Normal ist das nicht. Thomas Daum, Gründungsmitglied des seit 2002 bestehenden Singener Standortmarketingvereins Singen aktiv, wundert sich bei der Mitgliederversammlung am Dienstagabend darüber, wie ein vierköpfiges Team Jahr um Jahr eine derart hohe Schlagzahl bei der Organisation von Veranstaltungen und Aktivitäten bewerkstelligt.

Es ist vor allem die Auflistung der Geschäftsführerin Claudia Kessler-Franzen, die Thomas Daum hohen Respekt einflößt. Ob es sich nun um Besuchermagnete wie das Stadtfest oder die am vergangenen Wochenende veranstaltete Leistungsschau, Fachvorträge für ein begrenztes Publikum, die Kriminalprävention, gesellschaftliche Anlässe wie die Abendgesellschaft oder die Integration von Flüchtlingen ins Arbeitsleben handelt – Singen aktiv mischt überall mit.

Blitzsaubere Bilanz

Kein Wunder mithin, dass bei der von Thomas Daum beantragten Entlastung ohne weitere Aussprache alle Hände nach oben gehen. Das liegt auch an anderen Dingen, die nicht ganz normal sind.

So gab‘s das gesamte Dienstleistungspaket des Vereins im vergangenen Jahr zum Schnäppchenpreis von rund 207.000 Euro – und damit wurde der Rahmen des Möglichen noch nicht einmal ausgeschöpft. Wie Udo Klopfer als Kassierer darlegte, überstiegen die Einnahmen die Ausgaben um etwa 18.000 Euro.

In diese Bilanz fließen die Personalkosten allerdings nicht ein. Sie werden von der Stadt übernommen, deren Kooperation mit dem Verein vor einem Jahr ausgebaut wurde. Im Juli 2018 fusionierten Singen aktiv und die städtische Wirtschaftsförderung, was nach Angaben beider Seiten reibungslos verlief.

Der Zusammenschluss kam auf Wunsch von Oberbürgermeister Bernd Häusler zustande, der damit beim Gemeinderat offene Türen einrannte.

OB sieht sich „eher als Schluri“

Dort weiß man offensichtlich, was man an Singen aktiv hat. Allein die Disziplin bei der Terminkoordination flößt OB Häusler Respekt ein. Im Vergleich zu Claudia Kessler-Franzen bezeichnete er sich „eher als Schluri“. Ihm ist es nur recht, dass der Verein sich nicht lange mit den Personalkosten herumschlagen muss, sondern sein Geld voll und ganz für Projekte ausgeben kann.

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Bei diesen ist schwer zu unterscheiden, inwieweit sie der guten Entwicklung von Singen gestundet sind beziehungsweise ihrerseits den Prozess der Stadtentwicklung erst bewirken. Sich dazu Gedanken zu machen, war und ist Aufgabe von Gerd Springe als Vorsitzender und strategischer Kopf von Singen aktiv. Für die graue Eminenz läuft dabei am Ende alles in den Kennziffern der Wirtschaft zusammen.

Produktion im Wert von 2 Milliarden Euro

Eine maßgebliche Zahl ist für Gerd Springe dabei der Wert aller Waren und Dienstleistungen, die im Laufe des Jahres in Singen erbracht werden – auf nationaler Ebene wird dies als Bruttoinlandsprodukt bezeichnet.

Nach Berechnungen von Singen aktiv liegt dieser Wert in Singen aktuell bei zwei Milliarden Euro und damit so hoch wie noch nie in der Geschichte der Stadt. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,9 Prozent und damit einer faktischen Vollbeschäftigung, knapp 27.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen sowie täglich etwa 17.000 Einpendlern ist Singen für Gerd Springe der „Jobmotor der Region“.

Die laut Gerd Springe sich derzeit in der Stadt in dreistelliger Millionen-Höhe bewegenden Bauinvestitionen deuten darauf hin, dass das vorerst so bleiben wird. „Noch nie wurde so viel investiert“, stellte auch OB Häusler fest, was dem ersten Schluri in der Stadt eine Termindisziplin der besonderen Art abverlangt: „Zurzeit stecke ich fast täglich irgendwo einen Spaten rein.“

Gestern, heute und morgen

  1. Wie alles begann: Im Gründungsjahr 2002 zählte Singen aktiv 53 Mitgliedern. Zweck des Vereins war zunächst das Angebot von Vorträgen zu Themen der Wirtschaft für Unternehmer. Im Laufe der Jahre kamen Aufgaben wie etwa die Qualifizierung für Geschäftsführer oder Nachwuchsführungskräfte oder die Bildung eines Netzwerkes für Existenzgründer hinzu. Die von Singen aktiv veranstaltete Abendgesellschaft mit hochkarätigen Referenten gibt es seit 2007, sie gilt inzwischen als die wichtigste gesellschaftliche Veranstaltung der Stadt.
  2. Aktuelles über den Verein: Die Zahl der Mitglieder beläuft sich aktuell auf 278 und bewegt sich damit auf konstantem Niveau. Die Austritte des vergangenen Jahres wurden durch 16 Neueintritte ausgeglichen. Die Beiträge der Mitglieder mit insgesamt 56.700 Euro im Jahr bilden den Grundstock der Aktivitäten des Vereins. Laut Claudia Kessler-Franzen tragen die Mitglieder von Singen aktiv die Verantwortung für insgesamt rund 14.000 Arbeitsplätze.
  3. Aufgabenstellungen der nächsten Zeit: Zu den zahlreichen Zielen, die der Vorsitzende Gerd Springe in der Mitgliederversammlung nannte, gehörte die engere Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) in Konstanz. Angestrebt wird demnach eine „räumliche Nähe zu Singen“ – Singen aktiv sucht also nach räumlichen Möglichkeiten für die Ansiedlung eines Hochschulablegers.