Das Handelsunternehmen ECE, das zum Hamburger Otto-Konzern gehört und am Singener Bahnhof ein großes Einkaufszentrum bauen will, steht Gewehr bei Fuß, um die Bürger von diesem Mega-Projekt zu überzeugen, wenn es zum Bürgerentscheid am 17. Juli kommt. Das erklärt der Projektleiter von ECE, Marcus Janko. „Wir werden gerüstet sein und einen entsprechenden Aufschlag machen, um die Singener von diesem Vorhaben zu überzeugen“, sagte er bei einer Informationsveranstaltung der FDP am Montagabend im Restaurant „La Passione“ des Hotels Viktoria. Der Chef-Planer aus Hamburg nannte einige weitere aktuelle Details des Vorhabens:

Höhere Investitionen: ECE wolle 140 Millionen Euro für das Center ausgeben. Bisher war von 120 bis 140 Millionen Euro die Rede gewesen.

Viele Jobs: ECE verspricht „500 bis 600 Arbeitsplätze im Center“, sagt Janko. „Und das werden nicht nur Mini-Jobs sein.“

20 000 Besucher: ECE rechne mit täglich 15.000 bis 20.000 Besuchern im Center. Es könnten an Spitzentagen aber auch deutlich mehr werden, hätten die Berechnungen ergeben.

ECE sucht Top-Läden: Die Hamburger wollen gezielt gefragte Marken und Läden ansiedeln. Man sei für alle Geschäfte offen, ausdrücklich auch bestehende aus Singen. Bei manchen Marken, die bei den Kunden sehr gefragt seien, gebe es auch „Mieter, die wir uns gezielt einkaufen, um sie zu haben“, sagt Janko.

Da subventioniere das Unternehmen auch, um spannende Firmen anzulocken, die nur mit attraktiven Mieten zu ködern sind.

Besonderer Innenraum: Die Außengestaltung mit dunklem Sichtbeton und goldfarbenen Elementen ist bekannt. Neu hingegen erklärte Janko, dass der Bau „innen schon sehr spektakulär“ werden würde, sollten Gemeinderat und Bürger zustimmen. „Wohnlich und lebhaft“ würden sich die ECE-Planer das Gebäude vorstellen. Es soll ein Lounge-Charakter entstehen, gerade auch für die Genussbereiche. An entsprechenden Entwürfen werde gerade gearbeitet. Man strebe einen hohen Wiedererkennungsfaktor mit Singen an. Konkret würden die Themen Singener Industrie und Hegau-Vulkane in die Raumgestaltung eingearbeitet. Das Center werde deutlich wertiger als beispielsweise das Lago-Center in Konstanz, erläuterte Marcus Janko im SÜDKURIER-Gespräch.

Kein Ramsch: Die Billig-Kette Primark, die etwa im Stuttgarter Milaneo-Center von ECE die Kunden scharenweise anzieht, wird nicht nach Singen kommen, erklärt ECE. „Das hat mit Singen nichts zu tun.“ Primark gilt in solchen Centern als „Anker-Mieter“, also einer der großen Anziehungspunkte für die Kunden. Solche Haupt-Mieter habe ECE für Singen aber noch nicht an Land gezogen, sagt Janko.

Gastronomie: Fünf Gastronomie-Einheiten seien vorgesehen. Diese seien von morgens bis abends erreichbar, abends auch „bis in die späten Abendstunden hinein“. Auch sonntags sollen die Kneipen und Co.
offen haben, verspricht ECE. Das würde die Singener Innenstadt deutlich beleben, vor allem am Wochenende, hieß es bei der Versammlung der FDP.

Anschauen im Netz: Man warte nun zunächst die Entscheidung des Gemeinderates am 31. Mai ab. Danach, so wurde deutlich, zünde ECE seine Informationskampagne für das Mega-Center bei der Bevölkerung. Es werde reichlich Informationen geben, auch in digitalisierter Form. Die Bürger würden online Rundgänge durch die geplanten Räume machen können, in echter Anmutung, wie das Center einmal aussehen und sich auch in die Gegend am Bahnhof und die Fußgängerzone einfügen werde.
 

Keine Sorge um Franken

ECE hat für das Center keine Angst vor Kursschwankungen. Natürlich werde ein Großteil der Kunden aus der Schweiz kommen. „Aber auch bei einem sinkenden Kurs bleibt Singen interessant“, hieß es. Es gebe einen beständigen Preisunterschied, der es für Schweizer auch bei ungünstigerem Kurs interessant mache, in Deutschland zu kaufen. Hinzu komme der Steuervorteil bei der Mehrwertsteuer. Für die „nächsten Jahre, ja Jahrzehnte erwarten wir beim Kaufverhalten keine gravierenden Änderungen“, betont Planungschef Marcus Janko. (jöb)