Eine Ausstellung mit über 250 Exponaten zu ein und demselben Motiv – geht das? Ja. Das zeigt die Bilderschau „HTWL. Der Twiel im Blick“ zum Hohentwiel-Jubiläum im Rahmen des Kulturschwerpunkts 2019. Sie umfasst Ansichten des Singener Hausbergs aus der Sicht von Künstlern vom 17. Jahrhundert bis heute.

Den Twiel im Blick eröffnet sich dem Betrachter ein Panorama der Kunstepochen von Kupferstecher Matthias Merian dem Älteren von 1642 bis zu einer Videoarbeit des Künstlers Christoph Rütimann. Bereichert wird die Ausstellung mit einer Projektion privater Fotografien des Hohentwiels, die Bürger zur Verfügung gestellt haben.

„Jetzt ist er endlich unser“

Mit der Umgemeindung des Hohentwiels am 1. Januar 1969 ging für die Singener ein Wunschtraum in Erfüllung. Oberbürgermeister Bernd Häusler erinnerte an Theopont Diez, der trotz grimmiger Kälte in der Silvesternacht auf den Berg stieg, die Übernahme von der Stadt Tuttlingen symbolisch vollzog und die Singener Fahne hisste. „Jetzt ist er endlich unser“ stand auf Postkarten und Sendschreiben gedruckt, das Wahrzeichen wurde als Hausberg beschrieben.

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Und wie Häusler anmerkte: Es habe den Berg ganz umsonst gegeben. „Das Schicksal des Dorfes und später die Stadt Singen waren mit dem Wahrzeichen Hohentwiel jahrhundertelang verbunden“, erläuterte er, dass es Ziel der Jubiläumsfeiern sei, diese Verbindung zu reflektieren und neu zu erforschen.

Kunstmuseum und Stadtarchiv

Die Ausstellung entstand in Kooperation des Kunstmuseums mit dem Stadtarchiv. Wie Museumsleiter Christoph Bauer ausführte, hätten Britta Panzer, die Leiterin des Stadtarchivs, und er das Jubiläumsjahr zum Anlass genommen, die eigenen Sammlungsbestände zum Hohentwiel zusammenzuführen und unter Einbeziehung von Leihgaben eine Art chronologischer Abfolge der bildkünstlerischen Darstellung des Hohentwiels aufzustellen.

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Als thematische Blöcke sind Kunstwerke eingestellt, die den Kult um Konrad Widerhold, Festungskommandant im Dreißigjährigen Krieg, und Viktor von Scheffel als Autor des Romans „Ekkehard“ bezeugen. Dabei zeige sich eine Fülle höchst unterschiedlicher, ja konträrer Bilder, die sich die Künstler zu unterschiedlichen Zeiten vom Hohentwiel machten und die unser Bild vom Hohentwiel prägen, so Bauer.

Er stellte die Frage: Was meint „den Hohentwiel im Blick haben“? Ist es ein militärisches Bollwerk, die Württembergische Landesfestung? Steht Ruinenromantik im Vordergrund oder ist die Schönheit unberührter Natur gemeint? Ist der Berg nur ein touristisches Ziel und Freizeitgelände?

Die Ausstellung möchte solchen und weiteren Fragen nachspüren und unsere heutigen Wahrnehmungen mit der Abfolge historischer Bilder konfrontieren. Für Britta Panzer dokumentiert die Ausstellung auch ein Stück Stadtgeschichte. In einem Reiseführer der 20er Jahre sei der Hohentwiel als „König unter den Fürsten der Hegauberge“ bezeichnet worden.

Ausstellung und Rahmenprogramm

Am Ende von „HTWL. Der Twiel im Blick“ soll ein Katalog erscheinen, in dem unterschiedlichste Blicke auf den Singener Hausberg in Aufsätzen und mit einem großen Abbildungsteil dokumentiert werden. Die Ausstellung wird bis zum 9. Februar 2020 im Singener Kunstmuseum, Ekkehardstraße 10, gezeigt. Informationen zum umfangreichen Rahmenprogramm gibt es auf der Webseite des Kunstmuseums in Singen.