Manchem ist es vielleicht schon aufgefallen: Abends um sieben läuten die Kirchenglocken, bis die Welt wieder in Ordnung ist. In diesen ungewohnten Tagen wollen die Kirchen so die Menschen in der Stadt zum Hausgebet einladen, erklärt Pfarrerin Andrea Fink-Fauser von der evangelischen Luthergemeinde in singen. „In Zeiten, in denen wir nicht mehr in unseren Kirchen zusammenkommen können, suchen wir nach anderen Möglichkeiten, gemeinschaftlich unseren Glauben zu leben“, sagt Fink-Fauser.

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Jeden Abend um 19 Uhr läuten deshalb an vielen Orten in der Stadt, dem Hegau und darüber hinaus Kirchen ihre Glocken zum gemeinsamen Hausgebet. „In Singen beteiligen sich die altkatholische und die Lutherkirche gemeinsam“, will Fink-Fauser die Aktion christlicher Kirchen als Einladung verstehen, während des Glockenläutens ein persönliches Gebet zu formulieren. Im Fürbittgebet soll die Aufmerksamkeit Gottes auf die weltweite Krise gelenkt werden, um allen Erkrankten ebenso Kraft zu spenden, wie allen, die in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen arbeiten, die bei der Polizei, der Feuerwehr, im Verkehr und an den Grenzen Dienst tun, ebenso jene, die in der Lebensmittelversorgung und in der Landwirtschaft arbeiten.

„In Zeiten, in denen wir nicht mehr in unseren Kirchen zusammenkommen können, suchen wir nach anderen Möglichkeiten, gemeinschaftlich unseren Glauben zu leben.“Pfarrerin Andrea Fink-Fauser
„In Zeiten, in denen wir nicht mehr in unseren Kirchen zusammenkommen können, suchen wir nach anderen Möglichkeiten, gemeinschaftlich unseren Glauben zu leben.“Pfarrerin Andrea Fink-Fauser | Bild: Luthergemeinde

„Herr gib, dass wir einander beistehen und Wege finden, alle mit dem Nötigen zu unterstützen! Hilf uns, dass unter uns Friede bewahrt und Verantwortlichkeit gestärkt wird“, so Fink-Fauser.

Geflüchtete als Erntehelfer

Manfred Hensler vom Integrationsverein Singen (Insi) fordert von den Wahlkreis-Abgeordneten Andreas Jung (CDU), Dorothea Wehinger und Nese Erikli (Grüne) so wie Jürgen Keck (FDP) Erleichterungen für Menschen mit Fluchthintergrund: „Wir erleben gerade eine extreme Krise, welche das Leben fast aller Menschen in zum Teil dramatischem Maße beeinträchtigt“, schreibt Hensler und lobt ein wachsendes Maß an Solidarität. Als Verein der Flüchtlingshilfe setze sich Insi dafür ein, dass alle respektvoll miteinander umgehen. Dies sollte – so Hensler – auch für Geflüchteten in den Gemeinschaftsunterkünften gelten. Sie treffe die Krise besonders hart, da Sprach- und Integrationskurse unterbrochen sind und Einfacharbeitsplätze derzeit zuerst gekündigt würden.

„Wir erleben gerade eine extreme Krise, welche das Leben fast aller Menschen in zum Teil dramatischem Maße beeinträchtigt.Manfred Hensler, Insi-Vorsitzender
„Wir erleben gerade eine extreme Krise, welche das Leben fast aller Menschen in zum Teil dramatischem Maße beeinträchtigt.Manfred Hensler, Insi-Vorsitzender | Bild: Patrick Pfeiffer

„Auch Ausbildungsplatzoptionen brechen weg“, warnt Hensler, dass viele Geflüchtete die Voraussetzungen einer Beschäftigungsduldung nicht erfüllen können und darüber hinaus die Kommunikation mit Jobcenter, Arbeitsagentur und Ausländerbehörde derzeit kaum noch möglich ist. „Ausweisungsverfügungen, ausgenommen bei straffällig gewordenen Flüchtlingen, sollten vorläufig ausgesetzt werden“, bittet Hensler um eine Verlängerung von Duldungen. Wichtig sei zudem die Schaffung befristeter Arbeitsmöglichkeiten wie Erntehilfe. Hier sollten unbürokratische Lösungen gefunden werden.

Härtefall-Fonds für Selbständige

Kredite von bis zu fünf Milliarden Euro wolle die Landesregierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie und ihrer Folgen aufnehmen. „Zusätzlich stehen 1,2 Milliarden Euro aus der Rücklage für Haushaltsrisiken bereit“, erklärt die Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger (Grüne).

„Gerade hier gibt es viele Selbstständige, Kulturschaffende sowie kleine Unternehmen denen durch die Coronakrise Einnahmen wegbrechen. Insbesondere in den kulturellen und sozialen Branchen durften oder konnten oftmals keine Rücklagen gebildet werden. Sie müssen jetzt unkompliziert ihre laufenden Kosten abdecken können.“Dorothea Wehinger (MdL), Grüne
„Gerade hier gibt es viele Selbstständige, Kulturschaffende sowie kleine Unternehmen denen durch die Coronakrise Einnahmen wegbrechen. Insbesondere in den kulturellen und sozialen Branchen durften oder konnten oftmals keine Rücklagen gebildet werden. Sie müssen jetzt unkompliziert ihre laufenden Kosten abdecken können.“Dorothea Wehinger (MdL), Grüne | Bild: Wahlkreisbüro Singen

Insbesondere kleinere Unternehmen und Selbstständige, die durch unterbrochene Lieferketten, Produktionsstillstand, Quarantänemaßnahmen und Nachfrageausfällen in Liquiditätsengpässe kommen, sollen unterstützt werden. Die Pandemie werde als Naturkatastrophe bewertet, um so die Vorgaben der Schuldenbremse zu umgehen. Härtefallfonds sollen helfen, Selbständigen und kleinen Unternehmen unbürokratisch Geld zuzuweisen.

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