Singen Ein Film über das junge Singen

Ein Dokumentarfilmer begleitet die Mobile Jugendarbeit und zeigt, wie ihn junge Leute beeindrucken, die den Kampf mit ihren Hürden aufnehmen.

Ein Bild haben sie abgehängt und gleich unter seinem Platz an der Wand auf den Boden gestellt, um Platz zu schaffen an der Wand. Dreizehn Minuten Filmmaterial laufen dort ab, das Ende eines Filmprojekts, das möglichst viele Bilder umstoßen möchte und das bei den Beteiligten schon getan hat. Growing Up in Singen heißt das Werk, für das Filmemacher Patrick Doodt die Mobile Jugendarbeit begleitet hat. Am Ende steht nicht so sehr die bloße Darstellung der Realität für junge Menschen in der Industriestadt, sondern ein Aufruf, die angebotenen Möglichkeiten zu nutzen.

Doodt hat in Konstanz seinen Masterabschluss in Philosophie gemacht. Singen – das war für ihn in erster Linie eine gelungene Skateanlage. Genau hier entstand die Idee für das Filmprojekt. "Nadine und Markus waren beim Streetworken", erzählt Doodt und meint Nadine Behrens und Markus Schwenk von der Mobilen Jugendarbeit. "Da fragen wir dann, wer die Leute so sind und was sie machen", sagt Markus Schwenk.

Gemeinsam erstellten sie ein Konzept, damit beantragten sie Fördergelder von der Initiative "Demokratie leben". Und erlebten eine Überraschung. Sollte es zunächst um Vorurteile in Singen gehen, ist von diesem Ansatz nicht viel übriggeblieben. "Wir hatten erwartet, mehr ,Alles ist doof' zu hören, aber schnell gemerkt, die Leute sind relativ offen und fragen: ,Was kann ich jetzt tun?'", so Nadine Behrens. Sie steht ebenfalls für die Mobile Jugendarbeit mit den Jugendlichen in Kontakt.

Und so modifizierten die Filmer das Thema. Im ersten Teil begleitet der Film Ewald Kurz auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und stellt so die Beratungsmöglichkeiten in Singen vor. Bereits eine Arbeit gefunden hat Hussein Rassuli, der im Grünen Baum in Moos arbeitet. Seine Unsicherheit als Geflüchteter wird angesprochen, sowie die Sprachkenntnisse, die er gerade erst erlernt. Eine Ausbildung begonnen hat Najeebullah Javed, der bei Elektro Ehinger untergekommen ist. Ein Beispiel für nicht-berufliches Engagement ist der Skater Geronimo La Vigna, der sich am Bau des Singener Skateparks beteiligte, in dessen Planung die Szene aktiv involviert war.

"Wir wollten Akteure, die aktiv sind, die etwas machen wollen, die sich nicht wie ein Blatt im Wind verhalten", erläutert Patrick Doodt seine Auswahl. In langen Vorinterviews näherte sich der Filmemacher seinen Protagonisten an, sprach mit vielen, auch wenn es am Ende nur vier in die kurze Dokumentation schafften. "Er hat sich wahnsinnig viel Zeit genommen", sagt Behrens anerkennend.

"Das Material wird dann sehr persönlich, die Leute lassen mich in ihre Welt hinein", erzählt Doodt. 15 Stunden Filmmaterial sind so entstanden. Die jungen Menschen haben sich an den Gedanken, in einem Filmprojekt mitzuwirken, gewöhnt. Auch als sie im Halbdunkel den Film gemeinsam sehen und einer nach dem anderen auf der Wand erscheint, essen die Jugendlichen gelassen von den bereitstehenden Salzstangen.

Einblick in andere Lebenswelten

Der Film soll jetzt möglichst vielen jungen Menschen vorgeführt werden. "Wir wollen, dass sie den Film sehen und ihre Möglichkeiten wahrnehmen", hofft Doodt. Denn Schwierigkeiten für Heranwachsende gebe es oft: "In den verschiedensten Situationen gibt es Hürden, die ihnen gestellt werden". Denen, die in privilegierten Verhältnissen aufwachsen, sollen dagegen andere Lebenswelten aufgezeigt werden. Was sie dann bestenfalls zu eigenem Engagement bewegt: "Mit jedem Privileg ist Verantwortung verbunden", sagt Doodt.

 

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