Wie die verschiedenen Kulturen mit ihren Verstorbenen umgehen, ist abhängig von den gängigen Ritualen. Ob eine Erd- oder Feuerbestattung in Frage kommt, ist häufig immer noch Sache des Glaubens. Doch die Grenzen sind fließend. In Singen hat die Friedhofsverwaltung festgestellt, dass sich immer mehr Menschen im Falle des Ablebens für die Feuerbestattung entscheiden. Erst vor wenigen Tagen wurde der neue Kremationsofen auf dem Singener Waldfriedhof in Betrieb genommen. Die Gebühren für die einzelnen Bestattungsarten hat das Friedhofsamt detailliert berechnet und in der Friedhofssatzung festgehalten. Der Gemeinderat wird nun in seiner nächsten Sitzung am 24. Juli darüber zu entscheiden haben, ob eine Kostendeckung von 67,24 Prozent ausreichend ist. 2013 wurden die Kosten (Verursacherprinzip) noch zu 77 Prozent gedeckt.

Neu ist das Thema der Pflege von Ehrengräbern, die nicht nach einer bestimmten Liegezeit aufgelöst werden, sondern als Dauergräber an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen. In Singen sind das neben Sinti und Roma auch Angehörige der Volksgruppe der Jenischen. Nachdem der Bundesrat 2012 eine starre Regelung abgelehnt hatte, weil andere Opfergruppen dann benachteiligt würden, hatte die Landesregierung den Städten empfohlen, solche Gräber freiwillig dauerhaft zu erhalten und zu pflegen.

In Singen sind zwei solcher Gräber auf dem Waldfriedhof bekannt. Einer Schätzung zufolge könnten es zehn Gräber sein, deren Pflege die städtische Friedhofsabteilung übernehmen müsste. Gemäß ihrer Kultur bevorzugen die Jenischen die Erdbestattung. Michael Hübner hatte den Gemeinderäten im Verwaltungsausschuss erklärt, dass der Erinnerungswert der Gräber in der Volksgruppe der Jenischen eine sehr große Bedeutung hat.

Der Versuch Walafried Schrotts (SPD), die Miete für die große Trauerhalle von 250 auf 500 Euro zu erhöhen, wurde abgelehnt. Der Friedhofsleiter Christian Junghans schilderte die Beschwerden über die Hallenmiete von verärgerten Trauerfamilien.