Singen Die Seelenverwandtschaft starker Frauen

Marie-Theres Scheffczyk hielt im MAC einen Vortrag über Frida Kahlo. Das passt zur aktuellen Ausstellung "Starke Frauen".

Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, dass es sich um eine starke Frau handelt. Zierlich, ja gebrechlich wirkt Marie-Theres Scheffczyk zu Beginn ihres Vortrags im Singener Museum Art & Cars (MAC). Alter, weißes Haar sowie das schlichte Grau-Weiß der Garderobe verstärken diesen Eindruck. Doch das täuscht, mit der Rede gewinnt die ältere Dame schnell an Format. Marie-Theres Scheffczyk hat's offensichtlich nicht so sehr mit der Bequemlichkeit des Altenteils, sondern brennt für ihr Thema. Es ist der feministische Blick auf die Kunstgeschichte und da kommen Mann wie Frau um das Leben und die Werke der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo (1907 bis 1954) nicht herum.

Und so erleben die Besucher am Sonntagmorgen einen munteren und im Sinne des Wortes aufschlussreichen Vortrag, denn er erschließt die tieferen Schichten der Symbolsprache von Frida Kahlo. Der Schmerz ist dabei dominant und nahezu allgegenwärtig in den Motiven zu erkennen, obwohl er sich hinter einer gern fröhlichen Farbgebung zu verstecken scheint. Ein Widerspruch freilich ist das nicht. Frida Kahlo muss nach Darstellung von Marie-Theres Scheffczyk über eine unglaubliche Fähigkeit zur Vereinbarkeit von Leiden und Lebenslust verfügt haben. "Wozu brauche ich Füße, wenn ich Flügel habe", soll die durch Kinderlähmung und einen schweren Verkehrsunfall lebenslang zum Schmerz verdammte und gehbehinderte Künstlerin einmal gesagt haben.

Doch die Bildsprache der Frida Kahlo reicht über den Schmerz hinaus, ist weitaus komplexer. Der emanzipatorische Imperativ kommt da malerisch schon mal in der Darstellung einen Schamlippe in der Bluse eines Selbstbildnisses zum Ausdruck, ihre Bilder sind dabei zugleich ein Tagebuch ihrer privaten Verletzungen und im Stile alter Meister spielt sie mit der Spiegelung von Seelenverfassungen in Landschafts- oder Himmelsdarstellungen. "Man kann das alles lesen, wenn man genau hinschaut", sagt Marie-Theres Scheffczyk, wobei die Leistung der Kunsthistorikerin nicht unterschätzt werden sollte: Frida Kahlo steht für die Genese der Kunst, bei der Exegese aber brilliert Marie-Theres Scheffczyk. Das reicht bis hin zur Bedeutung des Haarschnitts, der zur Zeit der Frida Kahlo als femininer Akt der Selbstbehauptung und Befreiung verstanden werden konnte.

Schade nur, dass die Werke von Frida Kahlo im MAC nur als Dia-Projektionen zu sehen waren. Dennoch passte der Vortrag gut zur gegenwärtigen Ausstellung mit dem Titel "Starke Frauen". Und wer weiß, vielleicht sind dereinst auch Originale der mexikanischen Künstlerin unterhalb des Hohentwiels zu sehen. An der Museumsleitung jedenfalls soll's nicht liegen: Frida Kahlo ist die Lieblingskünstlerin von Gabriela Unbehaun-Maier, die zusammen mit ihrem Mann Hermann Maier das MAC leitet.

 

Ihre Meinung ist uns wichtig
Die leckersten Gins vom Bodensee und Schwarzwald
Neu aus diesem Ressort
Singen
Singen
Singen
Singen
Singen
Singen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren