Mit jeder Stufe lauteres Gepolter. Dazu das Geräusch von gehetztem Atem. Wird hier jemand verfolgt? Braucht jemand Hilfe? Vorsichtig luge ich um die Ecke. Dann: Erleichterung. Verfolgt wird niemand. Aber, Hilfe braucht vielleicht doch jemand: zwei junge Frauen und ein Mann.

Wie von der Tarantel gestochen rasen die Drei an diesem Vormittag den Landesgartenschauturm hinauf und hinterlassen dunkle Schweißspritzer auf den Holzfstufen. Oben angekommen jagen sie über die Brücke und hetzen wieder zurück. Das alles bei 35 Grad! Da sie mich im Vorüberhasten auch noch anlächeln, wird sofort klar: Es handelt sich um Masochisten. Menschen, die Spaß an der Selbsttortur haben.

Und die finden am Landesgartenschaugelände gerade beste Bedingungen vor. Denn außer der mörderischen Hitze lassen sich hier auch Gewitter masochistisch verwerten. Das bewies eine andere Fitnessgruppe, die sich vor kurzem genüßlich ihr Bauch-Beine-Po-Programm von Blitz, Donner und Platzregen verhageln ließ. Der Lustgipfel für Selbstquäler wäre wohl die Kombination aus beidem: So lange die Sonne knallt durch den Turm sprinten und sobald Gewitter und Regen einsetzen, im Liegestütz die matschige Wiese durchpflügen. Sicher gesellt sich gerne auch der ein oder andere Voyeur dazu, der diesem Spektakel mit Vergnügen zuschauen würde.