Der Kulturförderkreis hat zum ersten Mal einen Ehrenpreis verliehen. Das Ehepaar Gabriela Unbehaun-Maier und Hermann Maier erhielt den Preis in Form einer Skulptur des Künstlers Antonio Zecca für ihr kulturelles Engagement.

Die Enthüllung des Prototyps – eine Skulptur des Künstlers Antonio Zecca – ist ein Höhepunkt der Preisverleihung. Der Ehrenpreis geht an das Ehepaar Gabriela und Hermann Maier, für die Christoph Karle und Manfred Seiler den Preis entgegennehmen. Von links: Ursula Graf-Boos, Marcel Da Rin, Christoph Karle, Manfred Seiler und Siegmund Kopitzki.
Die Enthüllung des Prototyps – eine Skulptur des Künstlers Antonio Zecca – ist ein Höhepunkt der Preisverleihung. Der Ehrenpreis geht an das Ehepaar Gabriela und Hermann Maier, für die Christoph Karle und Manfred Seiler den Preis entgegennehmen. Von links: Ursula Graf-Boos, Marcel Da Rin, Christoph Karle, Manfred Seiler und Siegmund Kopitzki. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Bei der Verleihung stand aber die Musik im Zentrum, denn vier Preise gingen an zwei Chöre, ein Orchester sowie eine Brass-Band.

Bisher fast 300.000 Euro vergeben

Seit 1985 verleiht der Kulturförderkreis Preise für Künstler und Musiker aus der Region. 235 Preise und ein Preisgeld von insgesamt 290.000 Euro, allein aus Spenden von Bürgern, Geschäften, Banken oder der Werner-Messmer-Stiftung finanziert, wurden bislang vergeben. Das Vororchester des Hegau-Gymnasiums erhielt dieses Mal den mit 1500 Euro dotierten Kulturförderpreis. Die mit je 1000 Euro dotierten Anerkennungspreise erhielten Renate Forster für ihr Engagement um die Kammerkonzerte, das Blechbläserquintett „Hontes Brass“, sowie die gemischten Chöre Weil und Radolfzell.

„Wir finden immer wieder preiswürdige Nachfolgeprojekte an Schulen“, leitete Ursula Graf-Boos, Vorsitzende des Kulturförderkreises, den Reigen der Laudationes ein.

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Stephan Glunk hatte die Ehre, die Laudatio für das Vororchester zu halten. „Zweifellos ist Musik hören ein großes Vergnügen und Musik selbst zu machen, noch ein viel größeres“, so Glunk. Doch gelingt es heute noch, das Smartphone für eine halbe Stunde täglich wegzulegen, um sich der Musik zu widmen?, fragte er. „Die Mädchen und Buben, über die ich heute sprechen darf, können das bestimmt!“

Das Vororchester des Hegau-Gymnasiums bekommt den Kulturförderpreis. 29 Schüler der Klassen 5 bis 7 spielen zurzeit mit und musizieren einmal wöchentlich zusammen.
Das Vororchester des Hegau-Gymnasiums bekommt den Kulturförderpreis. 29 Schüler der Klassen 5 bis 7 spielen zurzeit mit und musizieren einmal wöchentlich zusammen. | Bild: Susanne Gehrmann-Röhm

Die zurzeit 29 Mitglieder des Vororchesters besuchen die fünfte bis siebte Klasse des Hegau-Gymnasiums und proben einmal wöchentlich gemeinsam unter der Leitung von Fabian Stoffler. Der Leiter sei sehr darauf bedacht, dass die Stücke für die Kinder gut spielbar sind und eine flexible Besetzung möglich ist.

„Du machst das jetzt“

„Ihre Vorgängerin Lioba Bölle sagte vor 20 Jahren: ‚Du machst das jetzt‘“, begann Ursula Graf-Boos, die die Laudatio von Angelika Berner-Assfalg verlas, da diese verhindert war. Die Rede ist von Renate Forster, die seit 2001 die Kammerkonzerte betreut. Seit 1997, als in Singen eine Kulturdebatte geführt wurde und eine Unterschriftenaktion den Fortbestand sicherte, sei Renate Forster mit an Bord. Dass die Qualität der Kammerkonzerte sich rumgesprochen hat, zeige die Tatsache, dass die Zahl der Abonnenten sich seit dem Umzug in die Stadthalle fast verdoppelt habe.

Da das Ehepaar Maier wegen einer länger geplanten Reise den Ehrenpreis nicht entgegennehmen konnte, hatte es Manfred Sailer (Stiftungsrat-Vorsitzender, Südwestdeutsche Kunststiftung) und Christoph Karle (Kurator, MAC-Museen) beauftragt. Siegmund Kopitzki beglückwünschte die Jury, dass sie an „die Maiers“ gedacht habe. Als Trüffelschweine der Kultur habe das Ehepaar Maier den richtigen Riecher im Doppelpack und daher eine veritable Sammlung an Kunst und automobilen Preziosen, die sie der Öffentlichkeit in ihren Museen zeigen.

Loblied auf Chorsänger und Blasmusiker

Dass Musik über Alter, Geschlecht und Berufe hinweg verbindet, könne man bei dem gemischten Chor aus Weil bereits beim Einsingen wahrnehmen, sagte Laudator Simon Götz, der eine Schnupperprobe miterlebt hatte. Der 1959 gegründete Chor hat 40 Sänger, ein Durchschnittalter von unter 50 Jahren und alle Stimmlagen gleichmäßig stark besetzt.

Der gemischte Chor Radolfzell wiederum hat im Frühjahr mit 63 Sängern und weiteren Akteuren das Projekt „Snoopy“ vor 900 Zuhörern im Milchwerk aufgeführt. Aber auch die Gruppe „Hontes Brass“ konnte bei Auftritten schon von sich reden gemacht und hat bei einem Wertungsspiel in Ungarn einen ersten Preis geholt. Ihr Auftritt sowie die Kostproben der beiden Chöre und des Vororchesters kamen bei den Zuhörern in Singen bestens an.

Das sagen Laudatoren und Preisträger

  • Preisträgerin Renate Forster: „Musik ist Nahrung für die Seele, Musik erzählt Zeitgeschichte, Musik ist voller Emotion, Kammermusik ist Hochkultur.“
  • Laudator Sigmund Kopitzki: „Gabriela Maier und ihr Mann verstehen sich weder als Jäger noch als Spekulanten, sondern als Treuhänder der Kunst. Sie sind Überzeugungs- und Alleintäter.“
  • Laudator Stephan Glunk: „Ja, das Loblieb singe ich heute diesen Mädchen und Buben mit ihren Violinen, Celli, Tenorhörnern, Posaunen, ihrem Schlagwerk und Keyboard und ihrer Harfe.“ (über das Vororchester des Hegau-Gymnasiums, das den Kulturförderpreis erhielt)
  • Laudator Marcel Da Rin: „Das Neue an dieser Aufführung war die Adaption eines gesamten Musicals für einen Chor.“ (über das Projekt „Snoopy“ des gemischten Chors Radolfzell, der einen Anerkennungspreis erhielt)
  • Laudator Simon Götz: „Was sich hinter diesem bescheidenen und traditionsreichen Vereinsnamen verbirgt, ist alles andere als ‚verstaubte Chorromantik‘.“ (über den gemischten Chor Weil, der einen Anerkennungspreis erhielt)
  • Laudator Manfred Lehn: „Eine Handvoll junger Blechbläser gründeten im Jahre 2000 ein Quintett mit dem wundervollen alemannisch-englischen Namen Hontes Brass.“ (über die Anfänge der Gruppe, die einen Anerkennungspreis erhielt)