Der Raum ist frisch eingedeckt, schöne Dinge glänzen im Schein des Lichts, die Gespräche perlen leichterdings dahin – und dann passiert's. Einer der Gäste zieht die Nase hoch, positioniert den Rotz im vorderen Bereich der Zunge und befördert den Schlonz durch den freien Raum, bis er schließlich an einem Glas kleben bleibt. Na, Mahlzeit auch! Der Appetit jedenfalls ist verdorben, die Atmosphäre dahin. Zu Gast in einer privaten Gesellschaft käme ein solches Verhalten niemandem in den Sinn, in Singens guter Stube aber sind die Hemmschwellen deutlich niedriger. Und es bleibt nicht beim Rotz. Die frisch gepflasterte Hegaustraße weist mannigfache Spuren schlechten Benehmens auf. In den Fugen sammeln sich Kippen, schwarze Kaugummi-Flecken zeugen ebenso vom Mangel an Kinderstube wie zurückgelassene Dosen und Flaschen. Und wie der Herr, so das G'scherr – prompt landet der Schuh des unbekümmerten Flaneurs im Haufen.

Gespucke

Immerhin, es gibt Leute, die sich darüber noch aufregen. Oberbürgermeister Bernd Häusler beispielsweise widert (O-Ton) "das elendige Gespucke mit den Gummis" an, wobei er Marion Czajors Hoffnung auf eine begrenzte Zahl von Schmuddelkindern nicht teilt. Die Stadträtin der Neuen Linie geht davon aus, dass vor allem jugendlicher Übermut die Ursache für die Verschmutzungen ist, was nach Ansicht des OBs so schwerlich behauptet werden kann. Den Boris Palmer jedenfalls macht er nicht, wenn etwa ein Hundebesitzer die Hinterlassenschaft seines Vierbeiners nicht so wie sich's gehört in ein Tütchen packt und dann in den entsprechenden Behälter entsorgt. Je nachdem, an wen man da gerate, müsse man mit Haue rechnen und da sei man besser beraten, den Vorfall bei der Stadt oder der Polizei zu melden.

Nasenwasser

Wirklich helfen freilich wird auch das nicht. Denn natürlich ist das Gespucke kein Singener Problem, sondern eines des globalen Benimms (beziehungsweise dessen Mangel). So bleibt der Stadt als Eignerin der guten Stube am Ende nur der Besen. Der wurde jetzt in Form eines Reinigungsfahrzeugs beschafft. Der Preis ist mehr als ein Nasenwasser: 171 360 Euro.