"Wer nicht wagt, der nicht gewinnt": So lautet das Motto des diesjährigen Mittelrheiners, eines Chirurgen-Kongresses, der jährlich entlang des Rheins abgehalten wird. Besonders ist in diesem Jahr, dass er zum ersten Mal vom Hegau-Bodensee-Klinikum Singen in der Stadthalle ausgerichtet wird. Dafür werden vom 4. bis zum 5. Oktober etwa 300 Ärzte sowie 100 Pflegefachkräfte in den Hegau reisen. Das ist außergewöhnlich, da der Kongress noch nie so weit im Süden stattgefunden hat.

Tagungspräsident ist Professor Matthias Gundlach, Chefarzt des Hegau-Bodensee-Klinikums für Allgemein-, Thorax- und Viszeralchirurgie. "Es ist natürlich eine Ehre und Auszeichnung, dass man als Stadt, die eher im Randgebiet liegt, gefragt wird, den Kongress auszurichten. Auch, da meistens Universitäts-Kliniken dafür ausgewählt werden", erläutert Gundlach. Er selbst ist Mitglied der Vereinigung und bestimmt als Tagungspräsident die Themengebiete des Kongresses: "Die Themen sind natürlich immer ein Spiegelbild von dem, was man selbst macht", bestätigt er.

Auch eine Pflegefachtagung findet statt

Schwerpunkt des Kongresses wird somit die Chirurgie der Organe sein, dabei vor allem Hernienchirurgie (Bauchwandbrüche), Risikominimierung der Gefäßchirurgie, das Gebiet der Schilddrüse, Verletzungen der Schulter, "junge Chirurgie" mit Video-Operationen sowie Neuigkeiten der onkologischen Chirurgie. "Schön an dem Kongress ist, dass viele Themen behandelt werden, die speziell Krankenhäuser betreffen", erklärt Gundlach.

Am Freitag, 5. Oktober, findet parallel zum zweiten Tag des Chirurgen-Kongresses eine Pflegefachtagung statt. "Dass wir zusätzlich zu den Chirurgen die Pflegekräfte vertreten, ist natürlich eine große Ehre für uns", äußert sich Bettina Schiffer, Akademieleiterin. Die Themen der Fachtagung werden sich, passend zur Chirurgie, hauptsächlich an der operativen Nachsorge orientieren. "Auch wird die Begleitung der Patienten bis zum Lebensende sowie die Bedeutung der Wundversorgung ein großes Thema sein", fügt Schiffer hinzu. "Wir achten darauf, dass Themen dabei sind, die Lernende ansprechen", sagt Schiffer, "denn wir werden auch viele unserer Schüler aus dem zweiten Lehrjahr zum Kongress schicken." Es sei ein Format, dass für die jüngere Generation unbekannt ist, und so sollen diese später empfänglicher für Einladungen zu Kongressen sein. Ebenfalls werde großen Wert auf die Nachbereitung des Kongresses gelegt.

Verleihung des Ludwig-Rehn-Preises

Während dem Kongress werden verschiedene Sitzungen, aber auch Trainingskurse angeboten. Bei den Trainingskursen können die Chirurgen in kleinen Gruppen neue Gerätschaften, Robotertechnik und die damit verbundenen neuen Methoden bei Tierorganen testen und üben. Bei den Sitzungen werden viele interne Referenten sprechen, aber auch einige Vertreter von Uni-Kliniken wie Freiburg und Tübingen. "Natürlich sucht man sich, wenn man den Kongress ausrichtet, einige Referenten aus der Nähe aus. Das ist auch gut, denn so sprechen jährlich immer wieder unterschiedliche Kollegen", unterstreicht Tagungspräsident Gundlach.

Auch wird es einen "Surgery-Slam" geben, bei dem verschiedene Chirurgen vierminütige Impuls-Referate zu kleineren Themen halten. Diese Vorträge und auch die elektronischen Poster werden am Ende des Kongresses prämiiert. "Das bieten wir an, um auch jüngere Kollegen zum aktiven Mitmachen zu motivieren", erzählt Gundlach. Ebenfalls wird wie jedes Jahr der Ludwig-Rehn-Preis für eine hervorragende wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Allgemeinchirurgie vergeben. "Dabei werden oft besonders gute Doktorarbeiten bewertet, was dann auch ein Ansporn für die akademisch arbeitenden Kollegen ist", erzählt Gundlach.

Austausch mit Kollegen angestrebt

Er selbst freut sich bei dem Kongress auf den Austausch mit Kollegen und darauf, zu hören, welche Früchte der frühere Austausch trägt. "Unser Austausch nützt dazu natürlich auch den Patienten, da jeder von uns etwas mitnimmt und lernt", fügt Gundlach hinzu. Außerdem sei es ein großer Vorteil, dass der Kongress in Singen stattfindet, da so wesentlich mehr Mitarbeiter des Hegau-Bodensee-Klinikums teilnehmen können als in anderen Jahren. "Normalerweise hat nicht jeder die Gelegenheit, einen Kongress in einer anderen Stadt zu besuchen", ergänzt Gundlach.

Auf die Frage, warum er das Motto "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt" gewählt hat, hat Gundlach eine ganz klare Antwort: "Wagen steht für mich für abwägen, nicht etwa für wagemutig. Es soll bedeutet, dass man sich nicht immer im starren Korsett von Richtlinien bewegen kann, denn ein Chirurg, der nichts wagt ist im Endeffekt schlecht für den Patienten."