Über 40 Jahre arbeitete Singens Ehrenbürger Willi Waibel die Geschichte von NS-Zwangsarbeitern im Hegau auf. Am Ende drehte der Singener Filmemacher Marcus Welsch, der heute in Berlin lebt, einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Der Chronist“. Dieser Film, in dem Willi Waibels Arbeit steckt, trägt zur grenzüberschreitenden Versöhnung bei.

„Dieser Film ist nicht nur ein Lokalprodukt“, urteilte der Welsch bei einem Vortrag im MAC-Museum, zu dem der CDU-Stadtverband Singen eingeladen hatte. Im Film würden Dinge stecken, die jahrelang von vielen Menschen unterschätzt worden wären.

Vorführungen in Berlin, in Polen und der Ukraine

Im Redefluss angekommen gab es kaum eine Pause für Welsch, um über die vielen Begegnungen und Erfahrungen zu berichten, die er nach der Filmpremiere in Singen, bei Vorführungen in Berlin, in Polen und der Ukraine sammeln durfte. Nach eigener Aussage sei die Nachfrage in Deutschland erstmal nicht so groß gewesen, auch das Fernsehen hätte die Dokumentation nicht haben wollen. Denn in Verbindung mit dem NS-Regime stünde das Thema der Zwangsarbeiter im Vergleich zu den schweren Hauptverbrechen nicht an primärer Stelle.

Interesse am Film sehr hoch

Doch wie kommt dieses Thema in der Ukraine oder in Polen an? Dort sei das Interesse am Film sehr hoch. Viele waren zu den Vorstellungen gekommen, denn fast jede Familie sei betroffen gewesen. Der Film zeigt individuelle Einzelschicksale (mühsam von Willi Waibel recherchiert und von Marcus Welsch im Film festgehalten), die die Menschen emotional berühren.

Überall erfahre man Dankbarkeit darüber, dass sich der Deutsche Willi Waibel viele Jahre mit dem Schicksal der Zwangsarbeiter akribisch auseinandergesetzt habe, erzählte der Regisseur. Dabei hätte es den Zuschauern unter den Nägeln gebrannt, über den Zweiten Weltkrieg zu reden, berichtete er weiter. Emotionale persönliche Verarbeitungsprozesse seien dabei in Bewegung gekommen.