„Hören, sehen, schmecken und mitmachen“: Das ist das Erfolgsrezept des Singener Stadtteils Bohlingen zur Sichelhenke. Während den bisherigen drei Festtagen erlebte das 61. Heimatfest einen großen Zulauf an Besuchern, die aus dem ganzen süddeutschen Raum und bis aus Zürich angereist gekommen waren.

Der Musikverein führt den festlichen Umzug durch das Dorf an.
Der Musikverein führt den festlichen Umzug durch das Dorf an. | Bild: Rolf Hirt

In der 500 Meter langen Marktgasse gab es am Sonntag eine Zeitreise in die Vergangenheit zu erleben. Eine Bauernstube mit sockenflickenden Frauen, Nähmaschine und einem alten Holzherd ermöglichten Einblicke in frühere Zeiten der Bauerndörfer. Nebenan flegelten Männer des Museumsvereins auf einer Tenne den Weizen und trennten so die Körner von den Ähren. Spezialitäten aus Großmutters Küche gab es an vielen Ständen, überall stiegen an diesem Spätsommertag Rauchschwaden und gute Düfte in die Luft.

Das könnte Sie auch interessieren

Zu Besuch aus Barcelona

„Die Apfelküchle sind lecker und schmecken wie bei Mama“, sagte Diana Bonet-Haberkorn aus Banyoles, 120 Kilometer nördlich von Barcelona. Ihre Familie ist zur Sichelhenke auf Heimaturlaub bei den Großeltern zu Gast. „Das Dirndl tragen wir in Spanien nie, nur daheim in Bohlingen“, ergänzte Diana Bonet-Haberkorn schmunzelnd.

Nebenan wurden Äpfel in einer alten Holzmühle gemahlen, den frischen Most konnte man direkt probieren. Die Kinder hatten besondere Freude an den Geißen, Pferden und anderen Haustieren, die in großen Gattern ausgestellt wurden.

In der Marktgasse der Sichelhenke gibt es Haus- und Hoftiere aus früheren Zeiten zu sehen – sehr zur Freude von Kindern und Erwachsenen.
In der Marktgasse der Sichelhenke gibt es Haus- und Hoftiere aus früheren Zeiten zu sehen – sehr zur Freude von Kindern und Erwachsenen. | Bild: Rolf Hirt

„Essed frische Fisch“, pries ein junger Mann am Stand des Bohlinger Bayern-Fanclubs seine Waren an. Berthold Sproll zeigte den Besuchern, wie Fisch geräuchert wird. Wer weiter der Nase folgte, landete bei Spezialitäten wie Speckdünne, Bratkartoffeln, Zigerbrot und Rettich, der auf einer umgebauten Nähmaschine aufgeschnitten wurde. „Die Vereine und Gruppen präsentieren sich wunderschön“, betonte Oberbürgermeister Bernd Häusler beim Rundgang durch die von tausenden Gästen bevölkerte Marktgasse.

Bürgermeister und Pfarrer singen

Im Festzelt hatte der OB zuvor als Sänger eines Projektchores am Festgottesdienst teilgenommen. Etwa 800 Besucher waren zu dieser Messe gekommen, bei der ein singender Pfarrer zum Klatschen animierte.

Pfarrer Blaise Emebo aus Nigeria sorgt am Sonntag mit einer Gesangseinlage für Stimmung.
Pfarrer Blaise Emebo aus Nigeria sorgt am Sonntag mit einer Gesangseinlage für Stimmung. | Bild: Rolf Hirt

Pfarrer Blaise Emebo ist seit zwölf Jahren jeweils im Sommer im Aachtal. Er erfreute die Gottesdienstbesucher am Sonntag mit nigerianischen Chorälen. Etwas Wehmut gab es aber auch, denn Ekkehard Halmer (Kirchenchor) und Roland Matt (Musikverein) werden ihr jahrzehntelanges Engagement als Dirigenten beenden. Als Dank für viele musikalische Sichelhenke-Gottesdienste gab es stehenden Beifall für die beiden.

Nachdem sie Jahrzehnte lang den Taktstock geschwungen haben, werden Ekkehard Halmer vom Kirchenchor und Musikverein-Dirigent Roland Matt feierlich verabschiedet.
Nachdem sie Jahrzehnte lang den Taktstock geschwungen haben, werden Ekkehard Halmer vom Kirchenchor und Musikverein-Dirigent Roland Matt feierlich verabschiedet. | Bild: Rolf Hirt

Bereits am Freitagabend hatte die 61. Sichelhenke im Festzelt ihren Auftakt gefeiert. „Ich schätze den engen Zusammenhalt der Vereine in Bohlingen und bin immer begeistert, wenn die Erntekrone im Festzelt beim Badnerlied aufgezogen wird“, meinte Melitta Veeser aus Beuren an der Aach. Tausende Besucher im Festzelt trällerten abends Partyhits wie Cordula Grün.

Bild: Rolf Hirt

Der Andrang war an allen Abenden groß – die ehrenamtlichen Helfer des Sportvereins hatten alle Hände voll zu tun.

Auch Martina Kaiser und Wolfgang Heintschel vom Caritasverband Singen-Hegau halfen mit. „In Bohlingen wird nicht nur über Inklusion gesprochen, hier wird sie gelebt. Einige Menschen mit Behinderung und aus schwierigen Lebensverhältnissen wurden spontan in die Festwirtschaft integriert“, sagte Martina Kaiser. „Das ist einfach schön.“

Das könnte Sie auch interessieren
Stimmung im Festzelt: Dort gibt es einen Mix aus Blas- und moderner Partymusik zu hören.
Stimmung im Festzelt: Dort gibt es einen Mix aus Blas- und moderner Partymusik zu hören. | Bild: Rolf Hirt

Oldtimer brummen durch Bohlingen

„Willkommen zum 22. Oldtimertreffen“, begrüßte Organisator Siegmar Peter die 162 Starter, die am Samstag für einen neuen Teilnehmerrekord sorgten. Die Besucher kamen aus dem Staunen nicht heraus, etwa beim Anblick eines „wahren Dampfhammers“, dem D-Rad, Baujahr 1929, mit dem Andreas Wangler knatternd aus Saig im Schwarzwald angefahren kam. Mitorganisator Christoph Maus stellte die Schätze früherer Epochen vor. „Ein Fahrzeug wie der Triumph Dolomite Sprint Baujahr 1974, von Horst Brielmayer aus Markdorf gefahren, ist heute sehr selten zu sehen“, wusste Christoph Maus zu berichten.

Zum Oldtimertreffen knattert Karl-Heinz Hofmeier aus Röthenbach im Schwarzwald mit seinem historischen Motorradgespann in den Hegau.
Zum Oldtimertreffen knattert Karl-Heinz Hofmeier aus Röthenbach im Schwarzwald mit seinem historischen Motorradgespann in den Hegau. | Bild: Rolf Hirt

„Ein fast familiäres Treffen mit einer wunderschönen Hegau-Ausfahrt bis zum Schloß Möggingen – großes Kompliment an die Veranstalter“, lobte Thomas Renz aus Bankholzen.