Singen Ein Alt-Nazi rechtfertigt sich

Schauspieler Josef Vossenkuhl gelingt ein beeindruckender Auftritt mit Gerhard Zahners Stück „Sonnenwend“

Zur Sonnenwende 1933 hielt der Arzt und Dichter Ludwig Finckh vor 5000 Mitgliedern der Hitlerjugend einen Vortrag über sein Werk und seine politische Philosophie auf dem Hohentwiel. Zur diesjährigen Sonnenwende zeigte die Gems in Kooperation mit der Domäne das Stück „Sonnenwend“ von Gerhard Zahner in einer szenischen Lesung.

Von Pächter Hubertus Both als kritisches Kontrastprogramm zu den Feierlichkeiten 1100 Jahre Hohentwiel angekündigt, las Josef Vossenkuhl vor gut 120 Zuhörern in der Scheune der Domäne. Zahner zeichnet ein Bild von Finckh, der Nazi, Freund des Dichters Hermann Hesse und Naturschützer in einer Person war. Beide lebten Anfang des 20. Jahrhunderts in Gaienhofen, Hesse verließ den Ort 1912 und strafte Finckh wegen seiner deutschnationalen Haltung und weil dieser als Vordenker des Nationalsozialismus auftrat mit Verachtung. Nach dem Krieg kehrte Finckh den Naturschützer hervor, den anderen Teil vergaß er. Dieser steckt in Büchern wie „Ahnenhorst“ und „Jakobsleiter“ über sogenannte Rassefragen und sogenannte Rassehygiene, beide 1920 erschienen.

Es ist das Jahr 1957, Finck (Josef Vossenkuhl) hat einen Brief von Hesse erhalten, den er nicht wagt, zu öffnen. Was hat der ehemalige Freund ihm geschrieben? „Was sage ich, wenn er mich einlädt, mich tadelt und abschätzend mustert? Mich fragt, wer an die Toten denkt?“, überlegt Finckh sich Erklärungen zu Fragen, die Hesse ihm stellen könnte. Wie beispielsweise: „Einen Luther brauchten wir, einen, der das Fremde wieder hinauswirft“ oder „Schon in der Bibel wurden die Juden als Lumpen bezeichnet.“

Finckh kann und will sich nicht damit abfinden, dass Hesse ihn ignoriert. Die Zuhörer auf dem Hohentwiel 1933 hätten zugehört, als sei er ein Gott. Ja, er werde Hesse sagen, dass er den Hohenstoffeln gerettet, den Abbau und das Basaltwerk in Mühlhausen gestoppt habe. Er habe sich mit den Großen der Zeit verbinden müssen, um die Berge zu retten. Lang anhaltende Stille in der Scheune, als Finckh zum Schluss den Brief öffnet, liest und ihn enttäuscht ablegt.

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