„Romantik 2.0“ – der Titel, den sich das Quartett um den gebürtigen Singener Pianisten und Dirigenten Fabian Dobler für sein neuestes Programm gewählt hat, führt zunächst in die Irre. Haben sich die Musiker von Operassion jetzt der Cyber-Welt verschrieben? – In der Singener Basilika, der zweiten Spielstätte des Theaters „Die Färbe“, erlebten die Zuhörer im nahezu ausverkauften Saal das genaue Gegenteil. Handgemachte Musik auf allerhöchstem Niveau. Und von Computer keine Spur. Den hatte Fabian Dobler allerdings für die Bearbeitung der Stücke aus Romantik und Tango Nuevo benötigt. Zum Beispiel, um das Bandoneon einzubauen, das in der Romantik noch gar nicht bekannt war. Oder, um die Übergänge von der einen Epoche in die andere reibungslos zu gestalten. Oder, um die Brüche zu zelebrieren. Heraus gekommen ist ein Spannungsbogen, der dem höchst aufmerksamen Publikum am Sonntagabend zeitweise schier den Atem raubte.

Gleich zu Beginn des Konzertes gab es eine Regieanweisung für das Publikum, bitte nicht zwischen den einzelnen Stücken zu klatschen, weil das eben jene Spannung zerstören würde. Die Zuhörer hielten sich dran und wurden nach und nach entführt in einen völlig neuen, emotionsgeladenen Kosmos. So muss Buenos Aires klingen, oder Berlin? Antje Stehen, die Meisterin dieses hochkomplizierten Instrumentes, scheint mit ihrem Bandoneon verwachsen. Während das Klavier (Fabian Dobler) immer wieder die Rolle des Rhythmusinstrumentes übernimmt, verschmilzt das Cello mit der Melodie des Bandoneons. Tim Ströble entlockt seinem Streichinstrument eine sanfte Melancholie, die den Zuhörern direkt ins Herz geht. Und dann Douglas Yates: Der Bariton, besonders stark in den Höhen, spricht mit den existenziellen Liedern Robert Schumanns die Gefühle direkt an. Immer wieder erscheint der blinde Sänger kometenartig aus der Finsternis der völlig abgedunkelten Basilika, wenn der Scheinwerfer ihn wieder ins Rampenlicht zurückholt. Das hat etwas Mystisches.

Man merkt dem perfekten Zusammenspiel der Musiker an, dass sie mehr als ein berufliches Engagement verbindet. Da ist Leidenschaft im Spiel. Das Singener Publikum erlebte die zweite Aufführung dieses neuen, spannenden Programms und belohnte die Musiker mit einem stehenden Applaus.

Das Ensemble

Operassion ist eine Gruppe von Künstlern, die in verschiedenen Besetzungen, mit neuen Konzepten und eigenen Bearbeitungen eine neue Art von Kammermusik aufführt. Bekannt wurde die Gruppe um den gebürtigen Singener Pianisten und Dirigenten Fabian Dobler durch seine Produktion „Leporellos Tagebücher“ mit Guildo Horn. Der künstlerische Ansatz ist ein Gegenentwurf zum „historisch Korrekten“. Das Ensemble will Werke vergangener Epochen in der Gegenwart neu entstehen lassen. Das Programm „Romantik 2.0“ mit Fabian Dobler, Antje Steen, Tim Ströble und Douglas Yates ist neu.