Singen ohne sein Burgfest? Eigentlich undenkbar. Und dennoch ist dieses Szenario in diesem Jahr Realität geworden. 2020 soll sich dies allerdings wieder ändern: Denn die Singener Bürger können sich im kommenden Jahr wieder auf ihr Burgfest freuen. Zumindest wenn es nach dem Gemeinderat geht. Mit großer Mehrheit – bei fünf Enthaltungen – stimmte das Gremium dafür, das in diesem Jahr abgesagte Burgfest zum 50. Jubiläum des Hohentwielfestivals in 2020 am Samstag, 18., und Sonntag, 19. Juli, nachzuholen. Wegen eines schweren Steinschlags in der Festungsruine hatten sich die Verantwortlichen aus Sicherheitsgründen dazu entschieden, das Burgfest nicht stattfinden zu lassen.

Das sagt die Stadtverwaltung

Laut Oberbürgermeister Bernd Häusler solle das Jubiläum dann unter em Motto 50+1 nachgeholt werden. Trotz des positiven Bescheids aus dem Gemeinderat, ein Restrisiko bleibt. „Wir hoffen, dass der Berg im nächsten Jahr wieder frei ist. Aber Sicherheit geht in diesem Fall vor“, betonte Häusler. Er verwies darauf, dass die Stadt nur der Bittsteller sei. „Wir sind nicht die Eigentümer des Hohentwiels, sondern das Land Baden-Württemberg„, so der Singener Rathauschef.

Das könnte Sie auch interessieren

Als bedauerlich bezeichnete KTS-Geschäftsführer Roland Frank die derzeitige Situation. Aber im Laufe der Begutachtung habe sich ergeben, dass für die Sicherungsmaßnahmen nun doch die „ganz große Nummer“ werden. „Es muss eine große Ausschreibung erfolgen“, so Frank. Die Vorarbeiten dazu laufen bereits. Laut Frank sollen Drahtnetze, vergleichbar mit denen im Höllental, weitere Felsabstürze verhindern. Auf die Ursachenfrage aus dem Gremium entgegnete er, dass es noch keine genauen Informationen gebe. „Wahrscheinlich witterungsbedingte.“

Das sind die Reaktionen aus dem Gemeinderat

Christel Höpfner (SPD) forderte, dass die Vereine für das nächste Jahr Sicherheit brauchen. „Ich kann es mir nicht so schwer vorstellen, einen solch kleinen Bereich zu sichern“, ärgerte sie sich. Angelika Berner-Assfalg (CDU) versicherte, dass ihr Blut angesichts der aktuellen Situation in Wallung gerate: „Das Burgfest ist unser Fest. Ich fände des Wahnsinn, wenn diese Tradition den Bach runtergeht.“ Sie forderte die Stadtverwaltung dazu auf, für das ureigene Singener Fest zu kämpfen. Eberhard Röhm (Grüne) betonte, dass ein zweitägiges Fest im kommenden Jahr die Ausnahme bleiben müsse.

Angelika Berner-Assfalg (CDU-Stadträtin): „Das Burgfest ist unser Fest. Ich fände des Wahnsinn, wenn diese Tradition den Bach runtergeht.“ Bild: CDU
Angelika Berner-Assfalg (CDU-Stadträtin): „Das Burgfest ist unser Fest. Ich fände des Wahnsinn, wenn diese Tradition den Bach runtergeht.“ Bild: CDU | Bild: CDU

Auch Marion Czajor (Neue Linie) zeigte sich von der Zweitätigkeit nicht gänzlich begeistert. Ihr Antrag, das Burgfest 2020 nur an einem Tag durchzuführen, fand keine Mehrheit. Deutlich wurde auch Walafried Schrott von der SPD: Er forderte eine Stellungnahme vom Amt Vermögen und Bau des Landes, zu den aktuellen Schäden und den geplanten Maßnahmen in der ersten Sitzung nach der Sommerpause. „Ich bin von der Kommunikation nach Außen enttäuscht.

Die Vereine freut‘s

„Wir freuen uns, dass das Burgfest wieder stattfindet“, sagte Erwin Andris, stellvertretender Vorsitzender des Narrenvereins Blumenzupfer, „das Burgfest muss einfach bleiben.“ Mit 25 Personen sind die Blumenzupfer jedes Jahr vor Ort. Dass das Burgfest 2020 auf zwei Tage erweitert wird, stößt bei ihm auf Gegenliebe. „Das Fest ist einfach ein Anziehungspunkt für Menschen aus der ganzen Region.“

Das könnte Sie auch interessieren

Für die Jugendfeuerwehr, die in der Regel mit bis zu 20 Jugendlichen die Kuchentheke auf dem Paradeplatz bewirtet, ist das Burgfest ein Fixpunkt im Kalender. „Es bietet für die Jugendlichen auch mal ein ganz anderes Programm, als die normale Jugendfeuerwehrprobe“, sagt der Singener Feuerwehr-Jugendwart Fabian Grundmüller. Er betonte aber auch, dass seine Helfer nach einem zweitägigen Burgfest schon einmal auf dem Zahnfleisch gehen würden.

Möll: „Wir brauchen diese feste Tradition.“

Auch Walter Möll, Vorsitzender der Muettersproch-Gsellschaft Hegau, freute sich über das positive Signal aus dem Gemeinderat: „Dass die Stadtverwaltung das Burgfest wichtig nimmt, ist ein gutes Signal – auch für uns Vereine.“ Die Muettersproch-Gsellschaft ist seit 1980 beim Burgfest vertreten. Laut Möll sind rund 40 Mitglieder jedes Jahr mit Aufbau, Betrieb und Abbau beschäftigt. „Das Burgfest ist unsere Haupteinnahmequelle.“ Möll bezeichnete einen weiteren Ausfall des Burgfestes als kritisch, gerade weil sich in der Zeit vor den Sommerferien Fest an Fest drängt. „Wir brauchen diese feste Tradition“, so Möll.

Klaus Hug, Vorsitzender der Hecker-Gruppe Singen: „Wir müssen unbedingt an der Tradition des Burgfestes festhalten.“ Bild: Hecker-Gruppe
Klaus Hug, Vorsitzender der Hecker-Gruppe Singen: „Wir müssen unbedingt an der Tradition des Burgfestes festhalten.“ Bild: Hecker-Gruppe | Bild: Klaus Hug

Der Vorsitzender der Hecker-Gruppe Klaus Hug betont auf Nachfrage, dass er eine Verschiebung des Jubiläumsburgfestes von 2019 in 2020 nicht als sinnvoll erachte. „Jubiläen lassen sich nicht verschieben. Aber wir müssen unbedingt an der Tradition des Burgfestes festhalten.“ Er wünsche sich zudem, dass die Stadtverwaltung die teilnehmenden Vereine im Vorfeld befrage, ob sie sich für eine ein- oder zweitägige Veranstaltung aussprechen. „Der Aufwand der Vereine ist enorm“, sagte er. Würde das Burgfest auch 2020 nicht stattfinden, sehe er zudem die Gefahr, dass dann eine Tradition zerbreche.