Singen – Von Überlingen am See nach Singen ist es mit dem "Omnibus für direkte Demokratie in Deutschland" nur ein Katzensprung. Doch die Hürden für die Initiatoren dieses politischen Kunstprojektes sind unterm Hohentwiel ungleich höher. Während der Standplatz in Überlingen an der Schiffslände nur 33 Euro kostet, müssen die spendenfinanzierten Akteure der von dem Künstler Joseph Beuys angestoßenen sozialen Plastik in Singen für zwei Tage 118 Euro Sondernutzungsgebühr bezahlen. Weil aber Singen bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte der Volksabstimmungsaktivsten war, sind sie geblieben.

Gebühren zählen zu den Dingen, über die alleine die Kommunen entscheiden, also auf einer Ebene, die schon sehr nah an der Basis ist. Der gemeinnützigen GmbH für direkte Demokratie geht das aber immer noch nicht weit genug. Sie möchte nicht nur gewählte Repräsentanten über die Regeln und Projekte der Gesellschaft entscheiden lassen, sondern die Menschen mithilfe von Volksabstimmungen direkt in die Gestaltung des staatlichen Systems einbinden. Dafür sammelt der freischaffende Künstler und Omnibus-Fahrer Werner Küppers mit seinem Team seit Jahrzehnten Unterschriften, um sie in Berlin vorzulegen. So auch in Singen, wo er an einem Tag mit über 100 Menschen ins Gespräch kam.

Küppers, der Joseph Beuys noch selbst kennengelernt hat, ist Überzeugungstäter. Er hält das Parteiensystem für überkommen und diskutiert auch in der Singener Fußgängerzone mit den Passanten darüber. "Die Menschen sind der Parteien überdrüssig", ist Küppers überzeugt. "Sie wollen mehr gestalten und mehr entscheiden."

In Wahljahren sei es schwieriger, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, weil das Omnibus-Team in einen Topf mit den Parteien geworfen werde. Doch der Omnibus (lateinisch: für alle, durch alle, mit allen) will demokratische Grundlagenarbeit leisten, in Singen und in Berlin.