Ute Seifried zeigte sich sichtlich gelöst. „Wir freuen uns wie Bolle, dass es mit der Time out School weitergehen kann“, erklärte die Bürgermeisterin beim Pressegespräch im Rathaus. Längere Zeit war ungewiss gewesen, wie die Zukunft der Einrichtung aussieht, die Schulschwänzern den Wiedereinstieg in den Alltag ebnen soll.

Zu hohe bürokratische Hürden

Im ersten Schulhalbjahr 2019/20 wurde der Schulbetrieb nicht weitergeführt, sondern lediglich beratende Tätigkeiten ausgeübt. Der Grund: Das alte Finanzierungsmodell, hauptsächlich von Mitteln des Europäischen Sozial Fonds (ESF) getragen, habe zu viele bürokratische Hürden beinhaltet, erklärte Amtsleiter Bernd Walz: „Das war nicht mehr haltbar.“

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Im Übergangsjahr 2019 stellten die Verantwortlichen ein neues Finanzierungsmodell auf die Beine, dass die anfallenden Jahreskosten von 140 000 Euro für 2020 deckt. Knapp 50 Prozent würden über regionale ESF-Mittel bezuschusst, den Rest teilen sich die Stadt Singen und der Landkreis Konstanz auf. Walz betonte aber auch die rührige und finanzielle Unterstützung des Vereins „Menschen helfen“.

Neustart mit bewährtem Konzept

Seit Anfang Januar läuft nun auch der Schulbetrieb der Time out School wieder in gewohnter Form. Die Erfolgeschichte, die im Jahr 2014 auf Initiative des Vereins „Menschen helfen“ und Peter Peschka ihren Anfang nahm, geht also weiter. Nichts geändert hat sich am bewährten Konzept: Die TOS wird als Ganztagesschule auch im Jahr 2020 ihre Türen im Integrationshaus in der Hegaustraße öffnen, um Schulschwänzern den Weg zurück in den regelmäßigen Schulalltag und einem Schulabschluss zu ebnen.

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Nach Angaben der sozialpädagogischen Leiterin Nicole Römer seien es pro Jahr um die 30 bis 40 Schüler, denen geholfen werde. Nach der Feststellung des Wissenstandes, werde sowohl in Lerneinheiten in Gruppen als auch individuell gearbeitet, ergänzte Römer. „Wichtig ist zudem das Training von Sozialkompetenzen, um sich etwa in einer Gruppe durchsetzen zu können“, so die Sozialpädagogin. Über die Lehrerversorgung müsse man sich indes keine Gedanken machen, so Ute Seifried. „Die ist über das staatliche Schulamt Konstanz sichergestellt.“

Gründe fürs Schwänzen: Mobbing und familiäre Probleme

„Das Angebot richtet sich an betroffene Schüler im ganzen Landkreis, nicht nur aus Singen„, erklärte Bernd Walz. Die Gründe, welche die Schüler in die TOS führen, seien sehr unterschiedlich. Das könne von Mobbing in der Schule bis zu familiären Problemen reichen. „Faulheit ist den meisten Schülern aber keineswegs zu unterstellen“, erläuterte Ute Seifried.

Im Gegenteil: „Oft sind es intelligente Schüler, die aus verschiedensten Gründen die Lust am Lernen verloren haben“, ergänzte der schulische Leiter Marc Laporte-Hoffmann, zugleich Konrektor der Johann-Peter-Hebel-Schule, zu der die TOS gehört.

„Keiner darf verloren gehen“

Die Verantwortlichen setzen sich für einen langfristigen Erhalt der Einrichtung ein. „Wir werden auch in diesem Jahr für die Finanzierung 2021 und darüber hinaus kämpfen“, versicherte die Bürgermeisterin. Sozialdezernent Stefan Basel deutete in diesem Zusammenhang an, dass ein Fortbestehen auch bei Ausbleiben der Fördergelder denkbar sei. Für Ute Seifried jedenfalls ist klar: „Keiner darf verloren gehen, das können wir uns nicht leisten.“