Das von Andreas Jung einberufene "Bahn-Gipfele" im Singener Rathaus begann mit einer Solidaritätsadresse des CDU-Politikers an die lokale Interessenslage: "Singen ist keine Milchkanne, hier müssen auch Menschen aus- und einsteigen können." Sven Hantel, der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG, steckte das locker weg, denn die Forderung entspreche der Strategie des Unternehmens. Die Singener Kurve ist demnach nur für den Güter-, nicht für den Personenverkehr gedacht. Die Stadt und der Hegau sind damit die Sorge los, als vergleichsweise kleine Kommunen im Schatten der profitablen großstädtischen Bahnverbindungen zu kurz zu kommen.

Die Frage bleibt, wo die Ursachen für den immer wieder aufscheinenden Interessenskonflikt zwischen dem Unternehmen und den Kunden liegen. Das Unverständnis wächst dabei angesichts der Besitzverhältnisse, denn trotz Teilprivatisierung ist die öffentliche Hand der Hauptgesellschafter – letztlich also der Bürger. Wenn der Wunsch beispielsweise nach dem Ausbau des öffentlichen Schienennahverkehrs besteht, dann lässt sich das als Zielvorgabe fürs Unternehmen formulieren. Doch von den Kommunen übers Land bis zum Bund hat man sich komfortabel im Bashing eingerichtet und so macht man mit der Bahn gern und auf allen Ebenen den Hau-den-Lukas.

Dabei zeigt sich direkt vor der Haustür, dass es auch anders geht. Seehas und Seehäsle zum Beispiel. Oder die Schwarzwaldbahn. Und auch bei der Gäubahn deutet inzwischen mit der Priorisierung im Bundesverkehrswegeplan (550 Millionen Euro!) einiges auf Bewegung beim Ausbau der Strecke hin. Entscheidend dafür war letztlich der politische Wille und der Bürger kann ihn beeinflussen. Zeit zum Nachdenken hat er reichlich. Spätestens dann, wenn er wieder mal im Stau steht.

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