Vor allem die Damen sorgten beim Neujahrskonzert der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz in Singen für einen besonderen Zauber. So spielte auch Intendantin Insa Pijanka eine wichtige Rolle, obwohl sie nicht direkt an der Musik beteiligt war. Zum einen kann man ihr zu einer gelungenen Programmauswahl gratulieren, aber auch zu ihrer unterhaltsamen Moderation. Bereits zu Beginn des Konzertes hatte sie versprochen: „Wir haben heute einen Neujahrs-Vorsatz, den wir auch tatsächlich einlösen werden. Wir nehmen Sie mit auf eine musikalische Reise.“ Ganz in diesem Sinne moderierte sie in der Rolle der Reiseleiterin durch das Programm, erheiterte durch Anekdoten und sorgte dafür, dass das Publikum die Route im Blick behielt.

Die musikalische Reise beginnt in Wien

„Mythos Broadway – Von Wien nach New York“ war der Titel des Abends und so war der erste Aufenthalt im Wien des 19. Jahrhunderts, als die Familie Strauss dort das Musikleben bestimmte. In diesem Sinne begann das Programm mit der Ouvertüre aus einer der bekanntesten Operetten „Die Fledermaus“ von Johann Strauss Sohn. Der Komponist war bereits damals so erfolgreich, dass er 1872 in die Vereinigten Staaten eingeladen wurde, um dort innerhalb von drei Wochen 23 Konzerte zu geben.

Beim Neujahrskonzert der Südwestdeutschen Philharmonie in der Stadthalle Singen unter Leitung von Kevin Griffiths begeistert Judith Caspari als Gesangssolistin.
Beim Neujahrskonzert der Südwestdeutschen Philharmonie in der Stadthalle Singen unter Leitung von Kevin Griffiths begeistert Judith Caspari als Gesangssolistin. | Bild: Carmen Biehler

Einen ersten Zwischenstopp legte die Philharmonie in Paris, dem Handlungsort von Leonard Bernsteins Operette „Candide“ ein. Damit kam es bereits zum ersten von vielen Höhepunkten an diesem Abend, als Solistin Judith Caspari die Arie „Glitter and be gay“ sang. Die 26-Jährige war noch bis vor Kurzem als Anastasia in dem gleichnamigen Musical in Stuttgart zu sehen.

In der Singener Stadthalle sorgte sie für den entsprechenden Hauch Broadway und zog die Zuschauer von Anfang an in ihren Bann. So zeigte sie einerseits die Bandbreite ihres sängerischen Könnens, überzeugte aber auch mit darstellerischem Talent. Trotz fehlender Kulissen oder Kostüme schaffte sie es, verschiedene Rollen überzeugend darzustellen. Als Eliza Doolittle aus dem Musical „My Fair Lady“ schmachtete sie „I could have danced all night“, als Holly Golightly aus „Breakfast at Tiffany‘s“ erinnerte sie sich sehnsuchtsvoll an den „Moon River“ oder sie überzeugt als Christine aus dem Andrew Lloyd Webber Erfolg „Phantom of the Opera“.

Schlagzeugerin spielt das Schreibmaschinen-Solo

Zusätzlich gab es ein eher ungewöhnliches Solo. In „The Type Writer“ von Leroy Anderson hatte Orchestermitglied Dessi Slava Keperova ihren großen Moment an der Schreibmaschine. Dafür nahm die Schlagzeugerin ausnahmsweise sogar ganz vorne auf der Bühne Platz.

Bei so viel geballtem Charme hatte der britische Dirigent Kevin Griffiths es schwer, nicht ins Abseits zu geraten. Das allerdings zu Unrecht, denn er leitete das Orchester souverän und mit viel Energie. Das zeigte sich besonders in den schwungvollen Zugaben. Nach knallenden Korken und Konfetti-Regen auf der Bühne, „Happy New Year“ von Abba sowie zwei weiteren Zugaben spendete das begeisterte Publikum stehend Applaus.