Der SÜDKURIER blickt zurück in die 60er-Jahre, in eine Zeit, in der sich anfangs noch Skifahrer am Hohentwiel tummelten und die Stadt dann ihre baulich bisher größten Umwälzungen erlebte. In den 60er-Jahren wurden das Hotel Continental, die Gewerbeschule und das neue Rathaus gebaut. Abgerissen wurde hingegen etliche, altehrwürdige Gebäude, wie das Centralhotel. Sowohl an den nördlichen, als auch an den südlichen Stadträndern Singens entstanden neue Wohnbaugebiete, um den neuen Arbeitskräften der wachsenden Singener Industriebetriebe ein Zuhause zu bieten. Bei Alusingen wurden die ersten Strangpressen installiert, bei Maggi wurde die Suppenküche modernisiert.

Sogar einen Staatsbesuch gab es am 17. Juni 1962: Im Nachgang zu einer Visite in der Schweiz machte der damalige Bundespräsident Heinrich Lübcke Station im Hegau. Schon aus der damaligen Zeit finden sich Medienberichte auch des SÜDKURIER, in denen Bürger ihre Sorge um Freiräume zum Ausdruck brachten, die auch Lübcke zur Kenntnis nehmen sollte. Auf dem Weg in den Hegau war er mit dem Schiff auf dem Rhein unterwegs und wurde mit den Nöten der Bürger in der Exklave Büsingen konfrontiert, deren Forderungen nach einem Staatsvertrag für ihre besondere Situation zwischen zwei Ländern laut wurde.

So sah das Worblinger Schwimmbad in seinen Anfagstagen aus. Das einfache, rechteckige Becken aus Beton, gespeist mit Quellwasser vom Schiener Berg, war eine sehr beliebte Freizeiteinrichtung im damaligen Bauerndorf Worblingen.
So sah das Worblinger Schwimmbad in seinen Anfagstagen aus. Das einfache, rechteckige Becken aus Beton, gespeist mit Quellwasser vom Schiener Berg, war eine sehr beliebte Freizeiteinrichtung im damaligen Bauerndorf Worblingen. | Bild: Peter Amma

Es war auch die Zeit, in denen die Freibäder in den Hegaugemeinden entstanden – zum Beispiel in Worblingen. Wie sich das Bad im einstigen Bauerndorf zum Naturbad im Aachtal entwickelt hat, soll in einer Folge der Sommerserie erzählt werden, ebenso die Geschichte vom früheren Café National am heutigen Heinrich-Weber-Platz, in dem eine Generation tanzte und ihre Partner kennenlernte. Ende der 60er-Jahre blühten dann auch die kleinen Clubs auf, in der die Jugendkultur ihren Rhythmus fand – wie beispielsweise im Scotch-Club, der später den Wohnbauplänen auf dem Gambrinusareal weichen musste.

Auch das Wetter schlug in den 60er-Jahren Kapriolen. Die Seegfrörne legte 1963 die Fähre nach Meersburg lahm, vom 7. Februar bis 15. März mussten die Schiffe im Hafen bleiben. Stattdessen verkehrte ein Zug. Im Frühsommer 1965 trat der Bodensee dann mächtig über die Ufer, unter anderem war der Reichenauer Damm überschwemmt.

Überhaupt regten sich in der Region Menschen, die mehr und mehr ihr politisches Missfallen zum Ausdruck brachten. Wer Bilder und Geschichten aus dieser Zeit hat, kann sich an die Singener Lokalredaktion wenden (Kontaktdaten dazu stehen im Beistelltext). Besonders gesucht sind Menschen, die noch Bilder vom einstigen Maggi-Steg haben, oder die sich an den Neubau der beiden Südstadtgiganten Romulus und Remus erinnern können.

Die Kiev-4, eine Messsucher Kamera aus den 1960er-Jahren, ist ein weitgehend exakter Nachbau der Contax II und III von Zeiss Ikon.
Die Kiev-4, eine Messsucher Kamera aus den 1960er-Jahren, ist ein weitgehend exakter Nachbau der Contax II und III von Zeiss Ikon. | Bild: Adobe Stock