So viel steht fest: Thomas Chudzik wird nicht zahlen! Der ganze Rest der Geschichte dagegen wirft etliche Fragen auf. Ihren Ausgang nahm sie am 23. Mai um 9.02 Uhr. Exakt zu diesem Zeitpunkt löste Thomas Chudzik aus Hilzingen einen Parkschein in der Höristraße 11 in Singen für eine Stunde, um mit Frau und Kind einen Termin beim Kinderarzt wahrzunehmen. Das kann dauern, doch Thomas Chudzik war genau eine Stunde später zurück.

Den Mann, der für die Kontrolle der Parkzeiten zuständig ist, muss er dabei um Sekunden verpasst haben, denn an seinem Auto befand sich bereits ein Knöllchen mit dem Vermerk, dass er um 10.02 Uhr die "auf dem Parkschein angegebene Parkzeit" überschritten habe. Das jedoch ist nachweislich nicht der Fall, da der Parkschein eine Parkerlaubnis für die Zeit von 9.02 bis 10.02 Uhr dokumentiert. Es muss ein Versehen sein, dachte sich Thomas Matthäus Chudzik, und rief beim Ordnungsamt in der Hoffnung auf einen kurzen Prozess an.

Dort jedoch wurde ihm mitgeteilt, dass er seine Beschwerde samt des Dokuments seiner Unschuld persönlich oder per Mail vorzulegen habe, woraufhin er ein paar Tage später nach Singen fuhr, in der Nähe des Amtes sein Auto parkte (und dafür einen Parkschein löste), sich zum Gebäude begab, nur um festzustellen, dass er die Öffnungszeit verpasst hatte.

Aber so ist das gern im echten Leben: Ein Ärgernis zieht für gewöhnlich den Ärger nach sich und also schickte er mit dem damit verbundenen Zeitaufwand eine schriftliche Erklärung mit der Parkschein-Kopie an die Behörde, auf dass ihm die Schuld in Höhe von zehn Euro erlassen werde. Doch gesetzt den Fall, dass die Geschichte diese glückliche Wendung nimmt, so fragt sich Thomas Chudzik dennoch, mit welcher Haltung da der Parkzeit-Kontrolleur unterwegs ist: Steht er neben dem Auto und wartet darauf, dass die Parkzeit abläuft, damit er flugs abkassieren kann?

Und da es in diesem Fall ganz danach aussieht, ist es für Thomas Chudzik bedenklich, warum der Hüter städtischer Parkzeiten nicht wenigstens bis 10.03 Uhr gewartet hat und sich damit auf der sicheren Seite des Gesetzes befunden hätte. Schließlich stellt sich für Thomas Chudzik die Frage nach der Kulanz in Zeiten, da in Singen wegen der Baustellen eine stattliche Zahl von Parkplätzen nicht mehr zur Verfügung steht.

Kulanz bietet sich im Übrigen allein deshalb an, weil Ordnung sich in aller Regel gerade dann einstellt, wenn man Fünfe einfach mal gerade sein lässt. Eben das dürfte auch die Lösung des Problems sein – und deshalb ein Vorschlag zur Güte: Wie wär's, wenn Thomas Chudzik für den Ärger vom Ordnungsamt drei Gutscheine für jeweils einstündige Gratis-Parkzeiten erhielte? Zur Kontrolle könnte man just den Mann einsetzen, dem Thomas Chudzik den Ärger zu verdanken hat. Spätestens dann wäre die Parkwelt wieder in Ordnung.

torsten.lucht@suedkurier.de