Der Dellenhau hat was. Im Wettbewerb um Aufmerksamkeit öffentlich relevanter Themen liegt er seit Wochen an erster Stelle und das, obwohl das Projekt im Grunde ja doch eine staubtrockene Angelegenheit ist: Kiesabbau – wer hätte gedacht, dass so etwas außerhalb eines eingeweihten Kreises von lokalpolitisch interessierten Bürgern noch irgendwen interessiert? Aber weit gefehlt, das Thema ist in breiten Bevölkerungsschichten angekommen. Und dazu müssen nicht erst die Listen mit zig tausend Unterschriften bemüht werden, auch an Stammtische oder etwa zwischen zwei Saunagängen fällt der Begriff. Als Indiz dafür, dass das Projekt das Zeug zum Straßenfeger hat, kann man das inzwischen erwachte Interesse von Fernsehmachern werten – innerhalb der großen Medienfamilien tauchen die Kamera-Kollegen in aller Regel erst dann in ländlichen Regionen auf, wenn eine passable Einschaltquote gewährleistet ist. Der ultimative Beleg für die Relevanz des Dellenhaus allerdings ergibt sich aus einer jüngst in Singen beobachteten Verkaufsszene. Wie's so üblich ist, suchte ein Mann angesichts der ersten wärmeren Frühlingstage nach einer Alternative für seine Winterschuhe und seine Wahl fiel auf ein echt schickes Paar. Die Verkäuferin bestätigte ihn, lobte seinen guten Geschmack – und versah den Kauf an der Kasse mit der Bemerkung: "Aber ins Dellenhau sollten Sie diese Schuhe nicht anziehen."

torsten.lucht@suedkurier.de