Kirsten Brößke kamen direkt die Schildbürger in den Sinn. Ähnlich wie die Einwohner des fiktiven Ortes Schilda, die sich selbst gerne das Leben schwer machen, hat sich der Singener Gemeinderat freiwillig eine Beschränkung auferlegt. Und die kommt zumindest der FDP-Politikerin ziemlich kurios vor.

„Für mich ist es absolut unverständlich“, betonte Kirsten Brößke im Verlauf der jüngsten Gemeinderatssitzung. Sie könne nicht nachvollziehen, dass man die Anzahl der Plakate, die eine Partei während des Wahlkampfs zu Werbezwecken aufhängt, quantitativ begrenzt.

„Ich habe nicht das Gefühl, dass die Stadt bei den letzten Wahlen überplakatiert war“, argumentierte die Stadträtin im Vorfeld der Abstimmung. „Es ist doch wichtig, den Wählern die Köpfe präsent zu machen, die bereit sind, Engagement zu übernehmen.“

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Dass die FDP bei den Kommunal- und Europawahlen 2019 600 Wahlplakate in Singen anbringen ließ, nutzte Eberhard Röhm wiederum als Vorlage für seine Argumentation: „Wir haben nur 120 Wahlplakate angebracht – und deutlich an Stimmen dazugewonnen“, so der Grünen-Politiker. Röhm ist überzeugt davon, dass es kontraproduktiv ist, zu viele Plakate zu installieren. „Je mehr Plakate aufgehängt werden, desto weniger werden sie im Einzelnen wahrgenommen.“ Er verwies darauf, dass bereits mehrere Gemeinden der Umgebung entsprechende Restriktionen eingeführt hätten.

„Sandwich-Plakat“ zählt einfach

Bei der darauffolgenden Abstimmung sprachen sich 18 Stadträte dafür aus, die Anzahl der Wahlplakate auf 250 pro Partei einzuschränken. Den 13 Gremiumsmitgliedern, die bei diesem Votum überstimmt wurden, bleibt zumindest der Trost, dass doppelseitige Plakate nur einfach gezählt werden.

Der erste, den die neue Regelung betreffen könnte: Bernd Häusler. Auf die Frage, ob ihn eine Deckelung der Plakatanzahl im Hinblick auf die nächsten Oberbürgermeister-Wahlen stört, meinte Häusler trocken: „Nach dann acht Jahren im Amt hoffe ich, dass man mich in Singen auch so kennt.“