Im Idealfall verhält man sich so wie die fünf Schüler des Berufsschulzentrums Stockach. Wenn sie miteinander feiern gehen, darf einer aus der Gruppe keinen Alkohol trinken. Wer das ist, werde im Vorfeld besprochen. Oder sie lassen das Auto stehen und fahren mit dem Taxi. „Es geht um unser Leben“, verdeutlicht Alexander Knisch, einer der Schüler. Für die jungen Männer ist klar: Feiern ja, aber nur nüchtern Auto fahren. Alles andere sei viel zu gefährlich. In der Verkehrssicherheitsnacht von Samstag auf Sonntag vor der bei jungen Menschen beliebten Diskothek Top 10 nutzen auch sie die Gelegenheit, Gleichaltrige über die Gefahren von Alkoholeinfluss oder Ablenkung aufzuklären.

Diese Männer wissen, dass sie nach Alkoholgenuss nicht mehr selbst Auto fahren sollten. In der Verkehrssicherheitsnacht erklären sie dies am Fahrsimulator, von links: Javier Monroy Cesar, Friedhelm Buch, Alexander Knisch, Fahrer Arian Berisha und Krishan Ruzicka.
Diese Männer wissen, dass sie nach Alkoholgenuss nicht mehr selbst Auto fahren sollten. In der Verkehrssicherheitsnacht erklären sie dies am Fahrsimulator, von links: Javier Monroy Cesar, Friedhelm Buch, Alexander Knisch, Fahrer Arian Berisha und Krishan Ruzicka. | Bild: Sandra Bossenmaier

Wo lässt es sich besser ins Gespräch kommen als am Ort des Geschehens? Das dachten sich die Veranstalter der Verkehrssicherheitsnacht, als sie Samstagabend eine Aktionsfläche unter dem Motto „Bleib in der Spur“ anboten. Die Singener Kriminalprävention, die Fachstelle Sucht, das Polizeipräsidium Konstanz, die Barmer Krankenkasse Singen und die Kreisverkehrswacht Konstanz-Hegau wollten junge Autofahrer erreichen, die ein besonders hohes Unfallrisiko haben.

Gedankenlos mit Alkohol am Steuer? Besser nicht

Denn ein Discobesuch macht erfahrungsgemäß Spaß und weckt die Tanzlaune. Nicht selten werden dabei Alkohol oder berauschende Substanzen konsumiert. Und das kann verheerend ändern, wenn man in den frühen Morgenstunden man die Disco verlässt und guter Laune, mit dem Beat der letzten Stunden im Ohr, nach Hause fährt. Gedankenverloren, ohne sich den Alkoholgenuss bewusst zu machen. Plötzlich ist es dann doch nicht so einfach, in der Spur zu bleiben. Mit der Verkehrssicherheitsnacht sollten junge Verkehrsteilnehmer auf mögliche Gefahren hingewiesen werden. Direkt vor Ort konnten an verschiedenen Stationen typische Situationen simuliert werden – Discobesucher konnten erleben, wie sich Alkohol, ein Rausch oder Ablenkung auf ihre Fahrweise auswirken.

Tod einer Bekannten rüttelte auf

Nick Höllstein, ein junger Mitarbeiter der Barmer Krankenkasse in Singen, hatte die Idee zu dieser Aktion. In seinem privaten Umfeld hatte er miterlebt, wie es durch Alkohol am Steuer zu einem tragischen Unfall kam. Eine Bekannte sei gestorben, nachdem ein 21-jähriger Autofahrer alkoholisiert an einem illegalen Straßenrennen teilgenommen und seine Bekannte darin verwickelt hatte. Das hat Höllstein so betroffen gemacht, dass er andere junge Menschen wach rütteln möchte. Den nächtlichen Arbeitseinsatz trat er dafür ebenso gern an wie seine Mitstreiter.

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Schlangenlinien, Blumenbeet streifen und falsch Abbiegen bei 0,8 Promille

Beim Wachrütteln half ein Fahrsimulator. Denn darin wurde deutlich, welchen Einfluss Alkohol am Steuer macht. Arian Berisha bezeichnete sich selbst als einen guten und sicheren Autofahrer. Mit einer Rauschbrille am Fahrsimulator stellte er sein Fahrverhalten unter Alkoholeinfluss dar. Mit 0,8 Promille Alkohol im Blut fuhr er plötzlich nicht mehr so sicher wie sonst. Er konnte die Spur nicht halten, sondern fuhr Schlangenlinien, streifte ein Blumenbeet und bog falsch ab. Außerdem konnte er die Geschwindigkeit nicht einhalten – mal fuhr er zu schnell, mal zu langsam. An einer anderen Station machte ein Rauschbrillenparcours erlebbar, wie sich ein Rausch anfühlt. Den verschwommenen Linien am Boden zu folgen, war in diesem simulierten Zustand unmöglich.

Ablenkung durch Handy am Reaktionstestgerät mit Fahrer Nick Höllstin (re.) und Willi Schmidberger (li.) von der Kreisverkehrswacht Konstanz-Hegau. Bild: Sandra Bossenmaier
Ablenkung durch Handy am Reaktionstestgerät mit Fahrer Nick Höllstin (re.) und Willi Schmidberger (li.) von der Kreisverkehrswacht Konstanz-Hegau. | Bild: Sandra Bossenmaier

Ablenkung ist auch ein Problem

Alkohol war aber nur eine der Gefahren, vor der die Organisatoren warnen wollten. An einem Reaktionstestgerät ließ sich auch darstellen, was passiert, wenn Autofahrer sich am Steuer ablenken lassen. Opfer wurde dabei ausgerechnet ein Sanitäter, der anderen helfen wollte und dafür auf der Straße stand – und er hatte keine Chance, als ein Autofahrer ihn in der Simulation zu spät bemerkte und überfuhr. Der Autofahrer war nur etwas zu schnell, aber aufgrund einer Nachricht auf dem Smartphone abgelenkt.

Prävention beginnt beim Anschnallen

Bei der Nachstellung eines Aufpralles mit einer Geschwindigkeit von elf Stundenkilometern wurde aufgezeigt, wie wichtig es ist, sich korrekt anzuschnallen. Aufgebaut war auch ein Überschlagsimulator: ein Auto überschlägt sich und bleibt auf dem Kopf liegen. Kein schönes Gefühl, vor allem wenn sich dann der Gurt nicht lösen lässt. Bei der Verkehrssicherheitsnacht wurde den jungen Diskogängern auch gezeigt, wie sie sich aus einer solchen Situation befreien können. In der Hoffnung, dass sie weiterhin sicher nach Hause kommen.

Korrekt den Sicherheitsgurt anlegen ist wichtig. Warum, spürt Marcel da Rin von der Singener Kriminalprävention beim Aufprall- und Gurtsimulator. Bild: Sandra Bossenmaier
Korrekt den Sicherheitsgurt anlegen ist wichtig. Warum, spürt Marcel da Rin von der Singener Kriminalprävention beim Aufprall- und Gurtsimulator. | Bild: Sandra Bossenmaier
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