Leider habe ich den Einstieg verpasst. Als ich mich mit meinem Teller Pasta in der Hand hinsetze, höre ich nur noch, dass etwas fehlt. Eine der drei Damen am Nachbartisch muss einen wichtigen Gegenstand verloren haben. Und nachdem alles Suchen erfolglos war – da sind sich alle einig – kann jetzt nur noch einer helfen: Der heilige Antonius.

Während ich meine Nudeln löffle, spitze ich die Lauscher. Und tatsächlich hat jede der Frauen ihre eigene Erfolgsgeschichte zu erzählen. Ob Autoschlüssel, Brieftasche oder Brille, stets war Antonius zur Stelle. Im Austausch gegen ein Gebet brachte der Heilige die Dinge zum Vorschein, die man unauffindbar gewähnt hatte. Ich muss direkt daran denken, dass auch meine Großmütter schon davon berichtet haben, dass ihnen der "Schlamper-Patron" auf wundersame Weise geholfen hat. Aber warum eigentlich? Wieso wird ausgerechnet der irgendwann zwischen 1188 und 1195 geborene Sohn einer portugiesischen Adelsfamilie behelligt, wenn im Hegau, der Pfalz oder Hessen etwas abhanden kommt?

Vom Esel zu den Liebenden

Eine Online-Recherche ergibt: Erstaunlich wenig. Über die Hintergründe seiner Finder-Leidenschaft erfährt man nichts Greifbares. Dafür aber andere spannende Dinge. Denn: Er mag im Volksmund als „Schlamper-Toni“ bekannt sein, in Wirklichkeit ist der im Jahr 1231 verstorbene Priester aber ein posthumer Alleskönner. Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia verrät, dass Antonius der Schutzpatron der Städte Padua, Lissabon, Paderborn, Hildesheim und Menden sowie der Bäcker, Schweinehirten, Bergleute, Reisenden und Sozialarbeiter ist. Angerufen wird er nicht nur, wenn jemand etwas verlegt hat, sondern auch bei Unfruchtbarkeit, Fieber, Pest, Schiffbruch, Kriegsnöten und Viehkrankheiten. Antonius soll zu einer guten Geburt, zum Altwerden und einer guten Ernte verhelfen. Und er gilt als Schutzheiliger der Frauen und Kinder, der Liebenden, der Ehe, der Pferde und Esel. Ja, der Heilige soll sogar bei der Partnersuche helfen. Deshalb werden spezielle Single-Wallfahrten zu seiner letzten Heimstätte, Padua, angeboten.

Dass man ihm so viel zutraut, hat wahrscheinlich mit den Wundern zu tun, die er zu Lebzeiten gewirkt haben soll: Zum Beispiel brachte er ein ausgehungertes Maultier dazu, sich nicht auf einen Haferhaufen zu stürzen, sondern fromm die Knie vor einer von Antonius gehaltenen Hostie zu beugen. Einen Jungen, der seine Mutter getreten und sich dann aus Scham den Fuß abgehackt hatte, machte der Priester wieder ganz. Und als ein Mann den Verdacht äußerte, dass sein neugeborenes Kind nicht von ihm sei, brachte Antonius den Säugling dazu, zu sagen, wer sein wahrer Vater sei.

Wer so etwas kann, der schafft es sicher auch, der Frau am Nachbartisch zu helfen. Und für den Fall, dass sie noch den passend süddeutschen Gebetsspruch sucht, weiß das Internet Rat: "Heiliger Antonius, kreizbraver Mo, führ mi doch bitte an des ... wieder no!"