Das Singener Theater "Die Färbe" ist bereits zum vierten Mal für den Monica Bleibtreu Preis der bundesweiten Privattheatertage in Hamburg nominiert. Das Theater hat sich mit dem Stück "Die Grönholm Methode" in der Kategorie zeitgenössisches Drama beworben und die Jury, die zu den Theatern reiste und sich die Stücke ansah, überzeugt. In der Jury saß der Operndirigent Fabian Dobler, der aus Singen stammt und hier mit seinem Ensemble Operassion schon Stücke gezeigt hat. 90 Privattheater aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich mit ihren Inszenierungen beworben, zwölf davon dürfen sich bei den Privattheatertagen vom 13. bis 25. Juni präsentieren.

Das Grönholm-Ensemble der Färbe mit Milena Weber, Patrick Hellenbrand, Elmar F. Kühling und Ben Ossen und Regisseur Peter Lüdi spielt sein Stück am Freitag, 16. Juni um 20 Uhr im Hamburger Ohnsorg Theater und wird dort erneut von einer Jury bewertet. Für das Färbe-Ensemble gilt: Dabei sein ist alles. "Die Belohnung besteht in der Einladung", sagt Dramaturgin Cornelia Hentschel. Für das Theater sei die Einladung eine Auszeichnung und ein Zeichen, dass sich ihre Arbeit im Vergleich zu Inszenierungen von Theatern in größeren Städten sehen lassen könne und den Vergleich nicht scheuen müsse, so Hentschel. Die meisten Bewerbungen kämen aus Großstädten und viele in Hamburg fragten sich: Singen, wo liegt denn das? Die Färbe zeige mit ihren Nominierungen, dass auch in der Provinz ernst zunehmende Theaterarbeit geleistet wird und die Qualität einer Inszenierung nicht vom Ort abhängig ist. "Die Nominierung ist ein Ansporn und eine Ehre.

Es macht einfach Spaß, sich in einer anderen Stadt und in dem legendären Ohnsorg-Theater vor großem Publikum zu präsentieren", sagt Schauspieler Patrick Hellenbrand. Das Ensemble hat einen straffen Zeitplan mit Anreise, Aufbau und Proben, auch die andere Bühne ist eine Herausforderung. Ein wenig schade sei, dass es deshalb kaum Kontakt zu anderen Theatern geben, berichtet Hellenbrand.

Die Privattheatertage haben sich in ihrer sechsten Auflage etabliert und würden vom Publikum sehr gut angenommen, so die Erfahrung von Cornelia Hentschel. Viele Zuschauer haben ein Festivalticket und gehen von Aufführung zu Aufführung. Für den Initiator, Axel Schneider, würdigt das Festival die Arbeit von 280 deutschen Privatbühnen. "Privattheater sind eine wichtige Säule in unserer Theaterlandschaft, sie leisten auch durch vielfältiges Programm, Modernität und Leidenschaft einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Die Privattheatertage wollen den Blick auf die vielseitige deutsche Privattheaterlandschaft schärfen und sind inzwischen zu einem wichtigen Get-together für diese Szene geworden”, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Preis wird in den Kategorien Drama, Klassiker und Komödie vergeben und es gibt einen Publikumspreis. Die Preisverleihung ist am 25. Juni in den Hamburger Kammerspielen.

Das nominierte Stück "Die Grönholm Methode" von Jordi Galceran sei eine Abrechnung mit den Methoden von Firmen, wie sie mit ihren Mitarbeitern umgehen, beschreibt Hellenbrand das Stück. Galceran erzählt mit rabenschwarzem Humor von der unerbittlichen Konkurrenz zwischen Arbeitssuchenden. Es ist ein sehr böses Stück mit viel Witz zu einem aktuellen Thema. "Das Stück zeigt den Menschen als Ressource, die eiskalt kalkuliert wird", beschreibt Schauspieler Ben Ossen. Es stellt unter anderem die Frage, wozu Menschen bereit sind, um sich einen hochdotierten Job oder eine Karriere zu sichern.


Weitere Vorstellungen

Die Färbe bietet im Vorfeld der Privattheatertage weitere Vorstellungen des Stücks "Die Grönholm Methode" unter der Regie von Peter Lüdi. Die Aufführungen finden von Mittwoch, 7. Juni bis Samstag, 10. Juni jeweils um 20.30 Uhr statt. Dort können sich die Besucher selbst ein Bild von der Qualität des Stückes machen. Es handelt von vier Bewerbern, die sich zur Endrunde eines Auswahlverfahrens für eine hochbezahlte Managerposition eingefunden haben und sich grotesken Test unterziehen müssen. Gesucht wird "kein guter Mensch, der nach außen ein Arschloch ist", sondern "ein Arschloch, das nach außen ein guter Mensch ist".