Die drei Mädels von der Tankstelle schwärmen von Hegauer Tanz-Veranstaltungen und Diskothek-Besuchen. Die drei Schwestern aus dem Watterdinger Hause Maier, das eine Tankstelle führte, heißen heute Petra Sieringer, Bettina Frank und Sabine Geiger. "Nicht nur wir, auch die Hallen waren Mitte der Siebziger Jahre jung. Die meisten Stühle wurden schnell gegen 20.30 Uhr besetzt, sortiert nach Herkunft – die Mauenheimer – die Watterdinger – die Pfohrener und so weiter", berichtet Petra Sieringer.

"Zu Hause wurde eingeimpft: Anständige Mädchen geben keinen Korb, sonst laufen sie Gefahr, dass der verschmähte Tänzer einen Pfennig auf den Tisch legt. Tatsächlich kam dies vor, vor allem dann, wenn sie die erste Aufforderung ablehnte und in derselben Tanzrunde doch noch mit Begleitung nach vorne ging. Der Tänzer holte und führte zum Platz. Es gehörte sich, bei der Damenrunde den vorherigen Tänzer aufzufordern", schildert Petra Sieringer.

Die Schwestern Petra Sieringer, Sabine Geiger und Bettina Frank (von links) aus Watterdingen haben in den Siebzigern und Anfang der Achtziger in der Hegauer Tanzszene viel erlebt.
Die Schwestern Petra Sieringer, Sabine Geiger und Bettina Frank (von links) aus Watterdingen haben in den Siebzigern und Anfang der Achtziger in der Hegauer Tanzszene viel erlebt. | Bild: privat

Tricks mussten herhalten

"Jeder Tanz geht einmal vorüber, also durchhalten", habe die Mutter gepredigt. "Tricks mussten her – upps Laufmasche, schnell aufs Klo zum Strumpfhose wechseln, Zigarette anzünden, wenn nicht der Wunschkandidat auf den Tisch zusteuerte. Augen zu und durch ging auch", betont Petra Sieringer. "Auszuhalten gab es viel, ob in der langsamen Runde – 'Es fährt ein Zug nach Nirgendwo' – der ungewollte Körperkontakt oder bei der flotten Runde der Hackarm-Tanz", berichtet sie.

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"Ganz viele haben bei diesen Veranstaltungen ihre Partner fürs Leben gefunden. Es kam zu etlichen Verbindungen zwischen Schwarzwald-Baar und dem Hegau-Randen", betont sie. "Irgendwann konnten Mädchen zusammen tanzen und sogar alleine. Diese Revolution haben die Falko Illings und die Dominos befeuert", so Petra Sieringer. "Wurde die Bar geschlossen, landeten nicht wenige bei uns in der Küche. Meine Schwester übernahm die Verantwortung, wenn der Sonntagszopf schon gegen 4 Uhr morgens weg war. Als die Jüngste von uns Diskotheken eroberte, hatten unsere Eltern alle Ermahnungen schon aufgegeben. Aber langweilig war es mit uns Dreien von der Tankstelle nie."

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Knallenge Jeans und Lederjacken

Die Jüngste ist Sabine Geiger. Sie blickt gerne auf ihre "wilde Zeit" zurück: "Meine beiden älteren Schwestern Petra und Bettina haben Vorleistungen bei unseren Eltern erbracht, sodass ich schon mit 15 Jahren samstags auf den Tanz durfte. Meistens hatte ich zuvor Dienst an der Tankstelle und die bereits 18-Jährigen haben ihre Autos betankt. Ich nutzte die Chance, um nach einer Mitfahrgelegenheit zu fragen", sagt sie.

"Piccolos, Dominos und Crusade – das waren unsere Bands – in Tengen, Engen, Gottmadingen und Hilzingen. Bei den Dominos und Crusade ging es etwas wilder zu. Die Musik forderte zum Headbanging mit der dauergewellten Mähne direkt vor der Bühne auf. Knallenge Levis-Jeanshosen und Lederjacken waren ein Muss. Die Musiker kannten uns als Stammgäste", so Sabine Geiger.

Die Dominos bei Aufnahmen für die Vermarktung ihrer Auftritte.
Die Dominos bei Aufnahmen für die Vermarktung ihrer Auftritte. | Bild: privat

Am frühen Morgen durchs Dorf

"Die Dominos spielten von Pink Floyd 'Another brick in the wall'. Keyboarder Karl-Heinz Geigges rief mich immer auf die Bühne, um mitzusingen. Knapp 40 Jahre danach haben wir immer noch Kontakt und erinnern uns gerne an diese unvergessliche Zeit. Später ging es, selbst im Besitz eines Autos, gestylt nach Singen, Engen oder Böhringen in die Diskos, wie Scotch Club, Rainbow, Joy und East Side", schildert Sabine Geiger. "In Minikleidern – zum Teil neonfarben – und hohen Schuhen wurde die Nacht durchgetanzt, viel gelacht, geflirtet und Freundschaften geschlossen", verrät sie.

"Frühmorgens ging es nach Hause, langsam fahrend durch das Dorf. Landwirte waren bereits im Stall und gaben mir grinsend zu verstehen, dass ihnen die Uhrzeit meiner Heimkehr bewusst ist", erzählt Sabine Geiger. "Die Tanzveranstaltungen waren unabgesprochene Treffs", erinnert sich Karl-Heinz Geigges. "Hat es gefunkt, sind die Männer oft mit ihren Partnerinnen aus Sorge um Konkurrenz in die Diskos geflüchtet."

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