Singen Einbruch in ein Singener Schuhgeschäft: Alles spricht für einen Auftragsdiebstahl

Der Einbruch in ein Singener Schuhgeschäft in der Hegaustraße weicht von durchschnittlichen Einbrüchen ab. Die Polizei vermutet dahinter Täter aus einem weiteren Umkreis, die die Situation ausgekundschaftet haben. Ladeninhaber Hans Wöhrle ist jedenfalls erstaunt über die Ortskenntnis der Diebe.

Das Wichtigste für Hans Wöhrle ist, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind. Deshalb kann er nach dem Einbruch in sein Schuhgeschäft in der Hegaustraße auch relativ nüchtern Bilanz ziehen. Doch wenn er aufzählt, was die Diebe alles mitgenommen haben, wirkt er immer noch sprachlos. "Die Täter müssen sich hier gut ausgekannt haben", vermutet er. Etwa 200 Paar hochpreisige Damen- und Herrenschuhe sowie 60 Handtaschen der Marke Abro, die im Schnitt für 300 Euro verkauft werden, seien gestohlen worden. Dazu sämtliche Gürtel. Eine ganze Wand ist abgeräumt. Ersatzware ist so schnell gar nicht zu beschaffen.

"Das war für mich ein Schock", schildert Tanja Dokic. Sie arbeitet seit 24 Jahren beim Schuhhaus Wöhrle und sucht auf der Münchener Modemesse die Ware für das Schuhgeschäft Franco Bonoldi in der Hegaustraße aus. Entsprechend identifiziert sie sich mit ihrer Arbeit. "Mein erster Gedanke war: Wo sind meine Taschen?", sagt sie.

Die Entdeckung machte sie am Freitag nach dem Schmutzigen Dunschtig. Als sie die Ladentür aufschließen wollte, musste sie feststellen, dass die Tür schon offen war, das Schloss aufgebohrt. Mitten im Raum stand ein Stuhl, der da nicht hingehörte. Dann realisierte sie, dass jede Menge Ware fehlte. "Ich rief gleich den Chef an, der glaubte, ich würde einen Fasnachtsscherz machen", erinnert sich Tanja Dokic.

Vor Ort sah Hans Wöhrle schnell, dass die Nachricht seiner Verkäuferin keineswegs ein Scherz war. Herrenschuhe der Marke Galizo Torresi fehlten hauptsächlich; ebenso Damenschuhe von Accatino. "Das sind die teureren Marken", sagt Wöhrle. Im Lager im Keller hätten die Diebe bevorzugt diese Schuhe ausgesucht und möglicherweise sogar einige anprobiert. "Die müssen sich ziemlich sicher gefühlt haben", sind sich Tanja Dokic und ihr Chef einig. Vermutlich in Säcke verpackt, verließ die Waren das Haus durch einen Seiteneingang, wo wohl auch ein Auto geparkt war. Zuvor müssen die Diebe auch noch eine Einfahrtschranke zu einem Innenhof abgeknickt haben. Weil die Haustüre auch als Fluchttüre dient, war sie nicht abgeschlossen.

Jede Menge leerer Kartons ließen die Einbrecher im Lager des Schuhgeschäftes Franco Bonoldi zurück. Die Diebe hatten es auf besonders hohwertige Ware abgesehen. <em>Bild: Gudrun Trautmann</em>
Jede Menge leerer Kartons ließen die Einbrecher im Lager des Schuhgeschäftes Franco Bonoldi zurück. Die Diebe hatten es auf besonders hohwertige Ware abgesehen. Bild: Gudrun Trautmann | Bild: Gudrun Trautmann

"Ein Einbruch dieser Art weicht stark von durchschnittlichen Einbrüchen ab", sagt Polizeisprecher Bernd Schmidt. "Es spricht viel dafür, dass das ein Diebstahl auf Bestellung ist, möglicherweise für ein Geschäft im Ausland. Vermutlich haben die Täter vorher alles ausgekundschaftet." Es sei nicht zu erwarten, dass die Ware in der Region auftauche. Eine heiße Spur gebe es jedenfalls noch nicht. Schmidt stuft die Straftat als schweren Diebstahl ein.

Hans Wöhrle hat ein neues Schloss einsetzen lassen und überhaupt seinen Laden besser gesichert. Er ist froh, dass die Täter nichts verwüstet haben. Dass der Diebstahl aufgeklärt werde, kann sich Wöhrle kaum vorstellen: "Da müsste Kommissar Zufall schon mitspielen." Deshalb sei Vorbeugen so wichtig, sagt er jetzt nicht nur als Ladeninhaber, sondern auch als Sprecher des Singener Einzelhandelsverbandes.
 

Ähnliche Fälle

Im Frühjahr 2016 wurde Christian Ulmer mit seiner Konstanzer Modegalerie am Augustinerplatz gleich zweimal Opfer solcher organisierten Einbrüche. Anfang April räumten Unbekannte Täter seinen Laden mit Markenkleidung komplett aus und erbeuteten Ware im Wert von einer Viertelmillion Euro. Knapp zwei Monate später, Ende Mai, schlugen sie erneut zu und erbeuteten diesmal Mode im Wert von 145 000 Euro.

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