Comedian Andreas Müller war bereits zum dritten Mal mit seinem Soloprogramm in Singen zu Gast – und auch dieses Mal war die Stadthalle mit 1100 Besuchern voll besetzt.

Der Entertainer präsentierte eine perfekte Mischung aus politischer Comedy und seinen typischen Stimmimitationen. In der ersten Hälfte seines Programms griff Müller die unterschiedlichsten aktuelle Themen auf und nutzte dabei den reichen Fundus der sozialen Medien zur Bebilderung.

Über Rücktritte und Urgesteine

So machte er sich seine Gedanken zu den Rücktritten von Andrea Nahles, Dieter Zetsche, Uli Hoeneß und Felix Neureuther und wunderte sich gleichzeitig über die Ausdauer von Entertainern wie Udo Lindenberg, Wolfgang Petry und Heino. Auch die politische Riege bekam ihr Fett ab.

Ob Klassiker wie Angela Merkel mit ihrer „Raute des Todes“, Gerhard Schröder mit Ehefrau Nummer fünf und Horst Seehofer, der nach eigenen Ansagen schon in den 1980er-Jahren im Internet unterwegs war, oder Neulinge wie Heiko Maas, den er im „Maas-Anzug“ präsentierte, und Franziska Giffey, von der er nach dem Gute-Kita-Gesetz das Bessere-Wetter-Gesetz erwartete.

Musikstudium nach dem Abitur

Leid tat ihm Alexander Gauland, dessen Immunität gerade jetzt, wo das Corona-Virus grassiere, aufgehoben wurde. Gleichzeitig bedauerte Müller die immer weiter um sich greifende digitale Demenz, bei der so mancher sein Gehirn in Form seines Smartphones am Arsch trage.

Wer Müller nur aus dem Radio kennt, mochte sich wundern, dass er nicht nur ein begnadeter Stimmenimitator, sondern auch Musiker und Sänger ist. Kein Wunder, dass er es nach seinem Abitur erst einmal mit einem Musikstudium probierte, bevor er beim Radio landete.

Jogi Löw und Lothar Matthäus

Eine seiner Spezialitäten sind Neufassungen bekannter Lieder, die der Comedian mit seinen Texten versieht. „Jump“ von Van Halen wird zum Schmählied über Donald Trump, Mark Forsters „Kogong“ wird in „Beton“ umgedichtet und handelt von einer unliebsamen Begegnung mit einem Parkhauspfeiler.

Und so jagte ein Gag den anderen. Nach der Pause kamen dann die Fans von Müllers Stimmimitationen ganz auf ihre Kosten und erlebten Müller gleich in einer seiner Paraderolle: dem Nationaltrainer Jogi Löw im Zwiegespräch mit Lothar Matthäus.

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Dem Schnellsprecher aus Franken erklärte er im besten badischen Dialekt, wie er gerade die Ernährung der Mannschaft auf 100 Prozent „Löw Carb“ umstelle. Und gleichzeitig erfuhr das Publikum, warum der Nationaltrainer an der Verbreitung des Corona-Virus schuld sei.

Seit fast 30 Jahren beim Radio

Müller, dessen Laufbahn vor fast 30 Jahren beim Südwestfunk, dem Vorläufer des SWR, begann, ist Unterhaltungsprofi. Und so präsentierte sich der 53-jährige auch nach seinem zweistündigen Gag-Feuerwerk im SÜDKURIER-Gespräch noch in bester Plauderlaune.

Zwei Monate brauche er, bis das Grundgerüst der Show stehe. Dann würde das Programm noch täglich ergänzt. So wie es sich in Singen am Tag nach dem Brexit anbietet. Seit Herbst 2018 war Müller mit seinem Programm unterwegs. Jeweils eine Woche pro Monat ging es so durch Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Im März sei Schluss. Denn dann gingen die SWR-Kollegen Zeus und Wirbitzky auf Tour – am 24. November machen sie in der Stadthalle Singen Station.

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