Eine Oma zum Ausleihen, das wäre was. Denn wenn die Großeltern weiter weg wohnen, fehlt Kindern wie ihren Eltern mitunter ein erfahrener Gesprächspartner. Das dachte sich auch das Seniorenbüro Singen, das in Kooperation mit der AWO ein Aktivpaten-Projekt startet. Aktivpaten ist ein anderes Wort für eine bekannte Idee: Eine Leihoma oder ein Leihopa verbringen regelmäßig Zeit mit einem Kind. Beim ersten Informationsgespräch in Singen gab es erste Interessenten, die sich genau das wünschen. „Jetzt habe ich Zeit und mir fehlt der Kontakt zu Kindern“, sagte eine mögliche künftige Leihoma.

„Viele junge Familien haben die Großeltern nicht vor Ort“

Sprichwörtlich braucht es ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Doch das sei heute nicht immer so einfach umzusetzen: „Viele junge Familien haben die Großeltern nicht vor Ort“, sagte Anja Haaff. Sie ist seit Herbst im Seniorenbüro und möchte die Generationen verbinden. Jeder könne zur Leihoma oder zum Leihopa werden, solang er sich regelmäßig Zeit für ein Kind zwischen null und sechs Jahren nimmt. Das könne zweimal pro Woche sein, aber auch nur einmal pro Monat. Das könne im eigenen Wohnzimmer, bei den Eltern des Kindes oder im Freibad sein. „Ich glaube, das ist ein Gewinn für alle“, ist auch Regina Brütsch von der AWO überzeugt. Gesucht werden nun sowohl Familien, als auch Aktivpaten. Was die Familien angeht, macht Regina Brütsch sich keine Sorgen: „Der Bedarf ist da.“ Wobei Leihgroßeltern keinen Babysitter und keine Tagesmutter ersetzen sollen, wie sie betont.

Erfahrung zeigt: „Das ist gut und schön für beide Seiten“

Rund ein Dutzend Menschen kamen zur Vorstellung der Projektidee, darunter neben zwei Müttern mit ihren Kindern auch einige mögliche Leihgroßeltern. Nach der Präsentation bleiben zwei Damen noch sitzen. Die eine ist bereits seit sechs Jahren Leihoma in Rielasingen-Worblingen, die eine möchte nun in Singen starten. Beide möchten ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, zeigen sich aber ganz angetan von dem Projekt: „Das ist gut und schön für beide Seiten“, sagt die erfahrene Leihoma. Sie habe selbst keine Enkel und verstehe sich sehr gut mit ihrer Leihenkelin. „Es ist fast wie eine richtige Familie.“ Die potenzielle Leihoma hatte als Erzieherin ständig Kinder um sich, jetzt im Ruhestand fehle was.

Schulung hilft bei Versicherungs- und Erziehungsfragen

Eine Schulung der AWO soll für die Leihgroßeltern einen sicheren Rahmen schaffen, wie Regina Brütsch erklärt. Dabei geht es auch um Versicherungsfragen, wenn etwa eine Vase zu Bruch geht. Die Paten sollen über die Stadt versichert sein. Aktivpaten erhalten außerdem eine Aufwandsentschädigung. „Wir empfehlen einen Betrag von fünf Euro pro Stunde, um auch eine Wertschätzung zu vermitteln“, sagt Anja Haaff. Details könnten individuell geregelt werden.

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Im Hegau gibt es schon glückliche Leihomas

Es gibt bereits einige Leihgroßelten im Hegau, zum Beispiel zwölf in Rielasingen-Worblingen. Wie Ursula Schwarz vom Ortsseniorenrat berichtet, betreuen sie derzeit acht Familien und sind auch in der Schule oder im Elterncafé präsent. Das Projekt bedeute Arbeit, aber auch viel Spaß: „Ich habe sehr glückliche Omas.“ Einmal im Jahr gebe es auch ein Treffen, wo sich die Paten austauschen können – das ist auch in Singen geplant. In Gottmadingen hingegen laufe das Projekt noch ein wenig schleppend, erklärte Regina Brütsch im Ratssaal. Dort sei die Familienstruktur und damit der Bedarf womöglich noch ein wenig anders.

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