Auf den ersten Blick haben die Künstler des zweiten Abends von Stars in Town viel gemeinsam: Lewis Capaldi, James Bay und Bastille stammen aus Großbritannien und treten lässig gekleidet auf die Bühne. Mit ihren poppigen Songs prägen sie die Charts. Die einen schon länger, Bastille gelang 2013 der Durchbruch, und die einen kürzer, Lewis Capaldi macht erst seit wenigen Monaten Schlagzeilen. Auch auf den zweiten Blick haben sie viel gemeinsam: Sie alle können singen und haben etwas mitzuteilen. Der eine leidet, wenn auch charmant. Der nächste singt von Gefühlen, wenn auch rockig. Und die dritten laden zu einer gemeinsamen Partynacht samt der gedämpften Katerstimmung am Morgen danach. Musik machen sie dann doch auf ihre eigene Weise.

Nochmal kurz Bier holen oder was essen? Nicht für die Fans von Lewis Capaldi

Punkt 18.30 Uhr hat sich ein großer Teil der rund 6000 Besucher des Abends auf dem Herrenacker versammelt, um dem Schotten zu lauschen. Mit ihm beweisen die Festivalmacher ein gutes Händchen: Ein Jahr nach seinem ersten Titel „Bruises“ ist sein jüngst erschienenes Debütalbum auf Platz 1 der UK-Charts. Und sein bekanntestes Lied „Someone you Loved“ ist eines von denen, das dauernd im Radio läuft. Bei denen man als Zuhörer dann kurz aufhorcht. Wenn es gut läuft, erinnert man sich an den Titel und packt es in die persönliche Playlist. Wenn nicht, begegnet man dem Künstler in Schaffhausen und denkt sich: Ah, der war das.

Lewis Capaldi ist vermutlich der unbekannteste der drei Künstler des Abends. Diese Rolle nimmt er humorvoll selbst aufs Korn.
Lewis Capaldi ist vermutlich der unbekannteste der drei Künstler des Abends. Diese Rolle nimmt er humorvoll selbst aufs Korn. | Bild: Arndt, Isabelle

Er wohnt noch bei Mama, singt aber inbrünstig über die große Liebe – weil er es kann

Auf der Bühne zeigt sich dann auch das komische Talent des 22-jährigen Schotten, der noch bei seinen Eltern wohnt aber über die ganz große Liebe singt. „Do you like Rock‘n‘Roll?“, fragt er in die Runde. Erste Jubelschreie wiegelt er rasch ab: Stattdessen könne er einen molligen Typen aus Schottland bieten, der traurige Songs singt. Und das kann er unglaublich gut, wenn er sich inbrünstig wünscht, gut genug gewesen zu sein (“Hold me While you Wait“). Wie passend, dass der Schotte dafür auch britisches Wetter mitgebracht hat. In strömendem Regen ist Herzschmerz gleich noch schmerzhafter. Und so viel intensiver als im Auto auf dem Weg zur Arbeit – oder wo man sonst Radio hört.

Diese Show von Bastille kann man im Radio nicht erahnen

Bastille bieten ungleich mehr Lieder zum Wiedererkennen – nicht nur in Form des Covers „Of the Night“, für das sie die bekannten Titel „Rhythm of the Night“ mit „Rhythm is a Dancer“ kombinieren. In Schaffhausen zeigt Frontsänger Dan Smith im Kreise seiner Band eine Vielfalt, die im Radio verloren geht: Er lümmelt sich auf ein Sofa, während er von glücklichen gemeinsamen Stunden um vier Uhr morgens singt. Und er wettert im Reigen von Smartphone-Lichtern gegen eine sich verschlechternde Welt (“World Gone mad“). Das ist aber nur eine kurze Verschnaufpause, nachdem er die meiste Zeit der rund 90-minütigen Show von links nach rechts tigert. Das kann ein Radio-Zuhörer natürlich nicht erahnen. Von dieser Energie lässt sich auch das Publikum anstecken: Das Mitsingen von „Eo, eo“ bei „Pompeii“ ist Ehrensache, das Mithüpfen im Konfettiregen bei „Joy“ ebenso. Was für eine Freude, dass die Band auf ihrer Welttournee in die Schweiz gefunden hat, um das neue Album „Doom Days“ vorzustellen.

Bild: Arndt, Isabelle

Uneitel ist James Bay auch noch

Und der Dritte im Bunde? James Bay fügt sich bestens in die Reihe der Singer-Songwriter. Bekannt geworden als Mann mit langen Haaren und Hut, hat er die Kopfbedeckung inzwischen ab- und sich stets eine Gitarre umgehängt. Lange Gitarrensolos, lang gezogene „Uaaahs“ und „Uuuuuhs“ zeigen: Dieser Mann zelebriert die Musik. Doch während seine Stimme klingt wie die eines 50-jährigen Kettenrauchers, der sich regelmäßig ein Gläschen genehmigt, steht da ein junger Typ in Jeans und T-Shirt. Uneitel ist er auch noch, denn neben eigenen Titeln wie „Us“, bei welchem die Soulgröße Alicia Keys mitsingt, wählt er auch eines aus fremder Feder: „Rolling on the river“ aus den 1960er-Jahren finde er so gut, dass er es interpretiert. Wieder mit viel Gitarre und viel Stimme natürlich. Hier geht es ja nicht um bloßes Radiogedudel, nicht ums Ego. Sondern um gute Musik.

James Bay? Das ist doch der mit „Hold back the river“? Stimmt, in Schaffhausen spielt er aber noch so viel mehr.
James Bay? Das ist doch der mit „Hold back the river“? Stimmt, in Schaffhausen spielt er aber noch so viel mehr. | Bild: Arndt, Isabelle
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