Der Chef will ständig belehren, der kleine Amtsbote dreht den Spieß schlitzohrig im Handumdrehen um – und schnell ist der Vorgesetzte der Gelackmeierte. Dieses Prinzip funktioniert seit Jahrzehnten beim schwäbischen Komiker-Duo Hannes und der Bürgermeister. Albin Braig und Karlheinz Hartmann kennen kein Verfallsdatum. Die legen in der heimischen Mäulesmühle bei Leinfelden-Echterdingen mit neuen und recycelten Sketchen die Basis dafür, dass Hannes und der Bürgermeister eine Kult-Sendung im Südwestfernsehen bleibt und das Publikum zu den Tournee-Stationen in großer Zahl strömt. So auch an zwei Abenden bei der Gems-Veranstaltung in der Singener Stadthalle mit jeweils über eintausend Besuchern.

Die Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle bereichert die Veranstaltung mit originellen selbst komponierten schwäbischen Liedern und Musikstücken in vielfältigen Stilrichtungen.
Die Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle bereichert die Veranstaltung mit originellen selbst komponierten schwäbischen Liedern und Musikstücken in vielfältigen Stilrichtungen. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Die kleinen Scharmützel sind es, die in der biederen Amtsstube des Bürgermeisters meist große Wirkung zeigen. Wie die Rivalität mit der Nachbargemeinde Schriedingen mit ihrem Rathauschef, „Fritz de Schoofseggel“, wie ihn Hannes und der Bürgermeister wegen allzuübertriebener Arroganz nennen. Sie geben köstliche Definitionen von Beamtentum und Bürokratie ab – übersetzt und vereinfacht auf gut schwäbisch. Dies passiert in atemberaubendem Tempo.

Weisheiten eines Amtsboten

Das Duo setzt Pointe und Pointe, schallendes Gelächter hallt im Minuten-Takt durch die Stadthalle. Albin Braig und Karlheinz Hartmann reden sich fast in Rage. Kurze Verschnaufpausen folgen höchstens, wenn sie zum obligatorischen Schnäpsle greifen oder Hannes Weisheiten preis gibt. „Wer sich wichtig macht und wie ein Tiger hoch springt, endet meistens als Bettvorleger.“ Oder: „Wer glänzen will, muss mehr als nur einen blassen Schimmer haben“, frei nach Goethe, wie der Bote behauptet. „Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn das Gelernte vergessen wurde“, philosophiert Braig.

Wenn der Pfarrer in der Sauna fällt

Bei einer Sauna-Nummer gerät das Publikum aus dem Häuschen. Der Bürgermeister zeigt sich entsetzt, als er vom Amtsdiener erfährt, dass seine eigenen Bürger in Schriedingen eine gemischte Sauna aufsuchen. „Sogar der Pfarrer geht dorthin. Er fiel aber einmal von der obersten Bank hinunter“, berichtet Hannes. „Hoffentlich ist nichts passiert“, gibt sich der Bürgermeister besorgt. „Noa, noa. Der Pfarrer ist weich gefallen – auf Ihre Frau“, beruhigt der Amtsbote seinen verdutzten Chef. Der legt sich auch in den Schubkarren, an dessen Form sich sein Körper nach legendären Ochsen-Touren im gleichnamigen Gasthaus schon angepasst hat. Das Internet im Dorf bezeichnet Hannes aufgrund der lahmen Leitung als „Weltweites Warten“.

Ein Duo auf Ochsentour

Schockiert zeigt sich der Bürgermeister, als ihm sein Bote offenbart, dass der Ochsen schließe, weil der Wirt im Lotto gewonnen habe. Der Chinese Wang soll übernehmen. Mit urkomischer Mimik und Gestik macht das Duo auf Chinesisch. Als der Bürgermeister erfährt, dass Wang meisterhaft Kutteln kocht, bekennt er. „Für gute Kutteln würde ich sogar meine Frau hergeben.“ Bei ihr täte es auch eine Banane, meint Hannes trocken. Statt vermeintlichem Lotto-Schein hatte der Wirt Hannes den Schuldenzettel gezeigt und ihm eine „Investitionssperre“ – Kneipenverbot – verhängt. Eine Grimasse nach der anderen ziehend und kaum der Sprache mächtig, führt Braig vor, dass auch „ein Gesicht schwätze ka“. Ganz gesellschaftskritisch will er sich durch seine täuschenden Gebärden gegen die um sich greifende persönlichen Durchleuchtung wehren. Dabei macht er sich wie Hartmann an diesem Abend ganz schön selbst zum Affen.