Generationen von Singener Schülern kennen das Conti – und haben dadurch ganz früh etwas fürs Leben und etwas über das Nachtleben unterm Hohentwiel gelernt. „Wie denn das?“, werden Sie sich jetzt fragen. Ganz einfach: Wer in den 80er Jahren aus den umliegenden Hegaugemeinden eine weiterführende Schule in der Singener Südstadt besucht hat, der war – und ist es zum guten Teil auch heute noch – natürlich auf den morgendlichen Schulbus angewiesen. Und der hielt damals eben nicht an der Haltestelle „Hauptstraße“, obwohl die so hieß und auch heute noch so heißt. Nein, der Bus hielt am Conti. Also nicht genau dort, sondern auf der gegenüberliegenden Straßenseite, eigentlich vor Elektro-Stengele.

Nur war „Conti“ natürlich viel einprägsamer – und vor allem beeindruckender als der neueste Plattenspieler im Schaufenster von Stengele. Denn was könnte wohl zehnjährige Jungen vom Land mehr faszinieren als diese blinkende Leuchtschlange am Eingang des Contis, die einige Bilder von leicht bekleideten Damen umrankte, die da im Conti ihrem Beruf nachgingen – als Tänzerinnen, wie es den Anschein hatte. Natürlich wurden Urban aus Schlatt am Randen, Rainer aus Tengen oder eben der kleine Roland aus Hilzingen recht schnell von den älteren Jungs im Bus darüber ins Bild gesetzt, dass die Tanz-Unterhaltung im Conti nicht gleichzusetzen war mit dem Fernsehballett von Rudi Carell in seinen großen Samstagabend-Shows. Und ein paar mehr Details gab’s dann noch dazu, die verdächtig nach Bravo-Aufklärung klangen. Und das Ganze sozusagen zum Greifen nah! Jeden Schultag frühmorgens durch die Fensterscheibe des Busses sozusagen hautnah zu betrachten! Boah!

So hat das Conti indirekt auch einen Teil zur sexuellen Aufklärung des Hegaus und des Randens beigetragen, wenn auch nur sehr verschämt. Aber immerhin: Das Conti hat sich einen Namen gemacht – und der wird auch den Abriss dieses Hauses überdauern. Jede Wette.

Ein Bild aus besseren Tagen: So sah das Conti vor dem Abriss aus.
Ein Bild aus besseren Tagen: So sah das Conti vor dem Abriss aus. | Bild: Jörg Braun

Der Abriss schreitet voran: So sieht es derzeit auf der Conti-Baustelle aus.