Nach einer knappen Stunde Verhandlung im Amtsgericht Singen hat die Angeklagte die Möglichkeit, sich abschließend zu äußern. Das tut sie auch: "Ja", sagt die junge Frau mit leiser Stimme, "es war blöd." Eine nachvollziehbare Zusammenfassung der Ereignisse, die sich im März 2016 abgespielt haben. Acht Mal hintereinander bestellte sich die Singenerin damals innerhalb von zwölf Tagen Waren im Internet: Kleidungsstücke, Babyschuhe, eine Handtasche.

Bestimmt waren sie entweder für die Frau selbst, nahestehende Familienmitglieder oder Freunde. Der Gesamtpreis lag bei knapp 2000 Euro – Geld, das die Angeklagte gar nicht besaß. Sie hoffte darauf, dass ein Alias dabei helfen könnte, ihre Identität zu verschleiern. Da die Bestellungen aber von ihr, beziehungsweise von einem anderen Familienmitglied, entgegengenommen wurden, flog der Betrugsversuch schließlich auf.

Blöd auch, dass die junge Frau zum Zeitpunkt der Tat und bis heute immer noch Strafzahlungen für vorhergehende, ganz ähnliche Betrugsfälle zu leisten hat. 875 Euro seien immer noch offen, erwähnt die Richterin im Laufe der Verhandlung. Ob sich diese Strafe nicht auch in Sozialstunden umwandeln ließe, will die Angeklagte daraufhin wissen. Als die Richterin sie darauf hinweist, dass das nicht so einfach sei, dass ihr vielmehr eine Freiheitsstrafe drohe, schweigt die junge Frau. Überhaupt wirkt sie während der Verhandlung gefasst, beinahe lethargisch.

Das hat sicher damit zu tun, dass die Situation für sie nicht neu ist. Sie und ihre im gleichen Jahr geborene Schwester standen in den vergangenen Jahren schon mehrfach vor Gericht. Meistens ging es um vergleichbare Fälle – finanziell nicht abgedeckte Einkäufe, die im Internet oder per EC-Karte getätigt wurden. Vielleicht hat die scheinbare Gelassenheit der Angeklagten aber auch etwas mit Perspektivlosigkeit zu tun.

Arbeitslos und verschuldet

Die junge Mutter hat zwar einen Hauptschulabschluss, die Berufsschule allerdings vorzeitig abgebrochen. Auch wenn sie angibt, in Kürze eine neue Stelle antreten zu können, ist sie im Moment arbeitslos. Seit die Beziehung mit ihrem Ex-Freund in die Brüche ging, ist sie in seiner Wohnung lediglich geduldet. Eine neue Bleibe für sich und ihren zweijährigen Sohn konnte sie bislang nicht finden.

Spätestens als diese Informationen zu den Lebensumständen der Angeklagten ans Licht treten, kann man sich die Frage stellen, wie sinnig es war, ihr als Konsequenz von drei Verurteilungen zwischen 2014 und 2017, jedes Mal Geldstrafen aufzubrummen. Staatsanwältin und Richterin sind sich jedenfalls schnell einig, dass die Reaktion auf die jüngsten acht Betrugsfälle anders ausfallen muss. "Geldauflagen bringen ja nichts, wenn Sie gar kein Geld haben", fasst es die Richterin treffend zusammen.

Um zu verhindern, dass die Singenerin sich erneut gedrängt fühlt, die Grenzen der Legalität zu überschreiten, sieht das Urteil vor, der jungen Frau ihre bisherigen Geldstrafen zu erlassen. Stattdessen setzt das Gericht eine Bewährungszeit von drei Jahren fest. Sollte sich die Angeklagte in diesem Zeitraum etwas zu Schulden kommen lassen, wandert sie für neun Monate hinter Gitter. Nicht erst im Fall der Fälle, sondern möglichst bald, soll sie zudem 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten.