"We need you!" In diesen drei Worten von Diane Gashumba steckt eine wichtige Botschaft. "Wir brauchen Sie", sagt die Gesundheitsministerin aus Ruanda, lehnt sich vor und lächelt. Ihr gegenüber sitzt Christine Müller vom Palliativ-Team des Hegau-Bodensee-Klinikums in Singen. Müller ist eine Onko-Nurse, also eine Fachkrankenschwester für die Betreuung von an Krebs erkrankten Patienten. Für diese Zusatzqualifikation hat sie eine zweijährige berufsbegleitende Ausbildung in Freiburg absolviert.

Damit in Zukunft auch die Menschen in Ruanda von diesem Fachwissen profitieren können, besuchte die Gesundheitsministerin des ostafrikanischen Landes mit einer Delegation die Strahlentherapie-Praxis in Singen. Holger Wirtz, leitender Medizinphysik-Experte der Einrichtung, erklärte Diane Gashumba nicht nur die Arbeit der Onko-Nurses am Hohentwiel, sondern bot auch konkrete Hilfe an. "Fachpersonal aus Singen könnte die Pflegekräfte in Ruanda für einige Wochen unterstützen und anleiten", schlug der Experte vor.

"Es ist gut zu wissen, dass der Oberbürgermeister Bernd Häusler und die Stadt Singen diese Partnerschaft mittragen."<strong>Holger Wirtz</strong>, leitender Medizinphysik-Experte aus Singen
"Es ist gut zu wissen, dass der Oberbürgermeister Bernd Häusler und die Stadt Singen diese Partnerschaft mittragen."

Holger Wirtz, leitender Medizinphysik-Experte aus Singen | Bild: Sabine Tesche

Diane Gashumba zeigte sich begeistert von der Idee: "Wir brauchen dringend mehr Expertise und sind sehr offen für so eine Partnerschaft", freute sich die Ministerin. Sie habe einen großen Plan und sehe die Zusammenarbeit mit den deutschen Fachleuten als Chance, diesen zu verwirklichen, erzählte sie dem SÜDKURIER. Ihre Vision: Ruanda soll im Bereich Onkologie zu einem "Trainingszentrum" werden, in dem Pflegekräfte für die ganze Region ausgebildet werden. "Mit der großartigen Unterstützung, die wir nun aus Deutschland erhalten, können wir es schaffen, diese Vision wahr werden zu lassen", ist sich Gashumba sicher.

Als Gastgeschenk erhält der Medizinphysik-Experte Holger Wirtz (r.) von der Delegation aus Afrika ein ruandisches Bild. Die schwarz-weiße Spirale symbolisiert die Unendlichkeit.
Als Gastgeschenk erhält der Medizinphysik-Experte Holger Wirtz (r.) von der Delegation aus Afrika ein ruandisches Bild. Die schwarz-weiße Spirale symbolisiert die Unendlichkeit. | Bild: Sabine Tesche

Solarenergie ist die Lösung

Die Strahlentherapiepraxis Singen-Friedrichshafen dient den afrikanischen Ländern aber nicht nur in Personalfragen als Vorbild. Die Linearbeschleuniger – Großgeräte, die zur Bestrahlung von Tumorpatienten eingesetzt werden – werden in der Gemeinschaftspraxis mit Sonnenenergie vom Dach betrieben. Das sei auch für afrikanische Länder die sinnvollste Lösung, um solche Behandlungsgeräte zuverlässig betreiben zu können, erklärte Holger Wirtz. Denn in vielen Regionen fehle es an der Stromversorgung – Sonne gebe es dagegen mehr als genug. Wirtz erläuterte Gashumba und ihrer Delegation die technischen Details der Anlage und versicherte, beratend zur Seite zu stehen, falls diese Methode auch in Ruanda umgesetzt wird.

"Die Stadt Singen ist sehr stolz auf die Kooperation mit Ruanda und möchte das Projekt unterstützen, so gut es geht."<strong>Martin Burmeister</strong>, Leiter Sozial- und Bildungsplanung Singen
"Die Stadt Singen ist sehr stolz auf die Kooperation mit Ruanda und möchte das Projekt unterstützen, so gut es geht."

Martin Burmeister, Leiter Sozial- und Bildungsplanung Singen | Bild: Sabine Tesche

Auf die Zusammenarbeit mit Ruanda ist auch die Stadt Singen stolz. Das betonte Martin Burmeister, der die afrikanischen Gäste stellvertretend für Oberbürgermeister Bernd Häusler begrüßte. "Wir können in technischen und Personalfragen zwar kein aktiver Partner sein, möchten das Projekt aber unterstützen, so gut es geht", erklärte er. Als Gastgeschenk überreichte ihm Diane Gashumba schließlich noch ein kleines Gefäß, das in Ruanda zur Aufbewahrung besonders wertvoller Dinge benutzt werde, so die Ministerin. Für Wirtz hatte sie ein Bild mitgebracht. Zum Abschluss berichtete Gashumba noch von den Eindrücken, die sie während ihres Besuchs in Singen gesammelt hatte. "Singen ist eine wunderschöne Stadt mit sehr netten, warmherzigen Menschen", lautete ihr Fazit.

"Ich wäre auch bereit, für ein paar Wochen nach Kigali zu gehen, um die ruandischen Pflegekräfte vor Ort anzuleiten."<strong>Christine Müller</strong>, onkologische Fachkrankenschwester aus Singen
"Ich wäre auch bereit, für ein paar Wochen nach Kigali zu gehen, um die ruandischen Pflegekräfte vor Ort anzuleiten."

Christine Müller, onkologische Fachkrankenschwester aus Singen | Bild: Sabine Tesche

Einen dieser Menschen könnte sie vielleicht schon bald wiedersehen. Denn das "We need you" der Ministerin nimmt Onko-Nurse Christine Müller ernst. "Ich wäre bereit, nach Ruanda zu gehen", sagte sie. Und Diane Gashumba kann es offenbar kaum erwarten, die deutsche Krankenschwester in der Hauptstadt Kigali zu begrüßen. Als Müller erklärte, dass sie die Reise erst einmal mit ihren Chefs und der Familie besprechen müsse, schlug die ruandische Politikerin kurzerhand vor: "Bringen Sie Ihre Familie einfach mit!"