Raus aus dem Nebel

Januar: Alles Nebel- oder was? Die grauen Wintertage sollen endlich ein Ende haben. Die Städte Engen und Tengen haben zusammen mit ihren Schwarzwaldverein-Ortsgruppen kurz­entschlossen eine zündende Idee, wie die Bürger ihre schlechte Wetterlaune aufhellen können. Gleichzeitig wollen sie auch touristisch eine eigene Marke setzen. Ab in die Höhe, heißt das Motto. Mit Führungen auf den Premium-Wanderwegen Hewensteig, Rund um Stetten – s’Dorf am Himmel, Alter Postweg und Wannenbergtour locken die Organisatoren ganze Völkergruppen aus dem Hegau-Bodenseegebiet hinauf in nebelfreie, sonnendurchflutete Zonen.

Dabei gibt es beste Bildmotive. Der frühere Tengener Bürgermeister Helmut Groß bietet in aller Herrgottsfrühe Sonderwanderungen an, damit Teilnehmer – wie er selbst schon hundertfach ausgeführt – das prächtige Farbenspiel der Natur im Bild festhalten können. (bit)

Narren schweigen

Februar: Narrenfreiheit in Gefahr. Die Organisatoren von Fasnachtsveranstaltungen stöhnen über immer strengere Behörden-Auflagen. Das wird auch zum großen Thema beim Narrentreffen der Rehbock-Zunft in Volkertshausen vom 15. bis 17. Februar, bei dem auch die Narrenvereinigung Hegau-Bodensee ihr 60-jähriges Bestehen feiert.

Alle Hexen müssen nun unter strengen Kriterien kostspielig und aufwendig polizeilich registriert werden, bevor sie an den Umzügen teilnehmen dürfen. Beim Jubiläumsumzug in Volkertshausen marschieren daher alle Narren aus Protest eine halbe Stunde lang schweigend auf dem Umzugsweg, bevor sie dann ausgelassen toben. Den Stimmungsboykott haben die Zünfte bei der Fußball-Bundesliga abgeguckt. (bit)

Start ins Jubiläum

März: Die Interessengemeinschaft (IG) Singen Süd hat in diesem Jahr Großes vor: Der Vorsitzende Dirk Oehle kündigt zur Hauptversammlung mit den Planungen zur Leistungsschau im 25. Jahr des Bestehens einen Knaller an: Der Alemannenring wird als Rennstrecke reaktiviert und gemeinsam mit den Aktivisten vom MAC-Museum für alte Rennwagen frei gegeben. An zwei Tagen soll die Automeile wieder zum Eldorado für Rennliebhaber werden. (bie)

Autofrei mit Pollern

April: Singen macht sich schick. Die Hegaustraße hat ein neues Pflaster und die August-Ruf-Straße bekommt für teures Geld ebenfalls einen neuen Belag. Jetzt sollen Fußgänger endlich ungestört ins Einkaufsvergnügen flanieren können. Versenkbare Poller sollen Autos draußen halten. Oberbürgermeister Bernd Häusler hat schon bei einigen Anlässen erklärt, dass Poller die Lösung für das Autoproblem darstellen („Ich mag die Dinger“). Jetzt hat die Stadtverwaltung überall an der Fußgängerzone welche anbringen lassen und sie sorgen für Ruhe in der Innenstadt. Doch es gibt sie nach wie vor: Die unbelehrbaren Autofahrer, die noch schnell über den versenkbaren Poller kommen wollen, der dann plötzlich nach oben geht – genau wie die Zahl der lustigen Pollervideos aus Singen im Internet. (jac)

Blöder Poller (Teil 1)

Mai: Die SÜDKURIER-Redaktion frohlockt. Die Serie „Wir machen Demokratie“ im Vorfeld der Kommunalwahlen am 26. Mai hat nachweislich dafür gesorgt, dass die Wahlbeteiligung in Singen und dem Hegau bei 99,999 Prozent liegt. Nur einer wählte nicht: OBBernd Häusler. Er ist beim Wahlgang über einen Poller gestolpert. (tol)

Es bleibt trocken

Juni: Wieder planen SÜDKURIER und Schwarzwaldverein Sommer-Wanderungen. Aber dieses Jahr wird vereinbart, dass freitags regenfrei bleibt. (bie)

Rhein in Flammen

Juli: Fetziger Mittelalter-Rock, das ist kein Kleidungsstück, sondern das, was sich die Veranstalter vorgestellt hatten, als sie die Band In Extremo fürs Hohentwiel-Festival buchten. Leider kommt es anders. Schon nach dem Refrain des ersten Songs, dem „Spielmannsfluch“, verschluckt sich Frontmann Micha Rhein beim Versuch, Feuer zu spucken.

Zunächst denken Zuschauer, der Funkenregen wäre Teil des Spektakels. Als ein keuchender Rhein sich jedoch am Getränkestand einen Wasserbecher nach dem anderen ins Gesicht leert, werden Buh-Rufe laut. „Da hat mir das Amy-Macdonald-Konzert besser gefallen“, meint ein Enttäuschter, als das Konzert nach drei Minuten abgebrochen wird. (das)

Ab zum FC Bayern

August: Das große Spiel des Lebens gibt es nochmals. Der 1. FC Rielasingen-Arlen hat nicht nur durch erfolgreiche Relegationsspiele den Aufstieg in die Fußball-Oberliga geschafft, sondern auch die Teilnahme am DFB-Pokal. Und wieder kommt es nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund zu einer Knaller-Partie: Serienmeister FC Bayern München wird zugelost. Der FC zieht diesmal nicht ins Freiburger Schwarzwald-Stadion um, sondern verzichtet ganz auf sein Heimrecht. Das Spiel wird in der Münchner Allianz-Arena ausgetragen.

Die ist bekanntlich bei jedem Gegner mit 66 000 Zuschauern rappelvoll. So wittern die Hegauer Einnahmen von hundertausenden Euros, mit denen sich auch auf der Talwiese eine kleine Tribüne bauen lässt. Aufgrund der reiselustigen Fanscharen wird diesmal nicht die Bundesstraße in Richtung Freiburg blockiert, sondern der Verkehr auf der Autobahn Lindau/München gerät zeitweise ins Stocken.

Rielasingen-Arlen schlägt sich achtbar, verliert nur 1:3 und Bayern-Präsident Uli Hoeneß nutzt die Gelegenheit, bei Börsen-Profi Peter Dreide, Chef des 1. FC Rielasingen-Arlen, nach Rat zu fragen. Geld gut und steuerlich korrekt anzulegen, sollte für Hoeneß künftig kein Problem und Haft-Grund mehr sein. (bit)

Auf der Baustelle

September: Auf der Cano-Baustelle gibt es plötzlich einen Baustopp und die Bagger müssen still stehen. Bauarbeiter haben neben dem Café Hanser ein Stück Ton gefunden. Kreisarchäologe Jürgen Hald wird alarmiert und gebeten, sich die Scherbe anzuschauen. Er meint nach erster Sichtung, bei dem Fund könne es sich um Reste einer Siedlung aus der Bronze- und Eisenzeit handeln. Nähere Erkenntnisse sollen weitere Grabungen und Untersuchungen bringen. Die Bauarbeiter dürfen, weil sie sonst nichts zu tun hätten, beim Buddeln helfen. Wie lange die Baustelle ruhen muss, ist noch nicht bekannt. Die Untersuchungen dürften aber den ehrgeizigen Plan, das Cano im Frühjahr 2020 zu eröffnen, in Gefahr bringen. (jac)

Blöder Poller (Teil 2)

Oktober: Beim Tengener Schätzele-Markt würde OBBernd Häusler gern Festredner Friedrich Merz hören. Aber er kommt zu spät. Der Grund: Er steht vor seinen geliebten Pollern in der Singener Innenstadt. Die fahren nicht rein und er kommt nicht raus. (tol)

Spaßbad kommt

November: Ein unerwarteter Geldsegen bringt die Singener in die Bredouille. Ein Spender, der öffentlich nicht genannt werden will, möchte als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk der Stadt eine Million Euro schenken, wenn sie ein familienfreundliches Hallenbad mit Rutsche und allem drum und dran neben das Aachbad baut. Er denkt dabei an eine ähnliche Ausstattung wie beim Tuwass in Tuttlingen. Das Geld darf aber nur für dieses Projekt und an diesem Ort ausgegeben werden. Zähneknirschend geben alle Vereine und Freunde der Scheffelhalle ihr Festdomizil auf und die Stadt lässt die Abbruchbagger anrollen. Die Familien im Hegau freuen sich. (jac)

Lieber als die Oma

Dezember: Erneut packen die Hüttenzauber-Veranstalter, kaum sind die ersten Schneeflocken gefallen, ihre Koffer. Fünf Mitarbeiter fahren nach London, wo sie beim Weihnachtsmarkt im Hyde Park ihre Stände aufbauen. Hier haben sich die Hegauer dank ihres vorzüglichen „Glowing Wine“ inzwischen einen Namen gemacht. Am 6. Dezember kommt es vor den Pforten ihres „Heaven’s Grill“ sogar zu tumultartigen Szenen, als ein rotbackiger Prinz William zusammen mit Standmitarbeitern „Die Fischerin vom Bodensee“ anstimmt. „Ich liebe diesen Laden mehr als meine Oma“, wird der lallende Thronfolger in der Boulevardzeitung „The Sun“ zitiert. (das)