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Einmal mehr beweisen die jungen Aktivisten damit, dass sie sich erwachsener verhalten als ihre Kritiker. Wo die in den Schmollecken der sozialen Netzwerke randalieren und eine persönliche Attacke nach der anderen fahren, behalten junge Menschen in Singen und auf der ganzen Welt die Zukunft im Blick. Das macht Hoffnung. Für die Fridays-for-Future-Kritiker dagegen gilt: Wer zu faul ist, sich mit fundierten Vorschlägen in die Klimadebatte einzubringen, hat das Recht verspielt, ernstgenommen zu werden. Setzen, sechs!

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