Im Singener Kulturzentrum Gems gibt es Theater für alle mit vielen spannenden Inszenierungen. Alle dürfen mitmachen und sind eingeladen, sich die Stücke anzusehen. Die fünf Regisseurinnen wollen dem Anspruch des Gems-Theaters treu bleiben. Es versteht sich als professionelles Theater mit Amateuren und will es Menschen aller Alters- und sozialen Schichten ermöglichen, die Schauspielerei zu erlernen. „Wir haben uns immer als Bürgerbühne verstanden, wollen Menschen in Aktion bringen, mit dem Anspruch, Kunst zu machen“, erklärt Andreas Kämpf von der Gems. Anja Varli, eine neue Mitarbeiterin der Gems, die auch für den Bereich Theater zuständig ist, will die Gruppen besser vernetzen. „Die Gruppen arbeiten alle sehr selbstständig“, sagt Varli. Das sei gut, aber regelmäßige Treffen können dafür sorgen, dass Projekte koordiniert, Ideen ausgetauscht und gemeinsame Aktionen ins Leben gerufen werden. Der Rahmen der Theaterprojekte ist professionell. Dafür sorgen die Regisseurinnen Maria Vrijdaghs, Nete Mann, Corina Rues-Benz, Cordula Mächler und Marie Luise Hinterberger. Sie planen mit ihren Projekten für das kommende Jahr sechs Inszenierungen.

  • Jugendtheater mit Jugendlichen aus der Singener Südstadt. Das Projekt wird von der Singener Kriminalprävention aus Mittel des Bundesprogramms „Demokratie leben“ des Familienministeriums gefördert. Die Jugendlichen lernen in einem zehnmonatigen Kurs die Grundlagen des Theaterspielens und entwickeln ein Stück, das sie im Frühjahr aufführen. Der Titel des diesjährigen Theaterstücks ist „You are Welcome“ von Ulla Neumann, die Aufführung ist für den 4. Mai geplant.
  • Theatäter: Die „Theatertäter“ sind Schüler der Klassen 5 bis 8 des Friedrich-Wöhler-Gymnasiums, die in der Theater-AG ihr schauspielerisches Talent ausleben können. Bei den Proben in der Gems lernen sie Improvisation, Atem- und Sprechtechnik und schulen ihren Körperausdruck. Die Schüler sollen selbst mitgestalten und ihre Ideen in den Prozess einbringen, aus dem ein Stück entsteht. Das nächste Stück – „Romeo und Julia“ in der Fassung von Anke Ruge (frei nach Wiliam Shakespeare) – hat seine Premiere am 5. Juli und eine weitere Aufführung am 8. Juli. Geleitet werden beide Jugendprojekte von der Schauspielerin Maria Vrijdaghs, die auch in Konstanz präventive Theaterprogramme für Kinder und Jugendliche anbietet.
  • Theater mit Geflüchteten: Das Anliegen dieses interkulturellen Theaterprojekts sei es, dass die gemeinsame Identität Mensch vor nationalen, religiösen und kulturellen Grenzen stehe, erklärt Regisseurin Corina Rues-Benz. Dies diene als Grundlage für einen Spielraum, in dem sich künstlerische Prozesse entfalten können. „Mit Lebens-T-räume haben wir ein Motiv gewählt, das sowohl den Mitwirkenden als auch dem Publikum reichhaltige Identifikationsmöglichkeiten bietet“, so die Regisseurin. Trotz unterschiedlichster Kulturen, Religionen und Sprachen teilten alle Menschen ähnliche Lebensträume, durch die Bilder entstehen, uns bewegen, tanzen oder spielen lassen. Inspiriert durch diese Thematik soll bis zur Premiere am 12. Mai eine ganz persönliche, interkulturelle Szenencollage aus Tanz und Theater entstehen.
    Theater mit Geflüchteten in der Gems unter der Regie von Corina Rues-Benz (von links): Ramona Pentek, Ursa Grau, Mawja Smoqy, Ashraf Aljaralah, Taju Omer und Anke Wöstehof-Wacker. <em>Bilder</em><em>: Kulturzentrum Gems </em>
    Theater mit Geflüchteten in der Gems unter der Regie von Corina Rues-Benz (von links): Ramona Pentek, Ursa Grau, Mawja Smoqy, Ashraf Aljaralah, Taju Omer und Anke Wöstehof-Wacker. Bilder: Kulturzentrum Gems
  • Impro-Theater: Das Improvisationstheater ist eine relativ junge Theaterform, die sich aber wachsender Beliebtheit erfreut. Das Impro-Theater in der Gems hat jetzt eine zweite Gruppe für Anfänger eingerichtet. Impro-Theater bedeutet, Schauspiel aus dem Moment, ohne vorgefertigten Text und Szenen. Die Spieler verlassen sich auf ihren Ideenreichtum, sie entwickeln Spontanität, Kreativität und Ideenreichtum, der ihnen auch im Alltag hilft. Die Pädagogin und Theaterwissenschaftlerin Cordula Mächler leitet seit 2015 die Theatersportgruppe „Impro Singers“ und leitete bis Juli 2016 das Jugendtheater. Sie bringt viel Erfahrung in der Leitung von Kinder-, Jugend- und Erwachsenentheatergruppen mit.
  • Projekte der Regisseurinnen: Die Schauspielerin und Regisseurin Nete Mann kommt einmal im Jahr von Berlin nach Singen, um ein Stück zu inszenieren. Sie gehört seit 2006 zum künstlerischen Stamm der Gems. Im vergangenen November inszenierte sie das Drama „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ für die Gems. Auch in diesem November wird es eine Aufführung geben. Das Stück steht seit Kurzem fest: „Delhi, ein Tanz“ von Iwan Wyrypajew. Die Regisseurin Marie Luise Hinterberger realisierte seit 1990 zahlreiche Theaterprojekte im Grenzgebiet und inszeniert seit 1994 Stücke in der Gems. Sie plant für dieses Jahr die Inszenierung des Stücks „Gas. Plädoyer einer verurteilten Mutter“ von Tom Lanoye. Das Stück ist der Monolog einer Mutter eines Terroristen. Außerdem hat Hinterberger die Idee, Theater an einen öffentlichen Ort in der Stadt zu bringen und in dieses Projekt alle Regisseurinnen einzubringen.

Projekt mit den Jenischen

Der Autor und Regisseur Gerd Zahner will in diesem Jahr ein Theaterprojekt mit den Jenischen in Singen realisieren. Zahner hat das Stück "Die Reis" geschrieben, das sich mit der Geschichte und Gegenwart dieser Bevölkerungsgruppe befasst. Die Stücke des Singener Autors wollen vergessene geschichtliche Ereignisse ins Gedächtnis rufen. In "Die Reis" wird der historische Stoff poetisch auf Vater und Sohn konzentriert. Es soll in Zusammenarbeit mit jenischen Schauspielern und Musikern entstehen. Acht Aufführungen sind im Oktober in der Singener Scheffelhalle geplant. Projektträger ist die Gems, das Stadttheater Konstanz hat eine Partnerschaft zugesagt. Die Stadt Singen will die Scheffelhalle kostenfrei zur Verfügung stellen.