Wenn die Kreis-SPD zu einem Theaterabend über das vor 100 Jahren eingeführte Frauenwahlrecht in die Singener "Färbe" einlädt, so sollte man einen Zuschauerraum voller kämpferischer Frauen erwarten. Das Gegenteil war der Fall: Nur etwa 30 Interessierte wollten die szenische Darstellung der Biografien dreier Vorkämpferinnen für die Demokratie erleben.

Die Allensbacher Theaterpädagogin Margret Schröder schlüpfte dazu in die Rollen der ersten Feministinnen Hedwig Dohm, Clara Zetkin und Marie Juchacz, die sich mutig für die Gleichberechtigung und die Einführung des Frauenwahlrechtes eingesetzt haben.

Margret Schröder spielt in der Singener Färbe vor Mitgliedern des SPD-Kreisverbandes die Pionierin Hedwig Dohm, die 1873 gleiche Rechte für Frauen forderte.
Margret Schröder spielt in der Singener Färbe vor Mitgliedern des SPD-Kreisverbandes die Pionierin Hedwig Dohm, die 1873 gleiche Rechte für Frauen forderte. | Bild: Trautmann, Gudrun

"Wir wollen gleiche Rechte für alle", zitiert die stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende, Melanie Geiges, die Grundidee der Sozialdemokratie zu Beginn des Abends. Es sei also fast natürlich gewesen, dass viele Frauenrechtlerinnen ihre politische Heimat in der Sozialdemokratie fanden.

Angesichts des geringen Interesses an der Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr in der "Färbe" darf man die Frage stellen, ob die SPD heute noch politische Heimat für breite Bevölkerungsschichten ist? "Eine demokratische Gesellschaft bleibt nicht automatisch demokratisch", mahnte deshalb auch Melanie Geiges in Vertretung des verhinderten SPD-Kreisvorsitzenden Tobias Volz.

Marian Schreier sieht Nachholbedarf

Marian Schreier, Bürgermeister von Tengen, bemerkte, dass die Gleichstellung trotz Verankerung im Grundgesetz in der Lebenswirklichkeit längst nicht überall angekommen sei. Ungleiche Bezahlung von Arbeit, ungleiche Repräsentationen der Geschlechter in politischen Gremien, wie dem Stuttgarter Landtag sowie die Anzahl der Frauen an der Spitze von Kommunen, waren drei Beispiele, die Schreier nannte. "In 1101 Gemeinden gibt es nur 95 Bürgermeisterinnen", sagte er.

Das prägende Erlebnis von Ungerechtigkeit

Wie lassen sich mehr Frauen für politische Ämter oder Führungspositionen gewinnen? Am Beispiel der Schriftstellerinnen und Agitatorinnen Hedwig Dohm, Clara Zetkin und der Begründerin der Arbeiterwohlfahrt Marie Juchacz wird deutlich, dass ihr Engagement dem persönlichen Erlebnis großer Ungerechtigkeit entsprang. Moderne Frauen profitieren heute davon. Selbstverständlich ist das nicht.