Dabei sein ist alles. Überträgt man diese Binsenweisheit auf den grünen Rasen, dann müssen sich Fußball-Nationen wie Holland und Italien gerade ziemlich nichtig vorkommen. Nach dem Aus in der WM-Qualifikation sind sie unfreiwillig in die Zuschauer-Rolle abgerutscht. Auch die USA, das drittgrößtes Land der Erde, dürfen 2018 nicht mitmischen. Aber, wem drückt man die Daumen, wenn einem das eigene Team im Stich lässt? Wir haben uns im Hegau umgehört.

Liebeserklärung an Jogis Jungs

"Natürlich den Deutschen!", sagt Melinda Liebermann wie aus der Pistole geschossen. Die Amerikanerin stammt aus dem US-Bundesstaat Virginia. Dass ihr Heimatland nicht in der Endrunde vertreten ist, findet sie aber nicht weiter problematisch. Denn: Melinda Liebermann liebt die deutsche Elf.

Melinda Liebermann freut sich, dass es bald losgeht. Die Amerikanerin ist eine glühende Anhängerin der deutschen Mannschaft.
Melinda Liebermann freut sich, dass es bald losgeht. Die Amerikanerin ist eine glühende Anhängerin der deutschen Mannschaft. | Bild: Daniel Schottmüller

"Cooler geht es nicht!", findet die ausgebildete Opernsängerin, die in Singen wohnt und unterrichtet. Ganz speziell drückt sie Thomas Müller und Manuel Neuer die Daumen. Dass ihre anderen Lieblinge – Schweinsteiger, Götze und Lahm – dieses Mal nicht mit von der Partie sind, tut ihrer Begeisterung keinen Abbruch. "Die WM gucke ich immer – weil es so spannend ist."

Sogar ein Problem weniger

Auch für Franco Caputo – Singener Fußballer, Jugendtrainer und Kumpel von Hannover-96-Profi Oliver Sorg – steht außer Frage, dass er das Turnier anschauen wird. "Ich drücke Deutschland die Daumen, ganz klar!" Schließlich sei er im Hegau geboren und aufgewachsen. "Ich hatte hier meinen ersten Kuss – alles drum und dran“, verrät er und schmunzelt. Wenn es auch nicht sein Vaterland ist – der Papa stammt aus Italien – so bezeichnet Caputo Deutschland trotzdem als seine Heimat.

Er kann schon wieder lächeln. Deutsch-Italiener Franco Caputo aus Singen hofft, dass es das Team von Jogi Löw ins Finale schafft.
Er kann schon wieder lächeln. Deutsch-Italiener Franco Caputo aus Singen hofft, dass das Team von Jogi Löw es ins Finale schafft. | Bild: Franco Caputo

Jetzt, da sich die "Squadra Azzurra" nicht für die Endrunde qualifizieren konnte, hat er sogar ein Problem weniger. „Die Aufeinandertreffen von Deutschland und Italien sind bei mir immer so eine Sache – ich hoffe bei den großen Turnieren jedes Mal, dass sie gar nicht erst gegeneinander spielen.“ So erinnert sich Franco Caputo nur ungern an das Halbfinalspiel Deutschland – Italien bei der EM 2016. „Da habe ich natürlich besonders mitgefiebert!" Richtig für ein Team entscheiden, konnte er sich allerdings nicht.

Das Ausscheiden Italiens in der Qualifikation hat Caputo zu Hause vor dem Fernseher verfolgt. „Am Ende war es verdient. Wenn man in zwei Spielen kein Tor gegen Schweden schießt, braucht man sich nicht zu beschweren." Leid tut es ihm höchstens um Kultkeeper Gigi Buffon. Ihm hätte er es gegönnt hätten, noch einmal bei einer WM dabei zu sein.

Und was sagt Coach Caputo zu den Gründen der italienischen Fußballkrise? "Da kommt viel zusammen. Ein Grund ist, dass sich Italien in den vergangenen Jahren nicht unbedingt auf den Nachwuchs konzentriert hat." Und die Weltmeister-Generation von 2006 sei zwölf Jahre nach dem Titelgewinn einfach zu alt, um noch ernsthaft mithalten zu können.

Die Frauen sind sowieso besser

Hans und Truus Buurman haben es gut verkraftet, dass die niederländische Elf wieder einmal eine Weltmeisterschaft verpasst. Ein idyllischer Campingurlaub im Hegau bietet dem Ehepaar aus Holland Ablenkung vom Fußball-Frust. Die Buurmans sind an diesem Vormittag mit ihrem Wohnwagen bei "Camping Sonnental" in Engen angekommen und freuen sich schon auf die kommenden Ferientage. „WM schauen, werden wir aber sicher nicht so viel“, meint Hans Buurman.

Ohne Holland: Truus und Hans Buurmann wollen sich von der "Elftal" nicht den Urlaub vermiesen lassen.
Ohne Holland: Truus und Hans Buurmann wollen sich von der "Elftal" nicht den Urlaub vermiesen lassen. | Bild: Daniel Schottmüller

Welchen Farben er nach dem Ausscheiden der „Oranjes" die Daumen drückt? Der Senior lacht kurz, dann senkt er die Stimme: „Ein bisschen sind wir ja Fan von Deutschland“, raunt er und zwinkert schelmisch hinter den Brillengläsern hervor. Auch seine Frau Truus will sich von der Männermannschaft nicht mehr länger die Laune verderben lassen. „Die haben uns zu oft enttäuscht. Wir schauen jetzt einfach Frauenfußball“, verkündet sie und reckt strahlend den Daumen nach oben.