Heftige Verluste mussten die CDU und ihr Wahlkreiskandidat Andreas Jung bei der Bundestagswahl am Sonntag im Hegau verbuchen. Fast 53 Prozent der Singener Wähler gaben ihm noch 2013 ihre Stimme, knapp über 40 Prozent waren es diesmal. Dennoch konnte der CDU-Kandidat im Überblick fast alle Wahlbezirke in der Stadt für sich entscheiden. Lediglich in zwei Bezirken musste er sich bei den Erststimmen seinen Herausforderern geschlagen geben: SPD-Kandidat Tobias Volz holte die Mehrheit mit 31,6 Prozent im Bezirk 63 an der Georg-Fischer-Straße (siehe Grafik). Im Wahlbezirk 77 musste Jung sich gar AfD-Kandidat Walter Schwaebsch, der rund um den Berliner Platz über 30 Prozent der Stimmen verbuchen konnte, geschlagen geben. Und im Bezirk 75 rettete Jung sein persönliches Ergebnis, bei den Zweitstimmen hatte die SPD die Nase vorn.

Bild: SK/Gora
  • Die Zweitplatzierten: Spannend hat sich der Kampf um Platz zwei in der Wählergunst unter dem Hohentwiel gestaltet. Was sich in der Wahlnacht abgezeichnet hat – dass die Alternative für Deutschland (AfD) in der Arbeiterstadt Singen ähnlich stark abgeschnitten hat, wie die einst ruhmreiche SPD, macht die SÜDKURIER-Grafik sichtbar. Farblich markiert sind die Bereiche, in denen die jeweilige Partei den Kampf der Kleinen um Platz zwei nach der meist führenden CDU für sich entscheiden konnte.
    Weite Teile färben sich AfD-Blau, die SPD punktet im Osten und der Weststadt, die Grünen haben ihre Hochburg entlang der Hohenkrähenstraße und die FDP im Musikerviertel zwischen Händel- und Johann-Sebastian-Bach-Straße in der Nordstadt.
  • Die Wahlbeteiligung: Traditionell hoch ist die Wahlbeteiligung in den Singener Stadtteilen. Spitzenreiter war in diesem Jahr Friedingen. 62,9 Prozent der Wahlberechtigten haben von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Interessanterweise etwas weniger als vor vier Jahren. Damals beteiligten sich 64,3 Prozent. Hoch war die Beteiligung im Südstadtbezirk 76 am Stadtrand Richtung Rielasingen-Worblingen. Über 60 Prozent haben ihre Stimme abgegeben – der Spitzenwert in der Singener Kernstadt. Am wenigsten Wähler haben sich mit 38,5 Prozent im Bezirk 61, entlang der Rielasinger Straße, auf den Weg ins Wahllokal gemacht. Die Gesamtwahlbeteiligung addiert sich inklusive der Briefwähler auf 65,2 Prozent.
  • Die Erststimmen: Sein bestes Ergebnis hat Andreas Jung mit 55,7 Prozent der Erststimmen in Bohlingen erzielt. Zweitstimmen für Kanzlerin Merkel gab es in Bohlingen deutlich weniger: knapp 36 Prozent. Fast überall erzielte Jung rund zehn Prozentpunkte mehr, als seine Partei bei den Zweitstimmen – außer im Wahlbezirk 63 an der Georg-Fischer-Straße. Dort erhielt er, wie seine Partei, exakt 71 Stimmen. SPD-Kandidat Tobias Volz kam auf 91 Stimmen, 18 mehr als die SPD Zweitstimmen erzielte. Sein schlechtestes Ergebnis erzielte Volz mit gerade einmal 12,2 Prozent in Hausen an der Aach. Hier hatte FDP-Kandidat Tassilo Richter seinen Erfolg. In seinem Heimatort erreichte er 14,7 Prozent, fast so viel, wie es auch Zweitstimmen gab. Mehr Erst- als Zweitstimmen holte er in den Bezirken 51 und 63. Martin Schmeding hatte sein Maximum mit 14,8 Prozent im Wahlbezirk 23, das Minimum mit 4,1 Prozent im Wahlbezirk 72; AfD-Kandidat Schwaebsch mit 30,7 Prozent im Bezirk 77 und 10,7 im Bezirk 21 und Simon Pschorr (Linke) erreichte 10,3 Prozent im Bezirk 73 und 4,1 Prozent im Bezirk 25.
  • Die Briefwähler: Rund 19 Prozent der Wähler in Singen haben die Briefwahl genutzt, insgesamt 3723 Personen. Sie stimmten mit 46,9 Prozent deutlicher für Jung, als die Urnenwähler. Hier erreichte er 39,1 Prozent. Die AfD kam bei den Briefwählern auf 11,9 Prozent der Erststimmen und 12,6 Prozent der Zeitstimmen, an der Urne erreichte Walter Schwaebsch 18,1 Prozent, die AfD 18,4 Prozent.

Analyse aus den Städten und Gemeinden des Hegaus

  • In Aach bewegen sich die Verluste von CDU und SPD auf vergleichbarem Niveau wie im Rest des Hegaus. Jung verliert rund zehn Prozent von einst 54 auf nun 46 Prozent der Erststimmen, von 44,7 auf 34,8 bei den Zweitstimmen.
  • In Büsingen sinkt die Wahlbeteiligung entgegen dem Trend leicht von 66,1 Prozent 2013 auf 65,7 Prozent in diesem Jahr. Die CDU verliert massiv. Um rund 15 Prozentpunkte sinkt der Stimmenanteil von 59,1 auf 45,5 Prozent bei den Erststimmen.
  • In Engen steigt die Wahlbeteiligung von 73,2 auf 77,3 Prozent. Schockierend ist das Ergebnis für die SPD in Stetten mit 8,6 Prozent der Erststimmen. Jung holt hier 62,1 Prozent. Die AfD punktet in Bargen: 16,4 Prozent gibt es dort.
  • In Gailingen sinkt die Wahlbeteiligung dramatisch von 73,7 auf 63,7 Prozent. CDU und SPD verlieren. Die Sozialdemokraten reihen sich bei den kleineren Parteien ein. SPD: 14,9 Prozent, FDP 14,4; Grüne 13,4; AfD 11 Prozent und die Linke 7,3.
  • In Gottmadingen können 441 Wähler mehr gezählt werden, als vor vier Jahren. Die Wahlbeteiligung steigt von 72,2 auf 76,8 Prozent. In Ebringen holt Andreas Jung 63,2 Prozent der Erststimmen.
  • In Hilzingen bleiben die Liberalen stark. Mit 15,6 Prozent der Zweitstimmen überholt die FDP (2013 – 12,2 Prozent) die SPD, die 15,4 Prozent (2013 – 17,6) erreicht, als zweitstärkste Kraft. In Binningen gibt es sogar 20,6 Prozent.
  • In Mühlhausen-Ehingen verliert CDU-Kandidat Andreas Jung sieben Prozentpunkte auf 53,3 Prozent in Ehingen, gar 15 auf rund 45 Prozent in Mühlhausen.
  • In Rielasingen-Worblingen sind 77 Prozent der Wahlberechtigten zur Stimmabgabe gegangen. Im Wahlbezirk 3, Ten-Brink-Schule, kommt die AfD auf 20,5 Prozent der Zweitstimmen, Kandidat Walter Schwaebsch erreicht 18,7 Prozent der Erststimmen. Gesamt gibt es 15,2 Prozent für die AfD.
  • In Steißlingen wurde mit 82,3 Prozent die höchste Wahlbeteiligung im Hegau gemessen. Andreas Jung holt für die CDU 55,9 Prozent der Erststimmen.
  • In Tengen steigt die Wahlbeteiligung von 76,6 auf 80,9 Prozent. Sensationell ist das Erststimmenergebnis für Andreas Jung in Watterdingen. Er bekommt 65,1 Prozent im größten Tengener Stadtteil.
  • In Volkertshausen kann sich die SPD auf niedrigem Niveau behaupten. Bei den Erststimmen verliert Tobias Volz lediglich 1,5 Prozentpunkte gegenüber 2013 und landet bei 20,2 Prozent. Die Wahlbeteiligung liegt bei beachtlichen 80,4 Prozent. (bie)