Fensterläden schlugen gegen Hauswände, und Bauzäune hielten der heftigen Strömung nicht Stand. Begleitet wurden die heftigen Böen zeitweise von Starkregen und Gewittern.

Seinen Höhepunkt erreichte der Sturm im Hegau gegen 11 Uhr. Von da an stand das Telefon in der Einsatzzentrale der Feuerwehr in Singen für einige Stunden kaum noch still. Zeitweise gingen mehrer Notrufe gleichzeitig ein. Der stellvertretende Leiter der Führungsgruppe, Christian Suhr und sein Kollege Axel Meyer hatten innerhalb kürzester Zeit über 40 Einsätze zu koordinieren. So schnell der Sturm kam, so schnell zog er auch weiter. Am späten Nachmittag schien schon wieder die Sonne, sodass die Feuerwehrleute das beschädigte Dach der St. Peter und Paul Kirche mit der Drehleiter unter stahlblauem Himmel flicken konnten.

Zwei Singener Feuerwehrleute reparieren das Dach der Peter- und Paul-Kirche. Hier hat der Sturm einige Ziegel runtergeweht. <em>Bild: Gudrun Trautmann</em>
Zwei Singener Feuerwehrleute reparieren das Dach der Peter- und Paul-Kirche. Hier hat der Sturm einige Ziegel runtergeweht. Bild: Gudrun Trautmann | Bild: Gtr

Stefan Tröndle hat die Einsätze ausgewertet: "35 Feuerwehrleute waren bei den rund 40 Einsätzen mit acht Autos unterwegs." Zum Glück habe es keinen Stromausfall wie in anderen Gemeinden gegeben. Hauptsächlich hatten die Männer mit umgekippten Bäumen zu tun. So auch Freiwillige der Feuerwehr Rielasingen-Worblingen, die zur Mittagszeit damit beschäftigt waren, die Bundesstraße 34 zwischen Singen und Gottmadingen freizuräumen. Die Verbindungsstraße zwischen Singen und Bohlingen über den Galgenberg musste wegen umgestürzter Bäume vollständig gesperrt werden. Auch die Überlinger Straße war nicht mehr befahrbar. Im dortigen Wald hatte Burglind mächtig gewütet.

Ein umgestürzter Baum blockiert die Verbindungsstraße über den Galgenberg zwischen Bohlingen und Singen. Bild: Gudrun Trautmann
Ein umgestürzter Baum blockiert die Verbindungsstraße über den Galgenberg zwischen Bohlingen und Singen. Bild: Gudrun Trautmann | Bild: Gtr

Der stellvertretende Kommandant der Singener Feuerwehr, Stefan Schüttler, spricht aus Erfahrung von einem großen Unwetter pro Jahr. "Weil noch viele freiwillige Feuerwehrleute in den Ferien waren, hatten wir keine Personalprobleme bei den Einsätzen", berichtet er froh.

Menschen seien im Raum Singen und Hegau durch den Sturm nicht zu Schaden gekommen, berichtet die Pressestelle der Polizei. Im Singener Stadtgebiet knickte eine Fußgängerampel um, nachdem Baum auf sie gestürzt war. Für Bahnfahrer war der Verkehr zwischen Konstanz und Engen bis 13.15 Uhr unterbrochen, weil ein Baum bei Markelfingen auf die Gleise gestürzt war.

Christian Suhr (links) und Axel Meyer von der Singener Feuerwehr koordinieren die Einsätze. <em>Bild: Gudrun Trautmann</em>
Christian Suhr (links) und Axel Meyer von der Singener Feuerwehr koordinieren die Einsätze. Bild: Gudrun Trautmann | Bild: Gtr

Das sagt Wetter Kontor

Nina Wendling ist Diplom-Meteorologin beim Wetterdienst "WetterKontor". Präzise Vorhersagen seien frühestens zwei Tage vor einem Ereignis möglich. Ein Sturm, wie er am Mittwoch in hoher Geschwindigkeit von Westen über Deutschland gezogen ist, sei der Ausgleich von unterschiedlichen Luftdrucken. Die stärksten Böen zogen am Mittwoch gegen 11 Uhr mit rund 90 km/h über den Hegau. Von einem Orkan ist erst ab 120 km/h die Rede. Für Mittwoch sagt Nina Wendling im Hegau Dauerregen in ergiebigen Mengen voraus. Der Freitag werde trüb. (gtr)