Mancher muss sich auf seinem Weg zur Arbeit durch hohes Verkehrsaufkommen kämpfen – dieses Problem haben Zeitungsausträger nicht. Sie fangen an zu arbeiten, wenn Füchse und Rehe noch durch die Natur streifen. Morgens um drei werden die Zeitungen an den verschiedenen Verteilorten angeliefert. Bis spätestens um sechs Uhr sollen sie verteilt sein. Wenn man sein Gebiet kennt, ist das kein Problem, doch für die SÜDKURIER-Auszubildenden Julian und Lewis Kopp und die Werkstudenten im Vertrieb, Vanessa Jack und Lorenz Klingele, war dies bei der Vertriebsaktion im Gebiet Gottmadingen durchaus eine Herausforderung.

Während die regulären Kräfte bestens ausgerüstet mit Stirnlampe und reflektierender Kleidung anrückten, standen die Vier erst einmal im Dunkeln. Gebietsleiter Ivan Raos hatte zwar Pläne dabei, doch war es gar nicht so einfach, sich damit in der Praxis zurecht zu finden. Die Brüder Julian und Lewis Kopp übernahmen ein Gebiet in Bietingen. Dunkelheit, verschlungene Straßenzüge und mangelhafte Ausschilderung von Straßen sowie fehlende und schwer zu findende Hausnummern machten die Aufgabe für die Neulinge schwierig.

Handy hilft bei der Orientierung

Während Lewis Kopp gleich zügig loslief und gekonnt die Zeitungen gefaltet in den unterschiedlichen Briefkastenformen versenkte, versuchte sich Julian Kopp erst einmal einen Überblick zu verschaffen. Da die Straßenlaternen größtenteils noch nicht leuchteten, waren die Bewegungsmelder der Hausbeleuchtungen eine große Hilfe. Doch viele Hausnummern fanden sich an Pfosten, Garagen und anderen schlecht zu sehenden Orten. Zudem waren sie im Gegensatz zu Eingängen, Klingeln und Briefkästen nur selten beleuchtet. „Wir hatten Zeitverlust aufgrund von Navigationsschwierigkeiten“, so Lewis Kopp. Gar nicht vorstellen konnte sich Julian Kopp, wie der Job früher ohne Mobiltelefon mit Navigation und Taschenlampe funktionierte.

Nachts sieht die Welt anders aus

Erst gegen Ende der Schicht gingen die Lampen auch in den Häusern an. Sonst war es dunkel und still. „Wie das die Austräger/innen schaffen, verdient meine Bewunderung“, stellte Lewis Kopp vor allem am Ortsrand fest. Für ihn war die Aktion aber auch aus einem anderen Grund lehrreich, denn offensichtlich nimmt man die Umwelt aus einer anderen Perspektive wahr. Hunde zum Beispiel bellten nur sehr selten. Und nur zwei begegneten den Brüdern beim Gassigehen. "Erstaunlich, wie sehr so kleine Hunde stinken können", wunderte sich Julian Kopp über Hinterlassenschaften, die nicht entfernt wurden.

Auf die Frage, ob sie denn wieder Zeitung austragen würden, stand die Begeisterung im umgekehrten Verhältnis zum Respekt vor jenen, die diese Aufgabe täglich übernehmen. Vielleicht liegt's am Alter: Vor allem das Zeitfenster, in dem die Arbeit erledigt werden muss, war für die beiden jungen Männer schwierig – normalerweise schlafen sie um diese Zeit.

Julian Lewis: "Ich ziehe den Hut vor der Leitung der Zusteller!" .Bild: Susanne Schön
Julian Lewis: "Ich ziehe den Hut vor der Leitung der Zusteller!" .Bild: Susanne Schön

„Ich habe jetzt in allen Berufsfeldern gearbeitet, die den Medienkaufmann betreffen“, bilanzierte Lewis Kopp. Immerhin, der Morgen hat den Brüdern durchaus Spaß gemacht. Doch sie wussten beide, dass es auch ganz anders hätte kommen können. Mit Regen oder Schnee und noch kälteren Temperaturen beispielsweise. „Wir freuen uns, wenn die Austräger durch den Bericht über unsere Tour mehr Wertschätzung erfahren“, so Lewis Kopp.

Dass man auch als Austräger Karriere machen kann, beweist Ivan Raos. Im Dezember kam der Kroate nach Deutschland. Und dank der guten Arbeit und seines Engagements wurde er im September zum Gebietsleiter. Er trägt immer noch gerne aus, doch seine Hauptarbeit besteht jetzt darin, dass auch bei Urlaub und Krankheit genügend Austräger zur Verfügung stehen, damit die Zeitungen rechtzeitig in den Briefkästen sind.

Julian Lewis: "Ich ziehe den Hut vor der Leitung der Zusteller!" .Bild: Susanne Schön
Julian Lewis: "Ich ziehe den Hut vor der Leitung der Zusteller!" .Bild: Susanne Schön

Die Austräger sind das letzte Glied in der Kette des SÜDKURIER-Medienhauses als 24-Stunden-Betrieb, bei dem das Zusammenspiel von der Recherche über das Schreiben, das Gestalten der Zeitung, dem Druck und der Auslieferung extrem wichtig ist.

Sie wollen für den SÜDKURIER als Austräger tätig werden? Einfach unter der kostenlosen Telefonnummer 07531 / 999 11 00 anrufen oder sich im Internet unter www.dkzdl.de/jobs informieren

Zum Hintergrund
der Vertriebsaktion

  1. Die Aktion: Die beste Werbung für eine Zeitung ist und bleibt die Zeitung selbst. Der SÜDKURIER nimmt unter den Regionalzeitungen eine Top-Position ein – doch das nützt wenig, wenn man über keine Austräger verfügt, die die Zeitungen in die Haushalte bringen. Im Rahmen einer angekündigten Vollabdeckung (einer Verteilaktion an alle Haushalte) im Gebiet Gottmadingen, zu dem Bietingen, Randegg, Ebringen und Petersburg gehören, begaben sich auch die im Bericht genannten Auszubildenden und Werkstudenten auf Tour.
  2. Die Zustellung: Rita Watz ist die Regionalleiterin der Direkt-Kurier Zustell, Druck & Logistik GmbH des SÜDKURIER Medienhauses. Der Sitz befindet sich in der Bahnhofstraße 16-18 in 78 224 Singen. Rita Watz zählt auf: „Es gibt in Gottmadingen etwa 2000 Haushalte, die zusätzlich beliefert wurden. Bietingen hat drei Zustellbezirke mit etwa 150 Abonnenten. Randegg hat zwei Zustellbezirke, Ebringen und Petersburg je einen.“ Die Touren durch einen dieser Bezirke dauert in der Regel etwa in 1,25 bis 2 Stunden, täglich von Montag bis Samstag. Auf die gelegentlich emotionalen Beschwerden, wenn nicht alles hundertprozentig klappt, reagiert Rita Watz mit Verständnis. Und es zeigt darin zugleich den Stellenwert des SÜDKURIER: Wenn er wegen Krankheit oder etwa bedingt durchs Wetter nicht rechtzeitig im Briefkasten ist, vermissen die Menschen ihre Zeitung.
  3. Zum Hintergrund: Früher trugen oftmals junge Mütter die Zeitung aus. Heute gibt es Jobalternativen, etwa durch verstärkte Kinderbetreuung und geänderte Ladenöffnungszeiten. Für das südkurier-Medienhaus sind rund 1800 Zusteller tätig. (sch)