Man konnte dem Leiter des Singener Tiefbauamtes, Uwe Kopf, die Erleichterung förmlich anmerken. Für ihn war klar, dass die Planung des neuen Bahnhofsvorplatzes ins Stocken geraten würde, wenn der Gemeinderat die Entscheidung über das Bussteigdach vertagt hätte. Dazu kam es aber nicht.

Trotz gravierender Abweichungen vom Siegerentwurf des Freiburger Architektenbüros K9 verständigten sich die Räte mit großer Mehrheit auf den Bau eines durchgehenden Metalldaches. Hier besteht ein direkter Bezug zur Singener Industrie, weil beschichtetes Aluminium (Alucobond) eingesetzt werden soll. Über die Farbe werde man später entscheiden, ließ Oberbürgermeister Bernd Häusler in den dreiteiligen Beschluss einfließen. Diese soll mit dem von der Hamburger Investorengruppe ECE geplanten Einkaufszentrum "Cano" korrespondieren. Ziel ist es, die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes im Herbst 2019 abzuschließen. Damit will man ausschließen, dass sich die beiden Singener Großprojekte am Bahnhof gegenseitig behindern.

Planer Manfred Piribauer erläuterte den Räten den deutlich veränderten Entwurf des künftigen Busbahnhofs. 160 Meter lang und 12 Meter breit soll es nun werden. Der Bussteig soll geschwungen gestaltet werden, sodass die Busse in Buchten schräg anfahren können. "Wir brauchen schräge Einfahrbuchten, um alle Busse unterzubringen", machte sich Oberbürgermeister Bernd Häusler für den Plan stark. Dadurch ergibt sich ein Raster von schräg versetzten Stützen, die die zusammengefügten Dachelemente tragen. Während die obere Seite sich als glatte Scheibe präsentiert, ist die Unterseite leicht gefaltet. Unter dem Dach sollen Sitzmöbel mit Vitrinen für Fahrpläne aufgestellt werden.

Erst kurz vor Pfingsten hatten Vertreter von Grünen, Freien Wählern und SPD die Diskussion mit dem Vorschlag, das Dach zu begrünen, neu entfacht. Massiver Widerstand dagegen kam aus der CDU und von der FDP. Sowohl Veronika Netzhammer (CDU), als auch Kirsten Brößke (FDP) legen Wert auf ein leichtes, filigran wirkendes Dach am Eingangsportal der Innenstadt. Netzhammer führte auch die Mehrkosten für ein Gründach und dessen Pflege als Gegenargument ins Feld. Eberhard Röhm (Grüne) hält hingegen die Mehrkosten in Höhe von 50 000 Euro im Sinne des Klimas für vertretbar. Er findet den Entwurf viel zu steril. Hubertus Both (Freie Wähler) und Walafried Schrott (SPD) mahnten die Vorbildfunktion der Stadt in Energiefragen an und forderten ein begrüntes Dach. Durchsetzen konnten sie sich damit nicht.
 

Die Vorgeschichte

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich der Singener Gemeinderat mit der Frage, wie der Bahnhofsvorplatz verschönert und der Busverkehr besser integriert werden kann. Durch den Verkauf von Grundstücken an den Hamburger Konzern ECE wurden Mittel frei, die für den Umbau des Bahnhofsplatzes eingesetzt werden können. Im Sommer 2019 soll der Platz umgestaltet werden. Die Kosten für das unbegrünte Bahnhofsdach sind mit 2,038 Millionen Euro beziffert. Ein Glasdach (ursprünglicher Entwurf) würde 1,634 Millionen Euro kosten.